Die Bahnindustrie erzeugt mehr Daten als je zuvor, allerdings gelingt es häufig nicht, diese Informationen effizient miteinander zu verknüpfen. Datenaustauschprozesse sind oft manuell, nicht standardisiert und dadurch nur eingeschränkt skalierbar. Diese Hürden bremsen die Digitalisierung – und führen dazu, dass Potenziale in Instandhaltung, Betrieb und Nachhaltigkeit ungenutzt bleiben. Um diesen Zustand zu verändern, braucht es einen Ansatz, der sicheren und skalierbaren Datenaustausch ermöglicht, Vendor Lock-in verhindert und gleichzeitig die Datenhoheit aller Beteiligten schützt.

Railway-X: Ein Data Space für die Bahnindustrie

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Projekt Railway-X verfolgt das Ziel, einen branchenspezifischen Data Space für die Bahnindustrie zu entwickeln – eine gemeinsame Infrastruktur, über die Unternehmen Daten souverän austauschen können, ohne sie zentralisieren zu müssen.

Im Fokus steht sicherer, vertrauensvoller und skalierbarer Datenaustausch, ermöglicht durch:

  • Standardisierte Schnittstellen und Protokolle, mittels Eclipse Dataspace Connector (EDC).
  • Standardisierte Datenmodelle, mittels spezifischer Datenmodelle der International Digital Twin Association (IDTA) und der Asset Administration Shell (AAS).
  • Eindeutige Nutzungs- und Zugriffsregeln, mittels maschinenlesbarer Policies definiert in der Open Digital Rights Language (ODRL).

Daten bleiben dezentral bei ihren Besitzern. Durch einheitliche technische Standards können sie jedoch wiederverwendet und automatisiert verarbeitet werden – ein entscheidender Hebel für Effizienz und Skalierbarkeit.

Auf diesem Fundament liefert Railway-X konkreten Mehrwert für Unternehmen, beispielsweise in folgenden Anwendungsfällen:

  • Sinkende Transaktionskosten: Standardisierung reduziert den Aufwand für jeden einzelnen Datenaustausch – die Grenzkosten sinken.
  • Vertrauen durch Governance: Rollenmodelle, Nutzungsrechte und Policies ermöglichen souveränen Datenaustausch.
  • Erfüllung regulatorischer Anforderungen: etwa für Digitale Produktpässe oder den Data Act.
  • Effizienzsteigerung bestehender Prozesse: z. B. durch den Austausch von Primärdaten im Product Carbon Footprint oder den automatisierten Austausch von Produktdokumentationen.
  • Steigerung des Nachhaltigkeit-Potentials: Erhöhte Produkt-Datenverfügbarkeit und Standardisierung schaffen die Basis für neues Wissen (z.B. für nachhaltigere Einkaufsentscheidungen) und ermöglichen profitablere End-of-Life Prozesse.
  • Neue datengetriebene Innovationen: wie beispielsweise Recycling‑Strategy‑Ansätze, bei denen Daten entlang der Lieferkette kombiniert werden, um mithilfe von Algorithmen oder KI die optimale Wiederverwendungs‑ oder Reparaturstrategie für Bauteile zu bestimmen.

Wie ein interoperables, zukunftssicheres Datenökosystem im Bahnverkehr gelingt

Capgemini ist seit Januar 2025 technischer Partner und investiert in den Erfolg von Railway‑X. Wir bringen unsere langjährige Erfahrung in digitalen Ökosystemen, Datenarchitekturen und souveränen Datenräumen ein und arbeiten daran, Railway‑X technologisch und organisatorisch auf ein tragfähiges Fundament zu stellen.

Unser Beitrag umfasst unter anderem:

  • Bereitstellung einer Testumgebung unter Verwendung offener und interoperabler Architekturkonzepte – konkret bedeutet das die Nutzung der Ergebnisse von Catena-X bzw. Tractus-X „Core Services“ als Grundlage,
  • Unterstützung bei der Nutzung von zentralen Services in fachlichen Anwendungsfällen und deren Demonstration,
  • Erarbeitung eines Betriebsmodells

Unser Ziel: Data Spaces praktisch, interoperabel und zukunftssicher für die Bahnindustrie umsetzen. Dabei ist Interoperabilität ein fundamentales Leitprinzip – Railway‑X soll zukünftig mit anderen domänenspezifischen Data Spaces kompatibel sein, sodass Datenökosysteme branchenübergreifend zusammenwachsen können.

Strategische Bedeutung für die Mobilität der Zukunft

Data Spaces werden in den kommenden Jahren zu einem fundamentalen Baustein digitaler Wertschöpfung – weit über die Bahnindustrie hinaus. Railway-X ist dabei kein theoretisches Konzept, sondern ein reales Anwendungsprojekt, in dem Technologien, Standards und Governance-Modelle unter nahezu realen Bedingungen erprobt und für den späteren Einsatz vorbereitet werden.

Railway‑X schafft die Basis für datenbasierte Innovation in der Bahnindustrie. Besonders zukünftige Anwendungen – etwa auf Basis von KI oder GenAI – werden entscheidend davon profitieren, dass Daten entlang der Lieferkette automatisiert, skalierbar und maschinenlesbar ausgetauscht werden können. Capgemini engagiert sich in Railway‑X, weil wir überzeugt sind: Data Spaces verändern, wie Branchen zusammenarbeiten – und sie öffnen die Tür zu einer neuen Ära digitalen Fortschritts.

Vielen Dank an meinen Co-Autoren Marc Schmid.