Es ist nur absolut falsch, wenn sie es ohne den Rat und die Hilfe der hausinternen IT tun.

Die Diskussion um die neue „Macht der LOBs“ (Lines of Business bzw. Fachbereiche) bei der IT-Beschaffung ist im Zuge der Digitalisierungsprojekte in vielen Unternehmen aufgeflammt. Hintergrund ist der Umstand, dass die innovativen Projekte sehr eng mit dem Kerngeschäft der Unternehmen verknüpft sind. Oft reagieren die LOBs mit den Projekten auf Markttrends, Kundenwünsche, neue Wettbewerbssituationen, oder sie schaffen neue Möglichkeiten für mehr Produktivität und Kundennähe sowie in der Produktgestaltung, einfach weil nun neue Technologien verfügbar sind (etwa Connectivity, Bandbreite, Sensortechnik, Ortung, Analytics etc.).

Natürlich sind hier die Fachbereiche besser in der Lage, die Möglichkeiten der neuen Techniken für die eigenen Prozesse und Geschäfte einzuschätzen. Genauso selbstverständlich ist aber auch, dass die IT-Leiter und IT-Abteilungen besser bewerten können, wie sich die erforderlichen Enabling-Technologien wie SaaS-basierende Applikationen oder Cloud- und Mobility-Infrastrukturen in die vorhandene IT-Landschaft und IT-Strategie einfügen.

Experteninterviews mit 20 CIOs, IT-Leitern und Fachbereichsleitern aus deutschen Unternehmen verschiedener Branchen haben die wachsende Bedeutung der LOBs in IT-Entscheidungsprozessen bestätigt: Die Fachbereiche sind in der Regel die Initiatoren, wenn neue digitale Projekte gestartet werden. Von ihnen gehen meist die Ideen für Vorhaben im Umfeld von Connected Car, Industrie 4.0, Omnichannel, Customer Experience und Smart Logistics aus.

Weitgehend widersprochen wurde aber, dass die LOBs dies ohne Rücksprache mit den IT-Abteilungen tun – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen natürlich.

Damit es nicht zu Alleingängen kommt, gibt es in gut aufgestellten Unternehmen beispielsweise Innovation Boards oder regelmäßige Treffen aller Stakeholder, so dass auch die IT stets über geplante Projekte informiert ist und sich rechtzeitig einbringen kann. Oft wird die IT früh in Projekte eingebunden, um die IT-technische Umsetzung zu prüfen, zu präzisieren und um Software anzupassen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist zudem das wachsende Interesse an agiler Softwareentwicklung: Methoden wie Scrum oder Extreme Programming bieten sich im Umfeld digitaler Projekte an, weil sie dafür ausgelegt sind, dass IT und Fachbereiche eng miteinander kooperieren.

Das ist eine sinnvolle Entwicklung, denn: Was nützt die schönste digitale Cloud-Plattform, wenn sie nicht stabil läuft und nicht integriert ist? Kurzfristig mögen SaaS-Lösungen, die LOBs ohne Absprache mit der IT angeschafft haben, Vorteile bringen, weil dringend benötigte Funktionen schnell verfügbar sind. Langfristig stehen sie einer konsistenten und in die Zukunft gerichteten Digitalisierung im Weg, weil jede Abteilung ihr eigenes Süppchen kocht und somit Prozessbrüche und Datensilos entstehen.

Vor allem für CIOs und IT-Leiter ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Den Fachbereichen ist die Bedeutung der zentralen Plattform, der einheitlichen Datenhaltung und der vorhandenen IT oft nicht klar. Hier stehen die IT-Verantwortlichen in der Pflicht, mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass nur eine integrierte Gesamtstrategie, die sowohl IT- als auch IoT-Belange berücksichtigt, dauerhaften Erfolg in einer Welt des schnellen digitalen Wandels garantieren kann.