5 Karriere-Tipps für Frauen in der IT

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Als Vice President bei Capgemini in Deutschland weiß Christiane, worauf es ankommt, sich in der IT-Branche zu behaupten. Im Interview gibt sie 5 Karriere-Tipps für Frauen in der IT.

Christiane Feder-Andres ist als Head of People Supply Chain für Deutschland für die strategische Personaleinsatzplanung verantwortlich und ist seit 2018 Mitglied des Aufsichtsrats der größten rechtlichen Einheit von Capgemini in Deutschland.

Nach ihrem Informatik-Studium und einer Promotion war sie drei Jahre in der internationalen Forschung tätig, bevor sie vor 25 Jahren zu Capgemini gekommen ist. Dort hat sie verschiedene Rollen übernommen u. a. Projektmanagement, Bereichsleitung, Account Management und Delivery Head.

Als Gründerin und Leiterin der Initiative Women@Capgemini setzt sich Christiane für Frauenförderung in der IT-Branche ein. Welche Karriere-Tipps sie Frauen mit auf den Weg geben möchte, verrät Sie im Interview.

Frauen in der Informatik

In der IT-Branche ist der Männeranteil höher als der Frauenanteil, wie gehst du damit um?

Für mich ist es eine normale Situation, dass ich in den Gremien meist die einzige oder eine von wenigen Frauen bin, da der Frauenanteil in leitenden Positionen gering ist. Auch beim Kunden sieht man häufig ein ähnliches Bild. Ich habe mich bei Capgemini aber immer sehr wohl, respektiert und anerkannt gefühlt. Ich habe nie in Frage gestellt, mich in einem technischen Umfeld zu bewegen. Es freut mich sehr, dass wir zunehmend mehr Frauen im Management-Team haben.

Was denkst du, sind bei Frauen die größten Bedenken oder Hürden für eine Karriere in der IT?

Ich glaube, dass sich viele Frauen Technik nicht zutrauen, obwohl sie das sicher könnten. Die Hürden dafür werden oft schon durch fehlende Vorbilder und Glaubenssätze in Kindheit, Familie und Schule aufgebaut. Viele haben zudem oft ein falsches, ein zu technisches Bild von der IT-Branche. Technisches Verständnis ist natürlich von Vorteil, grundsätzlich geht es in unsere Branche aber um weit mehr als um reines technisches Wissen.

Mit welchen Eigenschaften und Fähigkeiten steht der IT-Karriere für Frauen nichts im Weg?

Man braucht das richtige Maß an Selbstbewusstsein. In der Berater-Rolle sind wir die Expertinnen und sollten Kompetenz vermitteln, ohne arrogant zu sein. Notwendig sind auch analytisches Denken und die Fähigkeit abstrakte, komplizierte Themen einfach und übersichtlich darzustellen. Empathie, Verhandlungsgeschick, Kommunikationsfähigkeit, Moderationsfähigkeit, Präsentationsfähigkeit aber auch Zeitmanagement sind ebenfalls sehr wichtig. Wie man sieht, hat das alles nichts mehr mit technischen Themen zu tun, sondern mit Soft Skills. Diese werden interessanterweise häufig vor allem Frauen zugeschrieben. Dadurch sind Frauen sogar prädestiniert dafür, im Berater-Umfeld der IT-Branche zu arbeiten.

Mit deiner großen Erfahrung und deinem Erfolg als Frau in der IT-Branche sind wir gespannt auf deine Karriere-Tipps für Frauen. Hier kommen die Top 5 Karriere-Tipps von Christiane:

5 Karriere-Tipps für Frauen in der IT

1. Meetings erfolgreich meistern

Es gibt Spielregeln, die die meisten Teilnehmer gewohnt sind und an denen man sich orientieren sollte:

  • In einigen Meetings wird zunächst die Rangfolge durch Wortmeldungen quasi verhandelt – da geht es noch nicht um Inhalt. Wenn man als Frau das Meeting leitet oder teilnimmt, ist es wichtig, dies zu wissen und „mitzuspielen“.
  • Es gibt aber auch Meetings, die sehr sachorientiert sind. Hier muss ich als Frau klar und laut vernehmbar auftreten, um meine Position zu vertreten. Die Aspekte Mimik, Stimme, Lautstärke, Stimmhöhe sind dabei wichtig.
  • Wenn wichtige Entscheidungen oder Gremiensitzungen anstehen, kann man die zu präsentierenden Ergebnisse vorab unter vier Augen mit dem relevanten Entscheider diskutieren, um sicherzustellen, in die gleiche Richtung zu marschieren. So gibt es keine Überraschungen, sondern Unterstützung. Generell sollte man beachten: Wenn es Konflikte gibt, sollten diese nie vor Publikum ausgetragen werden.
  • Man muss ein Gefühl dafür entwickeln, in welcher Situation man welche Rolle einnehmen sollte. Hier ein Beispiel: Ich hatte mit einer juristischen Kollegin eine Verhandlungssituation mit einem Geschäftspartner. Vor der Verhandlung fragte die Kollegin, ob er Kaffee haben möchte und goss ihm diesen ein. Mit dieser Handlung war keine Verhandlung auf Augenhöhe mehr möglich und sie war damit keine ernst zu nehmende Verhandlungspartnerin mehr. Wenn ich Verhandlungspartner bin, werde ich niemandem Kaffee einschenken – das kann der Gesprächspartner auch allein. Das heißt nicht, dass man generell anderen Menschen keinen Kaffee einschenken darf, aber die Situation erfordert eine Einschätzung der eigenen Rolle.

2. Netzwerke aufbauen und nutzen

Networking ist sehr häufig der Schlüssel für die eigene Karriere, denn der Großteil der individuellen Weiterentwicklung läuft genau über solche Netzwerke.

  • Um von einem Netzwerk einen beruflichen Nutzen zu haben, muss es qualitativ gut und hierarchieübergreifend sein. Man braucht Kontakte zu übergeordneten Positionen, die Stellen vergeben, vermitteln oder Nachfolger suchen – dann hat man eine Win-Win-Situation für alle Beteiligte.
  • Über Netzwerke kann man von interessanten Stellen oder Kunden erfahren, bekommt Informationen, wird zu Veranstaltungen eingeladen, zu einem Vortrag und vielleicht hat man einen Sparringspartner, mit dem man Weiterentwicklungsoptionen diskutieren kann. Solche persönlichen Kontakte sollten gepflegt werden.
  • Netzwerkaufbau ist etwas, dass man anbieten muss – ohne sich anzubiedern. Ein Netzwerk entsteht oft im Projektkontext oder auch zu Vorgesetzen, zu denen man einen guten Draht hat. Man sollte versuchen, auf sich aufmerksam zu machen z. B. durch gute Leistung, interessante Themen, Präsenz, die Bereitschaft Dinge zu übernehmen und dadurch Kontakte zu knüpfen.

3. Selbstmarketing betreiben

Zu viel Bescheidenheit führt nur dazu, dass einen niemand kennt. Es ist wichtig, dass man stolz von seiner Arbeit und seinen Erfolgen berichtet – das hat nichts mit Angeben zu tun. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich selbst bzw. seine Kompetenzen und Erfolge zu präsentieren:

  • in Meetings von einem erfolgreichen Projektabschluss berichten
  • Gespräche mit Kollegen und Vorgesetzten führen
  • Communities beitreten
  • Kundenveranstaltungen wahrnehmen
  • Konferenzen besuchen bzw. auf Fachkonferenzen Beiträge einreichen oder Vorträge halten
  • Publikationen in Fachzeitschriften oder in Sozialen Medien anbieten

Es ist wichtig, von den Projekten zu erzählen – nur dann können Vorgesetzte eine Information einschätzen, vor allem wenn man sonst viel beim Kunden vor Ort ist.

4. Richtig kommunizieren

  • Zur Kommunikation gehört immer Senden und Empfangen. Zuhören ist sehr wichtig und Frauen können das sehr gut. Sie dürfen dabei aber nicht zu passiv werden, sondern sollten zum geeigneten Zeitpunkt auch als Sender in die Kommunikation gehen.
  • Stimmlage und Wortwahl spielen hierbei natürlich auch eine große Rolle. Frauen tendieren in schwierigen Situationen dazu, in eine hohe Stimmlage zu wechseln oder eine brüchige Stimme zu bekommen. Um sicherzustellen immer Herr bzw. Frau ihrer Stimme zu sein, ist es wichtig mit richtigen Atem- und Stimmbildungstechniken zu arbeiten.
  • Gegenüber dem Gesprächspartner sollten Selbstsicherheit und Kompetenz ausgestrahlt werden, z. B. durch eine aufrechte, sichere Körperhaltung beim Sitzen oder Stehen. Komplexe Sachverhalte sollten möglichst strukturiert und einfach dargestellt werden und man sollte nicht mit Problemen, sondern mit Lösungen argumentieren.

5. Durchsetzungsstärke beweisen

Grundsätzlich sollte man als Frau aktiv und offensiv auftreten, sodass Männer Vertrauen aufbauen und mich als Frau als kompetenten Gegenüber wahrnehmen. Das funktioniert durch die Vermittlung von Kompetenz und im Zweifel auch dadurch mal laut zu werden und Grenzen zu setzen.

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