Der Handlungsdruck wächst

Die Zahlen des Circularity Gap Reports 20251 unterstreichen den Handlungsbedarf: Die globale Zirkularitätsrate, die den Anteil von Sekundärrohstoffen am gesamten Materialverbrauch angibt, ist auf unter 7 % gefallen. 93 % der eingesetzten Materialien werden somit nicht in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt. Gleichzeitig erreicht der weltweite Ressourcenverbrauch mit über 100 Milliarden Tonnen pro Jahr einen neuen Höchstwert. Und ohne grundlegende Veränderungen wird er weiter ansteigen. Damit verbunden sind erhebliche Schäden für Umwelt und Klima. Rund 45 % der weltweiten Treibhausgasemissionen entstehen durch die Herstellung, den Transport und die Nutzung von Materialien, Produkten und Lebensmitteln.2

In Deutschland zeichnet sich das Bild mit einer Zirkularitätsrate von 13 % etwas positiver. Gleichzeitig liegt das Land damit deutlich hinter dem europäischen Spitzenreiter, der Niederlande, mit einer Zirkularitätsrate von 34 %. Mit der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) sollen die Aktivitäten für die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft in Deutschland forciert und Maßnahmen und Ziele gebündelt werden. Leitbild der NKWS ist die Senkung des Primärrohstoffverbrauchs. Zentrale Ziele sind die Schließung von Stoffkreisläufen, die Erhöhung von Rohstoffsouveränität und -versorgungssicherheit sowie die Vermeidung von Abfällen.3

Um bestehende Hürden abzubauen und die Chancen einer Kreislaufwirtschaft zu erschließen, sind alle föderalen Ebenen gefordert. Capgemini zeigt auf, wie es mit einem datenbasierten, strukturierten Ansatz unter Nutzung digitaler Technologien gelingen kann, die Ziele der NKWS zu erreichen.

Der öffentliche Sektor als Rahmengeber

Der öffentliche Sektor schafft den regulatorischen Rahmen für die Transformation zu einer Kreislaufwirtschaft in Deutschland. Auf Bundesebene wird dazu eine übergeordnete Grundausrichtung vorgegeben. Neben der NKWS dient dazu insbesondere das Kreislaufwirtschaftsgesetz, welches zum Zweck hat, die Kreislaufwirtschaft zur Schonung der natürlichen Ressourcen zu fördern und den Schutz von Mensch und Umwelt bei der Erzeugung und Bewirtschaftung von Abfällen sicherzustellen (§ 1, Abs. 1).4 Ergänzend schaffen weitere Regelwerke wie die Altfahrzeugverordnung5, das Batterierecht-Durchführungsgesetz6, die Corporate Sustainability Reporting Directive7 und die Ökodesign-Verordnung8 zusätzliche Impulse für eine Kreislaufwirtschaft. Zudem verpflichtet das Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit Bundesbehörden zur Etablierung einer nachhaltigen öffentlichen Beschaffung. Die Effektivität dieser Vorgaben zeigt sich darin, wie niedrigschwellig die jeweils adressierten Akteure an der Kreislaufwirtschaft partizipieren können.

Digitalisierung als Schlüssel zum Erfolg

Um die Ziele der NKWS zu erreichen und die Chancen einer Kreislaufwirtschaft zu nutzen sind Daten und Digitalisierung der Schlüssel. In dem physische Stoffströme mit digitalen Datenströmen verknüpft werden, wird Transparenz über gesamte Wertschöpfungsketten geschaffen. Benötigt werden Daten wie die Menge des Stoffzu- und -abflusses in eine Region oder Organisation, eingesetzte Primärrohstoffe, Sekundärmaterialanteile, Reparaturfähigkeit, oder Recyclingpotenzial. Die entsprechenden Daten liegen zum Teil bereits vor und könnten durch geeignete Datenräume zentral verfügbar gemacht werden. Darüber hinaus ist aber auch die Erhebung spezifischer Daten wichtig. Auf dieser Datenbasis lassen sich Handlungsfelder identifizieren und geeignete Maßnahmen zur Unterstützung der Kreislaufwirtschaft zielgerichtet ableiten.

Zu diesen Maßnahmen kann auch die Nutzung digitaler Technologien – wie Künstliche Intelligenz, Plattformen, Robotik oder Digitale Zwillinge – gehören. Diese ermöglichen zum Beispiel die Simulation und Optimierung von Demontageprozessen, eine vorausschauende Wartung von Produktionsanlagen, eine intelligente Routenplanung für Transportstrecken oder die datenbasierte Optimierung zirkulärer Produktdesigns („Sustainability by Design“). Da entsprechende Lösungen technisch komplex sind, kann es sinnvoll sein, dass der öffentliche Sektor bei ihrer Entwicklung unterstützt und das gewonnene Wissen aus Pilotprojekten über geeignete Plattformen für eine breite Anwendung bereitstellt.

Die praktische Umsetzung findet vor Ort statt

Der Wert von Daten für die Kreislaufwirtschaft zeigt sich in der praktischen Umsetzung vor Ort. Diese kann mit Hilfe regionaler oder lokaler Kreislaufwirtschaftsstrategien initiiert werden. Länder und Kommunen sind in der Lage, die übergeordnete Grundausrichtung der NKWS an die spezifischen Bedürfnisse, Potenziale und Hemmnisse vor Ort anzupassen. Dies kann mit den folgenden Schritten gelingen:

1. Durchführung der Stoffstromanalyse:
Im ersten Schritt werden Daten zu den Stoffarten und -mengen erhoben und ausgewertet, die in eine bestimmte Region hinein und aus dieser hinaus fließen. Daraus können die wesentlichen Handlungsfelder für eine Kreislaufwirtschaft abgeleitet werden.

2. Partizipative Entwicklung von Maßnahmen:
Auf Basis der Stoffstromanalyse erfolgt die Entwicklung von Maßnahmen unter Einbindung der relevanten Akteure vor Ort. Unternehmen, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Verwaltung müssen ihre Chancen be- und ergreifen und ihre Bedenken äußern können, damit sie aktiv an der Etablierung einer Kreislaufwirtschaft mitwirken.

3. Umsetzung von Maßnahmen:
Für die Umsetzungsphase ist von zentraler Bedeutung, eine geeignete Priorisierung vorzunehmen und einen realistischen Zeitplan aufzustellen. Die erarbeiteten Maßnahmen müssen dazu mit klaren Verantwortlichkeiten versehen werden. Der öffentliche Sektor kann dabei als Koordinator auftreten, aber auch als Initiator von Maßnahmen.

Die Kreislaufwirtschaftsstrategie der Landeshauptstadt Stuttgart9 zeigt, wie dieser Ansatz in der Praxis erfolgreich umgesetzt werden kann. Sie basiert auf einer detaillierten Stoffstromanalyse, fokussiert die ressourcenintensiven Sektoren Bau und Industrie und wurde in einem breit angelegten Beteiligungsprozess entwickelt. Ein klarer Maßnahmenkatalog mit Pilotprojekten und Sofortmaßnahmen sorgt für schnelle Wirkung und langfristige Verankerung in Verwaltungsprozessen – eng verknüpft mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2035.10

Der öffentliche Sektor übernimmt eine Vorbildfunktion

Kommunale Verwaltungen genauso wie Landes- und Bundesbehörden stehen auch selbst vor der Aufgabe, sich kreislauffähig zu organisieren. Vom Bedarfsmanagement über die Beschaffung und (Nach-)Nutzung bis zur Entsorgung – eine konsequente Ausrichtung an Kreislaufprinzipien kann Effizienzgewinne, Kostenentlastungen und Emissionsreduktionen ermöglichen und stärkt zugleich Glaubwürdigkeit und Vorbildfunktion der öffentlichen Hand. Gerade weil Transformationen anfangs Investitionen, neue Prozesse und teils Verhaltensanpassungen erfordern, erhöht eine sichtbare Umsetzung das Vertrauen und kann dabei helfen, relevante Akteure zum Mitmachen zu bewegen.

Auch für die Organisationen des öffentlichen Sektors besteht der erste Schritt auf dem Weg zu mehr Zirkularität in der Schaffung von Transparenz. Eine Materialbilanz schafft Klarheit über die Beschaffungs- und Aussonderungsvolumina einer Organisation. Analog zur regionalen oder lokalen Stoffstromanalyse bildet die Materialbilanz die Grundlage für die Ableitung zielgerichteter Maßnahmen. In Stuttgart wurde dazu die Maßnahme „Zirkuläre Beschaffung der Stadtverwaltung“ formuliert, mit der unter anderem Kriterien wie Langlebigkeit oder CO2-Emissionen neben der reinen Wirtschaftlichkeit im Einkauf verankert werden sollen. Wichtig ist, dass Beschaffung und Aussonderung nicht getrennt voneinander, sondern integriert betrachtet werden, da nur so Kreislaufpotenziale erschlossen werden können.

Über die Vorbildfunktion hinaus kann der öffentliche Sektor weitere Impulse setzen: Durch die gezielte Nachfrage von kreislauffähigen Produkten und Dienstleistungen können Anreize für mehr Kreislaufwirtschaft geschaffen werden. Die föderalen Ebenen übergreifend beträgt das jährliche Beschaffungsvolumen der öffentlichen Hand in Deutschland rund 500 Milliarden Euro11. Indem die öffentlichen Beschaffungsbehörden und -ämter konsequent die Einhaltung kreislaufwirtschaftlicher Prinzipien einfordern, kann dieses Volumen zur Marktgestaltung genutzt werden. Wird zum Beispiel eine neue Autobahn oder Brücke gebaut, hat der Bund die Möglichkeit, zirkuläre Materialien zu fordern.

Die Vorteile einer Kreislaufwirtschaft sind vielfältig

Wird die Kreislaufwirtschaft in einem strukturierten, digitalisierten Ansatz vorangetrieben, lassen sich vielfältige Chancen ergreifen, von denen eine Vielzahl an Akteuren profitieren könnte:

  • Reduktion von Treibhausgasmissionen: Indem die Herstellung, der Transport und die Nutzung von Produkten reduziert werden, sinken die daraus entstehenden Treibhausgasemissionen. Damit wird ein wichtiger Beitrag zu den Klimaneutralitätszielen des Bundes, der Länder, der Kommunen und der Verwaltungen geleistet.
  • Einsparung von Kosten: Durch die Reduktion von Material- und Energieverbräuchen sowie die Minimierung von Abfällen können Kosten gesenkt werden.
  • Steigerung der Resilienz von Wertschöpfungsketten: Indem Produkte und Materialien länger im Wirtschaftskreislauf gehalten werden, reduziert sich der entsprechende Beschaffungsbedarf. Damit kann Risiken wie Preisschwankungen, begrenzten Verfügbarkeiten oder Abhängigkeiten von der Lieferung aus Drittstaaten begegnet werden. Wichtig ist das unter anderem für Seltene Erden und Halbleitermaterialien, die für den technologischen Fortschritt in Deutschland unerlässlich sind.
  • Erschließung neuer Geschäftsmodelle: In einer Kreislaufwirtschaft entstehen neue Produkt-, Dienstleistungs- und Geschäftsmodelle, die für die Anbietenden neue wirtschaftliche Chancen mit sich bringen und für die Nutzenden einen Zugang zu kreislauffähigen Leistungen gewähren.

Capgemini setzt sich für die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft ein

Die Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft ist kein fernes Zukunftsthema mehr. Wer heute die richtigen Weichen stellt, profitiert davon langfristig. Deutschland verfügt über die technologischen und regulatorischen Grundlagen, um eine Vorreiterrolle einzunehmen. Capgemini unterstützt Unternehmen und den öffentlichen Sektor bei der Etablierung einer Kreislaufwirtschaft.12 Mit einer starken Technologie-DNA und tiefgreifender Kreislaufwirtschaftsexpertise unterstützen wir Sie bei der Analyse Ihrer Potenziale, bei der Ableitung geeigneter Strategien und der Umsetzung konkreter Maßnahmen. Unsere Expertinnen und Experten bringen umfangreiche Erfahrung aus einer Vielzahl von Projekten mit: Von der kommunalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, über die Erstellung einer behördlichen Materialbilanz und die Etablierung des Digital Product Passports für Unternehmen, bis hin zu Anwendungen von Künstlicher Intelligenz und Plattformen.

Gleichzeitig gehen wir mit gutem Beispiel voran: Mit einem 10-Punkte-Plan wollen wir unsere Scope 1-, Scope 2- und Scope 3-Emissionen bis zum Jahr 2040 um 90% reduzieren.13 Einer der zehn Punkte ist „Waste & Circular Economy“: Wir reduzieren die Abfallmengen, die wir erzeugen, erhöhen den Anteil unserer eingesetzten Produkte, die recycelt oder wiederverwendet werden können, und wenden Kreislaufwirtschaftsprinzipien in der gesamten Organisation an. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für Klima und Umwelt, können aber gleichzeitig auch von den oben aufgeführten Vorteilen profitieren – und unsere Erfahrungen mit unseren Kundinnen und Kunden teilen.

Vielen Dank an unsere Co-Autorinnen und Co-Autoren: Antonia Pohlmann, Jonas Vogel, Thomas Krautter und Robin Kuske.


  • 1 Circle Economy & Deloitte (2025): Circularity Gap Report 2025. https://www.circularity-gap.world/2025
  • 2 Ellen MacArthur Foundation & Material Economics (2019): Completing the Picture: How the Circular Economy Tackles Climate Change. https://materialeconomics.com/publications/completing-the-picture
  • 3 Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (2024): Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS). https://www.bundesumweltministerium.de/download/nationale-kreislaufwirtschaftsstrategie-nkws
  • 4 Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (2023): Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen (Inkrafttreten: 2012; zuletzt geändert: 2023). https://www.gesetze-im-internet.de/krwg/
  • 5 Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (2021): Verordnung über die Überlassung, Rücknahme und umweltverträgliche Entsorgung von Altfahrzeugen (Inkrafttreten: 2002; zuletzt geändert: 2021). https://www.gesetze-im-internet.de/altautov/
  • 6 Das Batteriegesetz (2025): Batterierecht-Durchführungsgesetz (BattDG). https://www.batteriegesetz.de/gesetzestexte/battdg/
  • 7 Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2024): Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). https://www.csr-in-deutschland.de/DE/CSR-Allgemein/CSR-Politik/CSR-in-der-EU/Corporate-Sustainability-Reporting-Directive/corporate-sustainability-reporting-directive-art.html
  • 8 Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (2024): Ökodesign-Verordnung. https://www.bundesumweltministerium.de/themen/nachhaltigkeit/konsum-und-produkte/oekodesign-verordnung
  • 9 Capgemini Deutschland GmbH (2026): Eine Kreislaufwirtschaftsstrategie für die Landeshauptstadt Stuttgart: 25 konkrete Maßnahmen für eine zirkuläre Zukunft. https://www.capgemini.com/de-de/news/kundenprojekte/eine-kreislaufwirtschaftsstrategie-fuer-die-landeshauptstadt-stuttgart-25-konkrete-massnahmen-fuer-eine-zirkulaere-zukunft
  • 10 Landeshauptstadt Stuttgart (2026): Kreislaufwirtschaft. https://www.stuttgart.de/leben/umwelt/klima/klimastrategie/klima-fahrplan-2035/kreislaufwirtschaft
  • 11 Umweltbundesamt (2025): Umweltfreundliche Beschaffung. https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/umweltfreundliche-beschaffung
  • 12 Capgemini Deutschland GmbH (2026): Kreislaufwirtschaft. https://www.capgemini.com/de-de/solutions/circular-economy/
  • 13 Capgemini Deutschland GmbH (2026): Ökologische Nachhaltigkeit. https://www.capgemini.com/de-de/unternehmen/corporate-responsibility/nachhaltigkeit/