Die Studie von Capgemini Invent im Auftrag des BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) liefert eine fundierte Analyse der aktuellen Risikolage im Wasserstoffmarkt und leitet daraus klaren politischen Handlungsbedarf ab. Auf Basis von Interviews mit Marktakteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette identifiziert sie systematisch zentrale Projektrisiken und zeigt auf, welche Faktoren Investitionsentscheidungen in der aktuellen Hochlaufphase verzögern.

Zentrales Ergebnis ist die Multikausalität der Risiken: Investitionen werden selten durch einen einzelnen Hemmfaktor gebremst. Vielmehr wirken regulatorische Unsicherheiten, geringe Marktreife, Finanzierungsrisiken, infrastrukturelle Engpässe, technologische Herausforderungen und arbeitsmarktbezogene Aspekte gleichzeitig zusammen. Isolierte oder punktuelle Maßnahmen reichen daher nicht aus, um Investitionen in der erforderlichen Breite zu mobilisieren.

Besonders deutlich wird dies am Abnahmerisiko. Unsichere Nachfrage ist nur ein Teil des Problems. Hinzu kommen eine begrenzte Zahlungsbereitschaft für grüne Moleküle, fehlende verlässliche Leitmärkte, mangelnde Standardisierung sowie unzureichende Absicherungs‑ und Vertragsstrukturen. In ihrer Kombination erhöhen diese Faktoren Risikoaufschläge, schwächen die Bankability und verzögern finale Investitionsentscheidungen – selbst dann, wenn einzelne Rahmenbedingungen verbessert werden.

Die Studie zeigt, dass nur ein koordiniertes, wertschöpfungskettenübergreifendes Vorgehen diese Risiken wirksam reduzieren kann. Aufeinander abgestimmte und sich ergänzende Rahmenbedingungen stabilisieren Kostenpfade, ermöglichen Handel und Portfolioaufbau und sichern Nachfrage. Die vorgeschlagenen Instrumente sind dabei ausdrücklich als temporäre, hochlaufbegleitende Maßnahmen konzipiert, um den Aufbau eines bislang nicht vollständig bestehenden Marktes zu ermöglichen – nicht als dauerhaft angelegte Marktmechanismen.

Durch die abgestimmte Umsetzung dieser Maßnahmen skizziert die Studie einen belastbaren Pfad zu skalierbaren Investitionen, bankfähigen finalen Investitionsentscheidungen (FIDs) und zum Aufbau vollständiger, resilienter Wasserstoff‑Wertschöpfungsketten.