In unserer FiDA-Blogreihe haben wir bereits die Implikationen von FiDA für Open Finance (Teil 1) aufgezeigt und sie entlang eines exemplarischen Vorgehens bei FiDA-Projekten (Teil 2) strukturiert. In diesem Blog zeigen wir, warum der standardisierte Datenaustausch Banken und Versicherungen zum strategischen Umdenken im Einsatz von KI verpflichtet.

Wie Finanzdienstleister die neue Datenfreiheit nutzen, um KI vom Projekt zur strategischen Plattform zu machen

Die Einführung der Financial Data Access Regulation (FiDA) markiert einen Wendepunkt für die Finanzbranche. Sie ist weit mehr als eine regulatorische Anpassung: FiDA ist der Katalysator, der die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Banken und Versicherungen von einer Option zu einer Notwendigkeit macht. Warum? Weil nur KI in der Lage ist, die enorme Menge und Vielfalt der durch FiDA zugänglichen Finanzdaten effizient zu analysieren, Muster zu erkennen und daraus in Echtzeit personalisierte, innovative Services zu generieren. Banken und Versicherungen, die diese Chance nicht nutzen, werden im Wettbewerb um die Kundenschnittstelle zurückfallen.

FiDA positioniert KI für Banken als Strategie statt als Projekt

Bislang wurde KI in Banken und Versicherungen oft experimentell genutzt: punktuelle Use Cases, begrenzte Datenbasis, langsame Skalierung. Auf dem Weg zu Open Finance schafft FiDA nicht nur neue Rahmenbedingungen, sondern verpflichtet Banken und Versicherungen zum standardisierten Datenaustausch – und eröffnet damit zugleich neue Potenziale für den Einsatz von KI-Modellen. Die standardisierten Financial Data Sharing Schemes (FDSS) erweitern den Zugriff auf qualitativ hochwertige Finanzdaten zu einer ganzheitlichen Kundenperspektive, die weit über die eigenen Datensätze hinausgeht.

FiDA ermöglicht damit eine nahezu vollständige Kundenperspektive durch den Zugriff auf Transaktions-, Investment-, Kredit-, Versicherungs- oder Pensionsdaten. Diese Datenvielfalt ist der Motor für KI-gestützte Innovation: Modelle werden präziser, Personalisierung erreicht ein neues Niveau, und die Geschwindigkeit, mit der Banken und Versicherungen Insights generieren, entscheidet über Marktanteile. KI wird damit nicht nur relevanter, sie wird unverzichtbar und zum Kernbestandteil der künftigen Kundeninteraktion.

Die Auswirkungen sind unmittelbar spürbar. Kreditrisiko- oder Versicherungsmodelle können künftig auf vollständigen Portfolios statt fragmentierten Daten basieren, was Bias reduziert und Stabilität erhöht. Fraud Detection profitiert von multimodalen Datenquellen, während die FiDA-Protokollierung Erklärbarkeit und Compliance sicherstellt. Und im Vertrieb ermöglicht KI hyper-personalisierte Angebote, die die gesamte Finanzlage des Kunden berücksichtigen.

Diese Use Cases sind kein „Add-on“ mehr. Sie werden zum Standard, da FiDA den Datenzugang für alle Marktteilnehmer öffnet – inklusive FinTechs und Plattformanbietern. Banken und Versicherungen, die hier nicht investieren, verlieren den Zugang zur Kundenschnittstelle.

Strategisches Umdenken: KI als Plattform

FiDA zwingt Banken und Versicherungen, ihre Rolle im Datenökosystem neu zu definieren. Finanzdienstleister gehen längst über reine Datenverwaltung hinaus. Mit FiDA sind sie nun gefordert, externe Datenquellen aktiv einzubinden, zu nutzen und als Orchestratoren im erweiterten Finanzdaten-Ökosystem zu agieren. Das bedeutet: Aufbau von FDSS-konformen Plattformen, die nicht nur interne Daten nutzen, sondern auch externe Quellen orchestrieren. Erfolgreiche Häuser kombinieren beide Rollen und schaffen Partnernetzwerke, um Datenvielfalt und Reichweite für KI zu maximieren.

Dieses strategische Umdenken ist entscheidend, da KI künftig nicht mehr als isolierte Lösung funktioniert, sondern als Plattform-Architektur: Feature Stores, MLOps-Pipelines und Consent-Management werden zum Fundament für personalisierte Services, präzise Risikomodelle und automatisierte Entscheidungen. Finanzinstitute, die diese Architektur nicht aufbauen, verlieren Geschwindigkeit, Innovationskraft und Differenzierung.

Gleichzeitig bleibt Vertrauen der Schlüssel. Kundensouveränität ist nicht nur regulatorische Pflicht, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor. Da FiDA den Zugang zu Finanzdaten explizit an die Zustimmung der Kunden  knüpft, hängt auch der Erfolg von KI-Anwendungen unmittelbar davon ab, dass Kunden bereit sind, ihre Daten zu teilen. Ohne diese Einwilligung bleibt das Potenzial von KI ungenutzt. Banken und Versicherungen müssen daher sicherstellen, dass ihre KI-Services erklärbar, fair und nachvollziehbar sind. Transparenz und Vertrauen sind somit die Voraussetzung für eine skalierbare KI-Strategie.

FiDA ist damit mehr als Regulierung: Es ist der Hebel, der KI vom Projekt zur strategischen Plattform macht und Finanzinstitute zwingt, jetzt zu handeln. Der eigentliche Wettbewerbsvorteil entsteht, wenn Banken die Extra-Meile gehen: sich nicht nur als Datenhalter, sondern als aktive Datennutzer positionieren, die eine FDSS-fähige Datenarchitektur aufbauen und Partner orchestrieren. Nur so lassen sich die neuen Datenströme in skalierbare KI-Services übersetzen, bevor FinTechs und Plattformanbieter die Kundenschnittstelle für sich beanspruchen. Wer hier zögert, riskiert nicht nur den Anschluss, sondern den Verlust des direkten Kundenzugangs.

Co-Autor: Dr. Daniel Lupp