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Nachhaltiges Portfolio- und Projektmanagement – essenzielle Instrumente für die unternehmensweite Nachhaltigkeits-transformation

Vera Schneemann
20 Sep 2022
capgemini-invent

Auch wenn 60% der Unternehmen bereits eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt haben, sind es nur 15%, die dazu einen Business Case aufgestellt haben.[1] Wie man die Nachhaltigkeitsstrategie eines Unternehmens durch ein nachhaltiges Portfolio- und Projektmanagement operationalisieren kann, beleuchten wir im Auftakt unserer Blogserie zu „Sustainability Enabler, Tools & Digitalization“.

Viele Unternehmen schreiben sich das Thema Nachhaltigkeit aufgrund ihrer Unternehmenswerte, eines zunehmenden Kundenbewusstseins oder regulatorischer Vorgaben auf die Agenda. Die Komplexität des Themas macht es für Entscheidungsträger und -trägerinnen jedoch schwierig, den richtigen Fokus zu setzen. Wir als Capgemini Invent sehen sechs Handlungsfelder (siehe Abbildung 1), um Nachhaltigkeit im Unternehmen effizient umzusetzen.

Abbildung 1: „Sustainable Operations“ Handlungsfelder

In unserer Blogserie zum Handlungsfeld „Sustainability Enabler, Tools & Digitalization“ zeigen wir Ansätze auf, um das Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Unternehmen zu stärken und ganzheitlich zu verankern. Eine Möglichkeit bietet sich durch das Integrieren von Nachhaltigkeit in das Portfolio- und Projektmanagement. Im Folgenden erfahren Sie, welche Tools dabei hilfreich sind und welche Vorteile daraus resultieren.

Was bedeutet nachhaltiges Portfolio- und Projektmanagement?

Nachhaltiges Portfoliomanagement:

Der Aufbau eines nachhaltigen Projektportfolios ist zwangsläufig mit einer Anpassung der Unternehmensstrategie verbunden. Ein solches Projektportfolio bietet mehr Transparenz und stellt eine verbesserte Entscheidungsfindung sicher, da Abhängigkeiten und Nachhaltigkeitsauswirkungen sichtbar werden. Damit einhergehen eine wirkungsvollere Ressourcenplanung sowie die Steigerung der Gesamtportfolioperformance durch gezielt umgesetzte ESG-Maßnahmen.

Nachhaltiges Projektmanagement:

Durch Projekte wird das nachhaltig ausgerichtete Portfolio anschließend operationalisiert. Um die Projektplanung und -durchführung entsprechend zu gestalten, sollten die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens in allen Projektmanagement-Dimensionen berücksichtigt werden, z.B. durch die Integration von ESG-Risiken im Risikomanagement oder der Sicherstellung von Chancengleichheit im Ressourcenmanagement.

Wie kann ein nachhaltiges Portfolio- und Projektmanagement umgesetzt werden?

Für die Ausrichtung von Projekten in Zusammenspiel mit der Gesamtstrategie eines Unternehmens sowie das Etablieren von Nachhaltigkeit im Projektmanagement ist die Festlegung von konkreten Nachhaltigkeitszielen organisationsweit entscheidend. Eine zielbasierte proaktive Portfoliosteuerung, die auf einem soliden Verständnis der Nachhaltigkeitsperformance beruht, wird zum Schlüssel der künftigen Wettbewerbsfähigkeit einer jeden Organisation.

Um Nachhaltigkeit im Portfolio- und Projektmanagement zu verankern, brauchen Unternehmen solide, faktenbasierte Methoden, die durch geeignete Instrumente und Prozesse unterstützt werden. Deshalb werden im Folgenden sechs verschiedene Tools aufgezeigt, mit denen dies gelingt:

Tools für ein nachhaltiges Portfoliomanagement:

Grundsätzlich unterscheidet man im Portfoliomanagement zwischen drei Phasen: Portfolio Assessment, Portfolio Definition und Portfolio Delivery. Jede Phase bietet den Raum speziell abgestimmte Konzepte, Tools und Vorgehensweisen anzuwenden, die den Erfolg des Projekt-Portfolios sicherstellen. Neben einer Vielzahl unterschiedlicher Portfoliomanagement-Tools gibt es speziell entwickelte Instrumente, um ein nachhaltiges Portfoliomanagement zu gewährleisten.

  • Die erste Phase Portfolio Assessment hinterfragt die Abstimmung zwischen der allgemeinen geschäftlichen Nachhaltigkeit und der Portfoliostrategie. Dies zielt darauf ab, die Gesamtsituation besser einschätzen zu können. Das Project Portfolio Alignment Mapping (siehe Abbildung 2) hilft bei der Einordnung einzelner Projekte in die Nachhaltigkeitsstrategie. Die Festlegung von Kriterien für das Projektportfolio, sowohl für Geschäfts- als auch für Nachhaltigkeitsziele, erleichtert die Auswahl von Programmen und Projekten. Gleichzeitig wird so die Ausrichtung an langfristige, strategische Ziele gefördert.
Abbildung 2: Project Portfolio Alignment Mapping – Beispiel
  • Die Portfolio Definition Phase setzt die Rahmenbedingungen, die zukünftig geplante oder neu akquirierte Projekte erfüllen müssen. Die Component Portfolio Selection Matrix ermöglicht dem Unternehmen die Bewertung aller Projekte anhand ausgewählter Kriterien. Diese Kriterien orientieren sich an der verfolgten Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens. Die Matrix bietet somit einen transparenten Prozess zur Auswahl der Projekte, die am besten mit den strategischen Zielen der Organisation übereinstimmen.
  • Bei der Portfolio Delivery, der dritten und letzten Phase, werden aktuell laufende Projekte anhand ausgewiesener Kriterien überprüft. Die Portfolio Component Performance Tracking Matrix visualisiert hierbei einen klaren Plan-Ist-Vergleich der einzelnen Aspekte. Dies erleichtert frühzeitiges Handeln sowie strategische Entscheidungen. Zusätzlich bilden die gesammelten Daten die Grundlage, um aus Entscheidungen zu lernen und den Portfoliomanagementprozess iterativ anzupassen.

Tools für ein nachhaltiges Projektmanagement:

Auch im Projektmanagement können verschiedene Nachhaltigkeits-Tools genutzt werden, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren und priorisieren. Dies unterstützt Unternehmen bei der Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele. Nachfolgend werden drei Beispiele aufgeführt:

  • Der Carbon Impact Calculator ermöglicht es Projektleiter und -leiterinnen, die mit der Durchführung des Projekts verbundenen CO2-Äquivalente (CO2e) (z. B. durch Energieverbrauch, Reisen und Lebensmittel) proaktiv abzuschätzen – inklusive verschiedener Szenarien. Dadurch können die CO2-Auswirkungen des Projekts reduziert werden.
  • Die GPM P5™ Impact Analysis zielt auf die Definition von Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen aus einer 360°-Perspektive ab, um den Projektwert zu steigern. Dies schließt die Analyse von ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sowie die Anpassung an die Unternehmensstrategie ein. So werden positive Auswirkungen erhöht und negative Auswirkungen auf die Gesellschaft, die Umwelt und den Wert des Projekts verringert.
  • Die Sustainability Balanced Scorecard (SBSC) (siehe Abbildung 3)ermöglicht die Messung wichtiger Indikatoren, die einen nachhaltigen Wandel vorantreiben, durch die Übersetzung von Plänen auf Unternehmensebene in (nicht-) finanzielle Projektmetriken. Das Ziel der SBSC ist es, alle Abteilungen einer Organisation auf dem Weg zu einer gemeinsamen strategischen Nachhaltigkeitsvision zu verbinden.
Abbildung 3: Sustainability Balanced Scorecard – Beispiel

Warum sollte das Portfolio- und Projektmanagement nachhaltig gestaltet werden?

Mit den oben aufgezeigten Tools können sowohl das Portfolio- als auch das Projektmanagement einen wesentlichen Teil dazu beitragen, die Nachhaltigkeitsziele eines Unternehmens zu erreichen. Zudem bietet es viele weitere Vorteile:

  • Wertsteigerung des Unternehmens, indem neue Möglichkeiten eröffnet und Wettbewerbsvorteile geschaffen werden
  • Klare Grundlage für das Verständnis und die Messung von Nachhaltigkeitswerten in Projekten mit glaubwürdiger Berichterstattung und Kommunikation über die Nachhaltigkeitsleistung
  • Risikominimierung durch frühzeitige Identifizierung traditioneller Risiken sowie Berücksichtigung von Risiken für Soziales und Umwelt
  • Steigerung des S-ROI (Social Return on Investment) durch Identifizierung und Quantifizierung der normalerweise nicht berücksichtigten wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen von Projekten
  • Verbesserung der Unternehmenskultur sowie Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit mit positiver Auswirkung auf deren Fluktuation

In den nächsten beiden Teilen dieser Blogserie zeigen wir zwei weitere Enabler auf: Teil 2 – Nachhaltige KPIs und Teil 3 – Befähigung und Schaffen von Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Unternehmen.

Für einen Erfahrungsaustausch kontaktieren Sie gerne unsere Expertin Vera Schneemann. Vielen Dank an die Co-Autor*innen Ruben Hilzinger und Lea Hofmann für die maßgebliche Erstellung dieses Blogbeitrags.

Quellen:

[1] Kiron et al. (2017), Corporate sustainability at a crossroads, MIT Sloan Management Review.

Autorin

Vera Schneemann

Expertise: Supply Chain Management, Sustainable Operations

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