Capgemini’s EUDI Potential Assessment

Wie weisen Organisationen Ihre Identität künftig grenzüberschreitend, digital und rechtssicher nach – ohne Medienbrüche, Einzellösungen oder manuelle Prüfprozesse?

Diese Frage wird in den kommenden Jahren nicht nur für Behörden, sondern für Unternehmen aller Branchen geschäftskritisch. Mit der European Business Wallet (EBW) entsteht erstmals ein EU-weit standardisierter Vertrauensmechanismus für Organisationen und damit ein neuer Ordnungsrahmen für digitales Wirtschaften innerhalb der EU. Laut EU-Kommission sollen so für den voll-digitalisierten EU-Binnenmarkt bis zu 147 Mrd. € Netto-Wertschöpfungspotenzial möglich werden.1 Die EBW ist mehr als eine technische Erweiterung bestehender Identitätslösungen. Sie adressiert eine strategische Lücke und zeigt, wie Organisationen Identität, Rollen, Mandate und weitere Nachweise digital, interoperabel und vertrauenswürdig einsetzen können.

Wo schafft die EBW Mehrwert?

Der Nutzen der EBW zeigt sich in konkreten Business-to-Business-, Business-to-Consumer- und Business-to-Government-Geschäftsprozessen, die durch die EBW deutlich effizienter, skalierbarer und risikoärmer gestaltet werden können:

  • Schnelleres und sichereres Partner und Lieferanten Onboarding
    „Know Your Business Partner“-Prüfungen lassen sich auf Basis verifizierter, digitaler Nachweise automatisieren und grenzüberschreitend durchführen
  • Rechtsverbindliche, digitale Vertragsabschlüsse über EU-Ländergrenzen hinweg
    Papierbasierte Prozesse und nationale Sonderlösungen entfallen bei gleichzeitiger rechtlicher Absicherung
  • Einfacherer Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen und digitalen Verwaltungsleistungen
    Organisationen können erforderliche Nachweise unmittelbar, standardisiert und vertrauenswürdig bereitstellen
  • Digitale Mandats‑ und Berechtigungsverwaltung
    Rollen, Vertretungsbefugnisse und Handlungsvollmachten lassen sich nachvollziehbar und granular abbilden als entscheidender Faktor für Governance und Compliance
  • Effizientere Compliance‑ und Audit‑Prozesse
    Vertrauenswürdige Unternehmensdaten können gezielt und kontrolliert geteilt werden, ohne wiederholte manuelle Prüfungen

Insbesondere regulierte Branchen, der Finanzsektor und die öffentliche Verwaltung werden hier Vorreiter sein. Das strategische Potenzial der EBW reicht jedoch deutlich darüber hinaus: Überall dort, wo Vertrauen, Nachweisbarkeit und Effizienz über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.

Was ist die EBW im Detail?

Die EBW ist Teil des entstehenden European Digital Identity (EUDI) Ökosystems, das mit der Weiterentwicklung der eIDAS‑Verordnung (eIDAS 2.0) geschaffen wird. Während sich die EUDI Wallet primär an natürliche Personen richtet, adressiert die EBW gezielt Organisationen als eigenständige Identitätsträger.

In einem Verordnungsentwurf der EU‑Kommission (Stand: November 2025) wird die eIDAS‑Regulierung um organisatorische Wallet‑Inhaber erweitert. Ziel ist ein ganzheitliches, interoperables EU-Vertrauensökosystem, in dem:

  • Organisationen ihre Identität digital nachweisen können,
  • verifizierte Unternehmensattribute und Nachweise standardisiert verwaltet werden,
  • sowie Mandate als auch Rollen delegiert und geprüft werden können.

Die EBW folgt dabei denselben Grundprinzipien wie die EUDI Wallet: Sicherheit, EU-Interoperabilität und Vertrauen. Dabei ist sie jedoch konsequent aus der Perspektive organisatorischer Anforderungen gedacht. In Abbildung 1 werden die Komponenten und darüber abgebildeten Funktionen der EBW abgebildet:

Abbildung 1: Konzeptionelle Visualisierung von EBW-Komponenten

Warum ist die EBW ein zentraler GovTech-Baustein?

Aus GovTech‑Sicht schafft die EBW eine standardisierte Vertrauensebene für digitale Interaktionen zwischen Unternehmen, Bürger:innen und Behörden. Sie unterstützt damit unmittelbar die europäische Strategie für Digitale Öffentliche Infrastruktur (Digital Public Infrastructure, DPI).

Das bedeutet:

  • weniger Verwaltungsaufwand in Beschaffung, Lizenzierung und Genehmigungsprozessen,
  • konsistente, grenzüberschreitende Identitäts‑ und Berechtigungsprüfungen,
  • und eine belastbare Grundlage für digitale öffentliche Dienste.

Ein Unternehmen in Deutschland kann dadurch z.B. seine Identität gegenüber einer Behörde in Italien oder einem Geschäftspartner in Frankreich über denselben, vertrauenswürdigen Rahmen eingebettet in ein europäisches GovTech‑Ökosystem nachweisen. Kurz gesagt: Die EBW geht über reine Compliance hinaus, ermöglicht neue, digitale Geschäftsmodelle und schafft Vertrauen im industriellen Maßstab.

Was sollten Organisationen jetzt tun?

Auch wenn die breite Einführung des EUDI-Ökosystems noch bevorsteht: Vorbereitung ist jetzt ein strategischer Vorteil. Organisationen sollten frühzeitig Klarheit darüber gewinnen,

  • welche Identitäts‑, Berechtigungs‑ und Nachweisprozesse heute existieren,
  • wo Medienbrüche, Risiken oder Ineffizienzen liegen,
  • und welche Anwendungsfälle durch die EBW realen Mehrwert stiften können.

Hier setzt das Capgemini EUDI Potential Assessment an. Es bietet einen strukturierten Ansatz, um die Relevanz der EBW für die eigene Organisation fundiert zu bewerten.

Ergebnisse eines EUDI Potential Assessments sind:

  1. eine priorisierte Liste relevanter EBW‑Use‑Cases basierend auf Mehrwert und Machbarkeit,
  2. eine Einordnung des aktuellen Reifegrads im Identitäts‑ und Berechtigungsmanagement,
  3. sowie eine Roadmap für Umsetzung, Governance und Integration in die bestehende Systemlandschaft.

Capgemini begleitet Organisationen dabei von der strategischen Einordnung bis zur operativen Umsetzung mit tiefem Verständnis an der Schnittstelle zu Regulierung, Technologie und Geschäftsprozessen. Wenn Sie das Potenzial der European Business Wallet für Ihre Organisation konkret bewerten möchten, sprechen Sie uns gerne an.