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Erfolgreich zu Net Zero mit Sustainable IT – Mit diesen Hebeln unterstützt Ihre IT den Weg zur Nachhaltigkeit

Henning Meyer
12. Mai 2022
capgemini-invent

Dass Unternehmens-IT mitunter durch den hohen Bedarf an Elektrizität und Rohstoffen in erheblichem Maße zum globalen Treibhaugasausstoss beiträgt, haben wir in unserem letzten Blog-Beitrag gezeigt.

Somit dürfen Net Zero Ambitionen nicht vor der Unternehmens-IT Halt machen – im Gegenteil: Das Erreichen dieser Ambitionen ist nur mit einer nachhaltigen IT möglich.

Im Folgenden möchten wir fünf wichtige Hebel vorstellen, mit welchen Ihre IT den Weg zu Net Zero unterstützen kann.

Die fünf Hebel zur Unterstützung der Net Zero-Strategie

Hebel 1: Speicherung und Verarbeitung von Daten in der Cloud

Die global verarbeitete und gespeicherte Datenmenge ist in den letzten Jahren geradezu explodiert und ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht. Beschleunigt durch das Internet of Things und neuen Übertragungstechnologien wie 5G deuten Prognosen eine Verfünffachung der globalen Datenmenge zwischen 2018 und 2025 an.[1] Um diese Daten für vielfältige Zwecke nutzbar zu machen, greifen immer mehr Unternehmen auf die Cloud zurück. Dies ist aus Gründen wie der höheren Auslastung pro Server oder energieeffizienteren, -modernen Datencentern auch aus Nachhaltigkeitsüberlegungen sinnvoll. «Aus den Augen, aus dem Sinn» ist aber nicht angesagt. Denn das Speichern von 100 Gigabyte in der Cloud kann je nach Hardware, Strommix und PUE (Power Usage Effectiveness) schnell bis zu 200kg CO2 pro Jahr verursachen.[2]
Eine nachhaltige Cloud-Strategie startet mit der Anbieterauswahl und setzt auf Transparenz und gemeinsame Anreizsysteme zur Reduktion des CO2-Fußabdrucks. Weitere Insights zu den Chancen nachhaltiger Cloud-Lösungen finden Sie in unserer spezifischen Blogreihe.

Hebel 2: Effiziente und effektiv betriebene Applikationen

Applikationen sind das Herzstück des täglichen Betriebs moderner Unternehmen. Durch historisch-bedingten stückweisen Auf- und Ausbau sind Applikations-Landschaften aber oftmals sehr heterogen und von einer entsprechend hohen Komplexität geprägt. Daraus resultieren nicht nur unverhältnismäßig hohe Kosten für Betrieb und Wartung, sondern auch vermeidbare Redundanzen. Mit einer umfassenden Analyse des Applikationsportfolios können solche Ineffizienzen transparent und Optimierungspotentiale sichtbar gemacht werden. Durch die detaillierte Erfassung der verwendeten Systeme und der Hardware inklusive Strombedarf und des Auslastungsgrads kann das Gesamtsystem untersucht und im Hinblick auf Nachhaltigkeitskriterien optimiert werden.

Für einen ganzheitlichen Ansatz sollte außerdem bereits bei der Entwicklung und Weiterentwicklung von Applikationen auf Energieffizienz geachtet werden. Dies betrifft sowohl Software-Architektur als auch Coding-Practices. Für Systeme mit einer Vielzahl unterschiedlicher Hardware-Komponenten, z.B. IoT-Lösungen, sind die Verbrauchswerte der einzelnen Komponenten zu beachten und darauf basierend die Gesamtarchitektur bzgl. Energieeffizienz zu optimieren. Für Unternehmen, die Software mehrheitlich von externen Dienstleistern beziehen sind entsprechende Energieffizienz-Kriterien im Software-Auswahlprozess ein mögliches Mittel, um aus vergleichbaren Angeboten die passende Lösung auszusuchen.

Hebel 3: Nachhaltiges Lifecycle-Management von Endgeräten

Mit der steigenden Anzahl an Enduser-Geräten – Laptop, Monitor, Smartphone, etc. – nehmen auch die damit verbundenen klimaschädlichen Auswirkungen zu. Dementsprechend sind diese Geräte für einen signifikanten Anteil der Gesamtemissionen einer IT verantwortlich und sollten daher dediziert betrachtet werden.

Der Großteil der Emissionen stammt dabei aus der Produktion der Geräte, die aufgrund der durchschnittlichen Lebensdauer von nur drei Jahren äußerst negativ ins Gewicht fällt. Hingegen spielt die Energieeffizienz in der täglichen Nutzung tatsächlich eine untergeordnete Rolle, – insbesondere, wenn für den Betrieb Strom aus erneuerbaren Quellen genutzt wird. Um den negativen Auswirkungen trotz der fortlaufend steigenden Anzahl an Endgeräten entgegenzuwirken besteht ein wesentlicher Hebel also darin, die Einsatzdauer der Geräte zu verlängern. Auch die Reparatur, bzw. Wiederaufbereitung von Geräten kann aus Nachhaltigkeitsüberlegungen sinnvoll sein.

Hebel 4: Verantwortungsvoll handelnde Mitarbeiter*innen

Auch in einer zunehmend digitalisierten Welt spielt der Faktor Mensch eine wichtige Rolle wenn es darum geht, den klimatischen Fussabdruck aus der Nutzung von IT zu reduzieren. Im Vergleich zu anderen Lebensbereichen fehlt uns aber noch das Wissen und das Bewusstsein dafür, welche Auswirkungen unser täglicher Umgang mit Technologie und digitalen Services auf die Umwelt hat. Oder hätten Sie gewusst, dass eine Stunde Videocall ein Kilogramm CO2 verursacht und dass sich dieser Wert um 96% reduziert, wenn man die Kamera ausschaltet?[3][4] Bereits kleine Verhaltensänderungen helfen, die negativen Klimaauswirkungen der Unternehmens-IT zu veringern und somit die ambitonierten Nachhaltigkeitsziele der gesamten Organisation zu unterstützen. Mit gezielten Awareness-Formaten, spezifischem Fähigkeiten- und Knowhow-Aufbau sowie entsprechenden Tools kann dieser Hebel in die richtige Richtung bewegt und die Mitarbeitenden zu motivierten «Change Makern» auf dem Weg zu Net Zero gemacht werden.

Hebel 5: Mit Technologie Nachhaltigkeit ermöglichen

Letztlich ist eine IT Organisation nicht nur darin gefordert, den eigenen Fussabruck zu verringern, sondern Technologie-getriebenen Lösungen anzubieten, die Treibhausgasreduktionen in anderen Geschäftsbereichen ermöglichen. Das Potential, dass aus dem Einsatz von Technologie hervorgeht, ist gewaltig und entsprechend hoch sind die Erwartungen.

Mit einer gezielten Analyse der Sektor-spezifischen Wertekette hinsichtlich Nachhaltigkeitsproblemen bzw. -potentialen wird der Grundstein für die Identifikation von möglichen Anwendungsfällen gelegt. Bei der Priorisierung und letztlich der Investment-Entscheidung müssen dabei zwingend auch Nachhaltigkeitskriterien herangezogen werden. Wie das Reduktionspotential im Vergleich zu den zusätzlich verursachten Emissionen abschneidet, ist die zentrale Frage im „Sustainable IT Business Case“.

[1] https://www.iwd.de/artikel/datenmenge-explodiert-431851/

[2] https://medium.com/stanford-magazine/carbon-and-the-cloud-d6f481b79dfe

[3] https://mg.co.za/environment/2021-02-28-turn-off-your-zoom-video-and-help-the-planet/

[4] https://www.forbes.com/sites/quickerbettertech/2021/01/24/turning-off-your-camera-in-video-calls-could-cut-carbon-emissions-by-96and-other-small-business-tech-news/?sh=28561e252b78

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