Blockchain: Darf ich das verschlafen?

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In der Finanzbranche sorgt die Blockchain- oder Distributed-Ledger-Technologie derzeit für Aufsehen.

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„Was geht mich das an?“ werden manche CIOs jetzt denken, die nicht in dieser Branche arbeiten. „Im Moment vielleicht noch nichts, aber sicher bald“, lautet meine Antwort. Denn die Blockchain-Technologie entwickelt sich stetig weiter und wird bereits in naher Zukunft auch viele andere Bereiche und Branchen betreffen. CIOs sollten Augen und Ohren offen halten!

Was ist eine Blockchain und was kann sie eigentlich?

Damit die Nicht-CIO-Leser dieses Blogs nicht auf der Strecke bleiben, eine kurze Erläuterung zu Beginn: Eine Blockchain ist eine Architektur, die jede denkbare Transaktion ohne das notwendige Zutun einer vertrauenswürdigen dritten Partei verifizieren kann. Möglich machen das drei wesentliche Komponenten: die Kryptographie, die dezentralen Datenstrukturen und die Unveränderbarkeit von erfolgten Einträgen (write-only). So entsteht für jede gesammelte Transaktion in einem Block ein Hashwert, der auch die Prüfsumme des vorherigen Blocks berücksichtigt. Die Information über die gesamte Kette  mit all ihren Blöcken – und Transaktionen – wird schließlich vollständig auf allen beteiligten Knoten des Netzwerkes gespeichert. Eine Manipulation von Daten ist dadurch nur mit sehr hohem Aufwand möglich. Erster kommerzieller Anwendungsfall für diese Technologie war die Kryptowährung Bitcoin.

Schlaue Verträge

Neben ihrer Mission für virtuelle Währungen eignet sich die Technologie auch, um Verträge automatisch und sicher abzuwickeln sobald ein vordefiniertes Ereignis eingetreten ist – Stichwort Smart Contracts. Erste Erfahrungen zeigen, dass sich insbesondere bei komplexen Vertragskonstellationen die Bearbeitungszeiten drastisch reduzieren und Fehlerquoten sowie Abwicklungskosten deutlich senken lassen. Zwar gibt es noch offene regulatorische Fragen – etwa die nach dem gültigen Rechtsraum, doch die Vorteile liegen auf der Hand: Der Code garantiert die Einhaltung der Verträge und sorgt für Sicherheit bei den Vertragsparteien. Das macht die Vertragstechnologie auch interessant für den Lizenzhandel sowie für die Vergabe von Digital- und Nutzungsrechten, beispielsweise für Maschinen.

Eingebauter Diebstahlschutz

Stellen Sie sich vor, eine von Ihrem Unternehmen hergestellte Maschine wäre automatisch dagegen gefeit, von jemandem gekauft oder genutzt zu werden, der dazu nicht autorisiert ist. Dieser automatisierte Kontrollmechanismus kann dadurch Exportbeschränkungen und Embargos umsetzen oder die Produktpiraterie erheblich erschweren. Die Blockchain kann auch überwachen, ob Carsharing-Fahrzeuge legitim genutzt werden und Autos stilllegen, wenn die Leasingrate nicht bezahlt ist.

Sichere Daten

Industrie 4.0 und die digitale Vernetzung sind nur möglich, wenn Informationssicherheit besteht. Und wen wundert‘s, auch hier verspricht die Blockchain Besserung. Ein internationaler Softwareanbieter arbeitet bereits an einem manipulationssicheren Datenspeicher. Den Prototypen können Sie sich als Demo auf der Seite des Anbieters anschauen.

Mein Strom ist dein Strom

Mit der Energiewende haben viele Hausbesitzer begonnen, selbst Strom zu erzeugen. Den dürfen sie in Deutschland derzeit aber ausschließlich selbst nutzen oder ins Netz einspeisen, nicht aber verkaufen. Durch die Blockchain könnte sich das bald ändern. Das Pilotprojekt eines australischen Stromversorgers erlaubt es Nachbarn untereinander, Solarstrom zu handeln. Klappt der An- und Verkauf im kleinen Rahmen, will der Anbieter das Projekt auf eine Fläche gleich der Größe der Bundesrepublik ausdehnen.

Wählen und Heiraten 4.0

Auch der Demokratie kommt die Blockchain-Technologie potenziell zu Gute, zum Beispiel bei Wahlen. Bürger können durch sie schneller, flexibler, günstiger und doch manipulationssicher online abstimmen. Das macht Volksabstimmungen dann nicht nur wieder leichter umsetzbar, auch die Wahlbeteiligung allgemein könnte wieder steigen. Auch die Eheschließung 4.0 ist nicht mehr weit. Bei einer Trauung per Skype scannten Ehepartner jeweils einen QR-Code ein und bestätigten eben diesen. Der Code wurde anschließend in eine Blockchain-Datenbank geschrieben.

Mit der Blockchain beobachten wir gerade eine enorm innovative Technologie, deren Tragweite wir noch nicht erfassen können. Ich sehe große Parallelen zur Anfangszeit des Internets. Der Hype ist groß und das Pendel schlägt weit in verschiedene Branchen aus. Obgleich ihres jungen Alters hat die Technologie schon viele konkrete Szenarien und Projekte gefunden. Prognosen über das wirkliche Ziel der Reise und die Veränderungsgewalt auf dem Weg dahin sind schwer zu geben. Zahlreiche Initiativen und Start-ups werden die Technologie aber weiter entwickeln und Antworten auf offene Fragen finden.

Mein Tipp an die IT-Abteilung: Bleiben Sie am Ball! Machen Sie sich mit den technologischen Grundzügen der Blockchain vertraut und sammeln sie erste praktische Erfahrungen. Für die Fachbereiche gilt: Denken Sie über Chancen und Risiken nach, wenn Sie mögliche Veränderungen antizipieren und mit strategischen Plänen antworten wollen!

Sollten also Sie, lieber CIO, sich mit der Blockchain befassen? Ich sage, entscheiden Sie selbst! In meinem Tätigkeitsfeld, der Finanzbranche, hat der Wecker geklingelt. Bei Ihnen auch? Wenn nicht, dann schlafen Sie selig weiter!

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