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Ralf Blessmann
19. Dez. 2022

Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind untrennbar miteinander verbunden. Keins der beiden Themen lässt sich unabhängig voneinander umsetzen. Wie also können Autohersteller Prozesse anpassen und messbare Fortschritte vorweisen?

2023 steht vor der Tür – und mit dem Jahr der weitere Umbau der deutschen Automobilbranche. Während vielfach zwar noch Verbrenner nachgefragt werden, läuft der Umbau der Autoindustrie in Richtung Elektromobilität auf Hochtouren. Und: jeder Hersteller schreitet mit einer anderen Strategie in Richtung Zukunft – denn eine Standardlösung für die gesamte Branche gibt es nicht. Dies war auch auf dem Handelsblatt Autogipfel 2022 zu spüren.  

Eine der Kernfragen, mit der ich mich in meinem Vortrag dort beschäftigt habe lautete: Wie können die Hersteller künftig Nachhaltigkeit und Digitalität als Designprinzip eines Fahrzeugs berücksichtigen und integrieren? Denn 80 Prozent der Emissionen im Lebenszyklus eines Autos basieren auf Entscheidungen in der Frühphase der Entwicklung. Darüber hinaus stellt sich die Frage: Wie lassen sich transparent Daten erheben, mit denen sich der Fortschritt messen lässt? Denn Daten zu Rohstoffen, Komponenten und deren Herstellung sind essenziell, um die Recyclingfähigkeit des Produktes sicherzustellen.

Trend 1: Sustainability by Design – Integration in die Wertschöpfungskette

Nachhaltigkeit wird in allen Aspekten der Wertschöpfungskette entscheidend sein – der Weg in Richtung Kreislaufwirtschaft ist längst eingeschlagen – und zwar von der Lieferkette über die Produktion bis zur Wiederverwertung am Ende des Lebenszyklus. Allerdings – das hat die jüngste Capgemini-Studie zu Nachhaltigkeit in der Automobilindustrie gezeigt – gibt es noch viel zu tun: lediglich 10 Prozent der befragten Unternehmen haben eine ausgereifte Nachhaltigkeitsstrategie und befinden sich bereits weit in der Umsetzung.

Die Gründe sind vielfältig: Nachhaltigkeit ist noch nicht im Tagesgeschäft angekommen, Sustainability-KPIs werden nicht in das Performance Management integriert und es ist komplex, Daten zur Nachhaltigkeit zu erheben, zu managen und zu analysieren. Lösen lässt sich dieses Dilemma mit Hilfe von drei Themen: Sustainability by Design, neue Nachhaltigkeits-Prozesse und KPIs sowie die Erhebung von transparenten Daten zu Nachhaltigkeit. Die Vorzüge werden enorm sein: noch stärkere Emissionsreduzierungen, schnelleres Erreichen der Klimaziele und mehr operative Effizienz. Unterm Strich profitieren Verbraucher, Autobranche und die Umwelt. Doch wir müssen uns auf den Weg machen.

Trend 2: Digital by Design – softwaregetriebene Transformation

Der zweite Trend ist der Wandel der Automobilindustrie durch die softwaregetriebene Transformation. Die entscheidende Erkenntnis: Der Markt für Software im Fahrzeug ist riesig. Bis 2031 dürfte der Markt für Software-basierten Umsatz 640 Milliarden US-Dollar erreichen – das wäre rund dreimal so viel wie 2021. Zugleich wird der Anteil des Softwaregeschäfts am Gesamtumsatz von 8 auf 22 Prozent wachsen.

Wie immer aber ist der finanzielle Aspekt nicht alles, denn auch der potenziell positive Einfluss auf die Umwelt ist nicht zu unterschätzen – ein Drittel der Automobilunternehmen sehen diesen durch die softwaregetriebene Transformation. In Kombination mit dem Shift zu Elektromobilität, autonomem Fahren im Speziellen und Intelligent Industry im Allgemeinen spielt diese eine Hauptrolle auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft. Somit kommt auch der IT ganz im Sinne von „IT for Green“ eine besondere Rolle zu. Sie kann es nämlich schaffen, Prozesse und Produkte grüner bzw. nachhaltiger zu gestalten. Übrigens spielt auch bei Capgemini selbst Nachhaltigkeit eine große Rolle: Bis 2030 wollen wir unseren Kunden dabei zu helfen, mindestens zehn Millionen Tonnen CO2 einzusparen.

Zudem betrifft die Software-Transformation nicht nur das Fahrzeug selbst: Denn neben dem Fahrzeug werden künftig auch Betrieb und Services intelligent sein. Doch um diese Software möglichst optimal zu nutzen, müssen Silos zwischen den einzelnen Einheiten aufgebrochen werden – vor allem in den Bereichen Engineering, Forschung und Entwicklung und der IT. Das Ziel sollte sein, gemeinsam Lösungen für den Kunden rund um das Fahrzeug zu entwickeln.

Nachhaltigkeit und Digitalisierung gehen Hand in Hand

Die beiden Prinzipien Sustainability by Design und Digital by Design versprechen den größten Erfolg, wenn sie eng miteinander verzahnt sind. Derzeit verschaffen sich diejenigen Unternehmen, die dies bereits tun, einen Wettbewerbsvorteil. Die Themen beschleunigen sich gegenseitig und steigern die Effizienz des Gesamtunternehmens. Die Kreativität und der Veränderungswille der Hersteller sind deutlich zu spüren. Wenn wir jetzt gemeinsam die Weichen richtigstellen, sind wir für die nächste Dekade gerüstet.

Sie möchten dieses Thema gern im Austausch mit mir vertiefen? Dann freue ich mich über Ihre Nachricht.

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Autor

Ralf Blessmann

Executive Vice President, Market Unit Head Automotive @ Capgemini
Ralf Blessmann hat mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in der Automotive- und IT-Industrie und arbeitete lange Zeit gesamtverantwortlich für führende Premium-OEMs. Er leitet in der deutschen Organisation als Member of the Management Board den Automotive-Sektor. Neben seiner Rolle als Automotive Head in Deutschland ist er auch gewähltes Mitglied des ITK-Ausschusses der IHK Stuttgart und hat als Dozent der DHBW Stuttgart Vorlesungen über CRM und Key Account Management gehalten.

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