KYC-Prozesse optimieren: Wie Business Analysten Banken unterstützen

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Um Wirtschaftskriminalität und Geldwäsche zu verhindern, müssen Banken den sogenannten Know-Your-Customer-Prozess durchführen. Was es damit auf sich hat, wie Business Analysten bei Capgemini Kreditinstitute dabei unterstützen und welche weiteren Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten IT-Jobs im Finanzbereich bereithalten, berichtet Philipp im Interview.

Philipp Merz ist 2016 direkt nach seinem Studium bei Capgemini als Business Analyst im Bereich Financial Services eingestiegen. Heute unterstützt er als Projektleiter Kunden aus dem Bankenumfeld bei ihren Herausforderungen mit regulatorischen Anforderungen wie z. B. KYC-Prozessen.

„Know Your Customer“: Geldwäsche verhindern

Im Bereich Financial Services gehören vor allem Kreditinstitute zu deinen Kunden – vor welchen Herausforderungen stehen Banken?

Generell ist das makroökonomische Umfeld herausfordernd. So stehen beispielsweise Banken durch eine über zehn Jahre andauernde Niedrigzinsphase sowie die Negativzinsen bei den EZB-Einlagen unter Druck und müssen neue Ansätze finden, um Geld zu verdienen. Hinzu kommen die FinTechs, die den alteingesessenen Banken mit innovativen Lösungen Konkurrenz machen. Darauf zu reagieren fällt etablierten Instituten schwer. Denn Banken haben häufig veraltete IT-Systeme, die über Jahrzehnte gewachsen und schwer wartbar und adjustierbar sind. Es ist nicht einfach, ein solches Bankensystem komplett mit neuen zeitgemäßen Softwarelösungen zu ersetzen.

Neben diesen individuellen Herausforderungen einzelner Banken gibt es die regulatorischen Anforderungen des Gesetzgebers, die von der EU oder auf nationaler Ebene an Banken herangetragen werden. Diese müssen in vorgegebenem Muster und Zeitrahmen umgesetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel die Datenschutzgrundverordnung – die gerade bei den sensiblen Daten im Bankengeschäft äußerst wichtig ist – oder die Know-Your-Customer-Anforderung, die aus dem Geldwäschegesetz resultiert. In diesem Bereich waren wir letztes Jahr stark aktiv.

Du erwähnst das Thema Geldwäsche. Was genau hat es mit Know Your Customer auf sich?

Geldwäsche ist zunächst kein neues Phänomen. Es laufen schon immer Geschäfte über Konten, bei denen man nicht sicher weiß, welche Gelder das sind und an wen diese gehen. Ebenso existieren schon immer Scheinfirmen, die Konten missbrauchen. Das hat dazu geführt, dass Anforderungen an Finanzinstitute erhöht wurden und diese in die Pflicht genommen werden, ihre Geschäftspartner und deren Geschäfte zu prüfen. Banken sollen kriminelle Geschäfte präventiv verhindern und sich nicht als reine Geschäftsverwalter raushalten.

Genau darum geht es bei Know Your Customer. Die Banken müssen ihre Kunden kennen, in Risikogruppen einteilen und Verdachtsfälle, bspw. wegen Geldwäsche, melden. Grundsätzlich ist das nichts neues, es wurde jedoch stärker konkretisiert, was genau geprüft werden muss und in welchem Abstand. Es gibt hier weniger Interpretationsspielraum. Zudem gibt es enorm hohe Strafen bei Verstoß. Durch die konkretisierten gesetzlichen Anforderungen müssen neue Prozesse umgesetzt werden. In großen Banken, wo Prozesse und IT-Systeme gewachsen und individuell sind, ist dies sehr herausfordernd.

Wie unterstützt Capgemini Banken im KYC-Prozess?

Wir unterstützen unsere Kunden, ihre KYC-Prozesse zu optimieren und die Anforderungen umzusetzen. Dabei gibt es den Bedarf an Manpower und an Know-how, wie existierende Prozesse besser gestaltet oder neue Prozesse und Tools eingeführt werden können.

Wir haben dieses Jahr eine große deutsche Bank dabei unterstützt, ihren Pflichten im Bereich KYC nachzukommen. Wir haben eine Liste an zu überprüfenden Kunden abgearbeitet und somit sichergestellt, dass unser Kunde compliant ist. Zudem haben wir analysiert, wie wir Tools oder z. B. Künstliche Intelligenz einsetzen können, um den KYC-Prozess effizienter zu gestalten. Viele Prozessschritte im KYC-Umfeld sind manuell, daher ist Automatisierung ein zentrales Ziel. Wir haben sehr vielfältiges Know-how bei Capgemini, das wir dafür nutzen, Prozesse zu etablieren, die mit den umliegenden Prozessen ineinandergreifen und komplett neue Synergien ergeben.

Welche Aufgaben übernimmst du als Business Analyst in diesen Projekten?

Als Business Analyst ist es die Aufgabe, fachliche Anforderungen und Prozesse zu verstehen, aus fachlicher Sicht zu analysieren, in den Kontext zu setzen und dann für die IT-Abteilung und den Fachbereich zu übersetzen.

Es gibt dann grundsätzlich zwei Wege, die man als Business Analyst einschlagen kann. Man kann in einem fachlichen Thema bleiben und als fachlicher Experte fungieren. Man kann sich aber auch – wie ich – in Richtung Projektmanagement entwickeln. Dann sind die Herausforderungen nicht mehr fachlicher Natur, sondern liegen im Management- und Organisationsbereich.

Inzwischen bin ich vor allem im Projektmanagement im Umfeld von Regulatorik und Compliance tätig. In meinem letzten Projekt bei einer großen deutschen Bank, gehörte es zu meinen Aufgaben gemeinsam mit dem Kunden den Status Quo und die Ziele zu erarbeiten. Dafür mussten wir die Anforderungen des Gesetzgebers sowie die Prozesse der Bank verstehen. Ich war dafür verantwortlich, die Team- und Tool-Struktur zu erstellen und die Workflows zu etablieren. Zudem war ich kontinuierlicher Ansprechpartner des Kunden. Auch wenn die fachliche Anwendung von KYC nicht besonders kompliziert ist, sind die Umsetzung im konkreten Kontext des Unternehmens und die Prozesse sehr spannend und herausfordernd.

Welche weiteren Aufgaben übernimmst du abseits dieser Projekte?

Unser Ziel bei Capgemini ist es – auf Basis unserer gemachten Erfahrungen und unserem technologischen Know-how in der Gruppe – Angebote für Banken zu entwickeln, welche auf die Verbesserungspotenziale bei KYC zielen. Daher treiben wir neben den Kundenprojekten auch unsere interne Entwicklungsarbeit voran, die uns als Unternehmen weiterbringt: Diese kleinen Projekte dienen dann als Vorlagen, um anderen Kunden unsere inhaltlichen und prozessualen Erfahrungen direkt anzubieten.

Dabei spielen innovative Technologien eine große Rolle, z. B. schreiben wir Robotics-Ansätze, die Prozesse automatisieren oder setzen unser Wissen im Bereich Artificial Intelligence ein, um neue Lösungen zu entwickeln. Das geht dann schon in Richtung Machine Learning und selbstlernende Algorithmen und das ist sehr spannend.

IT-Jobs im Financial Services

Mit welchen weiteren Themen beschäftigt sich Capgemini im Bereich Financial Services?

Es gibt zwei Bereiche im Sektor Financial Services, den Banken- und den Versicherungsbereich. Die Kunden haben unterschiedliche Herausforderungen und dementsprechend sind die Projekte sehr unterschiedlich.

Unser Fokus bei Capgemini liegt stark auf den regulatorischen Themen, aber wir haben auch viele Projekte zum Thema Payments. Hier gibt es immense Herausforderungen an die Technologien, um Sicherheit und Nutzbarkeit zu gewährleisten, wenn es um neue Arten der Bezahlung – wie Instant-Payments oder Mobile Payments – geht.

Auch neue Währungen wie Bitcoins sind relevante Themen. Viele sehen Bitcoin aktuell eher als ein Spielfeld, als dass es produktiv eingesetzt wird, um Dienstleistungen zu bezahlen. Aber wie sieht das in der Zukunft aus? Wie funktioniert eine Blockchain-Analyse? Das sind Fragen, an denen wir mitarbeiten und die dahinterliegenden Technologien sind sehr interessant.

Welches Vorwissen über den Finanzsektor sollte man für einen IT-Job im Bereich FS mitbringen?

Ich hatte keine Vorerfahrung im Finanzsektor. Ich habe BWL an der Technischen Universität in München studiert, das war eine Mischung aus BWL und Informatik, mit Schwerpunkt BWL. Nebenbei habe ich verschiedene Praxiserfahrungen gesammelt, aber keine davon im Bankenumfeld.

Wenn man als Junior einsteigen möchte, sind Vorerfahrungen im Finanzsektor nicht zwingend notwendig. Hier ist es viel wichtiger, Interesse und die Bereitschaft zu haben, sich in die Themen einzuarbeiten. Man sollte keine Berührungsängste haben, weder mit der IT noch mit dem jeweiligen Fachgebiet, hier der Bankenwelt.
Bei Bewerbern mit Berufserfahrung wäre es gut, wenn diese Erfahrung in unseren fachlichen Themen mitbringen würden.

Vielen Dank Philipp.

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