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Make vs. Buy vs. Hybrid: Der Weg zur individuell geeignetsten Supply Chain
Planungslösung

Daniel Evers
02. Mrz. 2023
capgemini-invent

Durch die aktuelle Unsicherheit und den Druck auf die globalen Lieferketten ist das Thema Supply Chain Management so präsent wie nie zuvor. Angebots- und Nachfrageschocks, verursacht durch multiple Störungen, führen zu Herausforderungen für Unternehmen.

Die Planung von Nachfrage und Kapazität entlang der gesamten Lieferkette und die Durchführung von Szenarioanalysen wird in diesem Kontext stetig relevanter.
Um Transparenz aus dem vorhandenen Datenschatz generieren zu können und komplexe, mehrstufige Lieferketten zu planen und zu steuern sind innovative Lösungen unabdingbar. Unternehmen sind bestrebt, eine große Menge an Daten in ihren Entscheidungsprozess einzubeziehen, die entsprechend ermittelt und analysiert werden müssen. Die richtige Technologie bildet in diesem Zusammenhang das Fundament für gute Entscheidungen.

Wir beobachten eine stetige Nachfrage nach Technologien für die Planung von Lieferketten und verbunden damit eine Vielzahl an neuen innovativen Lösungen. Neben den etablierten ERP-Anbietern steigt auch die Anzahl an Unternehmen und Start-Ups, die sich ausschließlich auf die Supply Chain Planung fokussieren. Bekannte Lösungsanbieter im Supply Chain Planungsumfeld sind unter anderem Kinaxis, o9, BlueYonder, OMP und SAP.

Welche weiteren Optionen haben Unternehmen neben dem zurückgreifen auf bekannte Standardlösungen?

Der Titel dieses Artikels verrät bereits, dass es Alternativen zu am Markt verfügbaren Lösungen gibt. Maßgeschneiderte Lösungen (Make) oder zumindest weiterentwickelte Standardlösungen (Hybrid) stellen für viele Unternehmen eine Alternative dar. Ein Beispiel für ein hybrides Vorgehen ist das Zurückgreifen auf eine am Markt verfügbare Lösung für die taktische Produktionsplanung, welche um eine spezifische Eigenentwicklung für die Algorithmen-basierte Feinplanung ergänzt wird. Bei einer vollständigen Make-Lösung wird eine Lösung geschaffen, welche die funktionalen Anforderungen abdeckt und die bestmöglich in die bestehende Systemarchitektur integriert werden kann.

Entscheidungen hinsichtlich der technischen Umsetzung (bspw. Auswahl der Cloud-Plattform) hängen von den spezifischen Anforderungen und Bedürfnissen der Organisation ab.

Wie identifizieren Unternehmen in diesem Zusammenhang also die für sie richtige Lösung?

Wir empfehlen eine initiale Einschätzung anhand von zwei Kriterien, wie in Abbildung 1 dargestellt, vorzunehmen. Eine Vielzahl von individuellen bzw. spezifischen Anforderungen spricht in aller Regel für die Notwendigkeit von Eigenentwicklungen. Grund dafür ist, dass Marktlösungen prioritär Standardanforderungen abdecken. Darüber hinaus ist in diesem Zusammenhang die analytische Komplexität des zu optimierenden mathematischen Problems entscheidend. Ist diese ebenfalls hoch, so ist eine vollständig eigenentwickelte Lösung in unseren Augen die beste Option.

Abbildung 1: Abbildung 1: Simplifizierte Entscheidungsmatrix
Abbildung 1: Simplifizierte Entscheidungsmatrix

Wie können Unternehmen ihre spezifischen Anforderungen identifizieren?

Wie bereits dargelegt, stellt die Identifizierung der relevanten Anforderungen einen kritischen Erfolgsfaktor bei der Auswahl der richtigen Lösung dar. Dabei hilft eine standardisierte Vorgehensweise, die darüber hinaus die Anforderungen evaluiert und priorisiert. Dies kann strukturiert entlang von vier konkreten Schritten, wie in Abbildung 2 gezeigt, erfolgen.

Abbildung 2: Anforderungsidentifikation in vier Schritten
Abbildung 2: Anforderungsidentifikation in vier Schritten

In einem ersten Schritt werden die bestehenden Ist-Prozesse analysiert und Schwachstellen identifiziert. Dabei sollte der Prozess aus der Perspektive aller Prozessbeteiligten betrachtet werden, um eine holistische Analyse zu gewährleisten.  Die Ergebnisse der Prozessanalyse bilden die Basis für die Beschreibung der zukünftigen Soll-Prozesse. Ausgehend vom zukünftigen Soll-Prozess erfolgt nun eine Detaillierung der Prozessschritte. Im nächsten Schritt werden für jeden Prozessschritt spezifische Anforderungen an die zukünftige Softwarelösung abgeleitet und priorisiert. Diese vier Schritte bilden die Grundlage für eine anschließende Evaluierung der Lösungsalternativen.

Die priorisierten Anforderungen können nun mit den Funktionen und Fähigkeiten der einzelnen Software-Lösungen verglichen werden. Basierend auf einer Marktrecherche wird eine Long-List mit allen relevanten Lösungsanbietern erstellt. Nach einer ersten Vorselektion basierend auf verfügbaren Informationen, sollten individuelle Vorstellungstermine mit den Lösungsanbietern vereinbart werden. Ziel dieser Termine ist der dedizierte Abgleich der Funktionalitäten mit den Anforderungen.

Sobald priorisierte Anforderungen nicht durch den Funktionsumfang von Software-Lösungen abgedeckt werden und die Funktionalitäten auch nicht Bestandteil der zukünftigen Produkt Roadmap des Lösungsanbieters sind, sollte die Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen zumindest evaluiert werden.

Dieses standardisierte Vorgehen ermöglicht eine initiale Sicherstellung des funktionalen Fits der zukünftigen Lösung und ergänzt die klassische betriebswirtschaftliche Beurteilung von Investitionsentscheidungen.

Vielen Dank an die Co-Autor*innen Lukas Erlenstedt und Stephanie Epple für die maßgebliche Erstellung dieses Blogbeitrages.

Autor

Daniel Evers

Director | Head of Supply Chain Transformation, Capgemini Invent (Germany)
Ich berate weltweit führende Unternehmen mit Fokus auf die Automobilindustrie und den Maschinen- und Anlagenbau bei großen Geschäftstransformationen, um ihre Wertschöpfungsketten effizient, nachhaltig, zukunftsgerichtet und digital befähigt aufzustellen. Dabei liegt mein Schwerpunkt auf den Themen Supply Chain Strategy, Operating Model Design, Supply Chain Planning sowie Supply Chain Performance Improvement.
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