Die deutsche InsurTech Landschaft 2020

Erkenntnisse aus der Capgemini Invent InsurTech Datenbank

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Die InsurTech Szene in Deutschland wächst weiter und verändert die Branche. Unsere zweite strukturierte Auswertung bietet spannende Einblicke zur aktuellen Lage der deutschen InsurTechs und unsere Sicht auf die weitere Entwicklung.

Lagebild 2020 – InsurTechs in Deutschland

Die Anzahl der InsurTechs ist seit unserer letzten Erhebung  im Jahr 2018 um 42 Prozent auf 160 gestiegen. Während Berlin und München – auf Platz 1 und 2 der Standorte – ihren Anteil halten,  wächst die Szene insbesondere in Nordrhein-Westfalen. Dabei setzt sich die Konsolidierung auf große Städte fort: Nur noch 15 Prozent der InsurTechs sind außerhalb der Ballungsräume großer Städte angesiedelt.

Kooperative InsurTechs bilden die breite Masse der Szene: Knapp 85 Prozent der InsurTechs setzen auf Kooperationen mit Versicherungshäusern und Maklern und möchte als Digitalisierungs- oder Vertriebspartner mit den etablierten Playern zusammenarbeiten. Insgesamt befinden sich die meisten InsurTechs noch in frühen Entwicklungsstadien, erst 3 Prozent haben die Reifephase erreicht und konnten sich als stabilisiertes, etabliertes und profitables Mitglied der deutschen Versicherungslandschaft behaupten.

Bei den Geschäftsmodellen zeigen sich die Enabler als Wachstumstreiber. Diese Digitalisierungspartner der Versicherer und Makler stellen mit 51 Prozent der InsurTechs mittlerweile die größte Kategorie und relegieren die bisher dominanten Distributoren (Digitale Makler, Finanzassistenten, Vergleichsplattformen und gebundene Kooperationsmodelle) auf den zweiten Rang. Full Carrier – also Start-Ups, die als Versicherungsunternehmen auftreten – halten ihren Anteil und bilden etwa 9% der deutschen InsurTechs.

Europäische Perspektive

Mit der Erweiterung der Capgemini Invent InsurTech Datenbank auf Frankreich und Großbritannien können wir einen ersten vergleichenden Blick auf die drei wesentlichen europäischen InsurTech-Märkte werfen. Dabei zeigt sich, dass Deutschland europäische Full-Carrier-Hochburg ist. Fast ein Zehntel der deutschen InsurTechs treten mit Versicherungslizenz in den direkten Wettbewerb mit etablierten Versicherern. In Frankreich und Großbritannien geht lediglich ein Prozent der InsurTechs diesen Weg. Dort dominieren kooperative Geschäftsmodelle die Szenen, wenige InsurTechs suchen die direkte Konfrontation mit Versicherern.

Mit 125 Versicherungs-Start-Ups ist Paris der größte InsurTech-Standort Europas. Die Finanzmetropole London folgt mit 76 InsurTechs. Berlin – mit 37 InsurTechs der größte Standort Deutschlands – ist nur halb so bedeutend. Bei ihrer Standortentscheidung setzen InsurTechs auch auf das Netzwerk vor Ort und den Erfahrungsaustausch. Um im internationalen Wettbewerb um vielversprechende InsurTechs langfristig mithalten zu können, müssen deutsche Standorte jeweils thematische Akzente setzen, indem branchenübergreifende Communities sich gemeinsam lokal positionieren.

Ausblick

COVID-19 beschleunigt die Veränderung in der InsurTech Szene. Bei vielen Start-Ups führen aufgrund der Coronakrise pausierte bzw. gestoppte Projekte kurzfristig zu Cashflow-Herausforderungen. Dies wird einige InsurTechs zur Geschäftsaufgabe bringen. Allerdings offenbart die Pandemie auch Digitalisierungsrückstände bei etablierten Versicherungshäusern: Hier entsteht großes, neues Geschäftspotenzial für Enabler und digitale Vertriebs-Start-ups.

Kooperation bleibt eine Herausforderung für Versicherer und InsurTechs: 70 Prozent der InsurTechs arbeiten schon heute mit Versicherern zusammen. Doch die Zusammenarbeit gestaltet sich weiterhin schwierig und erfordert ein Umdenken auf beiden Seiten. Damit Versicherer von InsurTechs grundlegend profitieren können, müssen sowohl kulturell als auch in der IT-Infrastruktur noch einige Voraussetzungen geschaffen werden.

Neue InsurTech Neugründungen bedienen überwiegend Marktnischen oder lösen spezifische Herausforderungen entlang der Wertschöpfungskette der Versicherer, die hochspezifisch und oftmals nicht direkt über Landesgrenzen hinweg skalierbar sind. Dass sich einer dieser neuen Akteure zum „Unicorn“ (Start-Up mit einer Unternehmensbewertung von über einer Milliarde US-Dollar) entwickelt, ist auf absehbare Zeit unwahrscheinlich. Die neue Cohorte InsurTechs wird den Versicherungsmarkt eher als mittelständische Akteure bereichern.

Über die Studie

Die InsurTech Studie 2020 basiert auf der Capgemini Invent InsurTech Datenbank, die deutsche InsurTechs entlang über 30 Kriterien klassifiziert und trackt. Die Daten werden auf Basis frei verfügbarer Datenquellen und Hintergrundgesprächen erfasst und analysiert. Auf Anfrage erstellen wir auch individuelle Auswertungen unserer Datenbank. Seit 2020 verfügen wir über ähnliche Datenbanken für Frankreich, Großbritannien und die USA.

InsurTech Studie 2020

Dateigröße: 6,97 MB File type: PDF

Empfohlener Experte

Jan-Thomas Schmale

Experte in Innovations- und Organisationsthemen

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