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Social Taxonomy der EU – Was kommt auf die Unternehmen zu?

Marco Meyer
2022-05-25
capgemini-invent

Was ist die Social Taxonomy?

Die Social Taxonomie ist ein Standard der Europäischen Union für Leistungen im sozialen Bereich. Sie soll Investoren helfen, den Einfluss ihrer Investitionen transparent nachvollziehen zu können. Am 28. Februar 2022 veröffentlichte die „EU Platform on Sustainable Finance“ ihren Abschlussbericht über die mögliche Struktur einer Social Taxonomy, nachdem im Juli 2021 ein vorläufiger Bericht veröffentlicht worden war. Die vorgeschlagene Struktur der Social Taxonomy orientiert sich an der Struktur der Environmental Taxonomy.

Kernvorschlag sind Screening-Kriterien, um sozial nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten zu identifizieren und zu bewerten, die die folgenden Aspekte beinhalten:

  • Wesentlicher Beitrag zu mindestens einem der drei festgelegten sozialen Ziele:
    • Menschenwürdige Arbeit (auch für Arbeitnehmer in der Wertschöpfungskette)
    • Angemessener Lebensstandard und Wohlbefinden für die Endnutzer
    • Inklusive und nachhaltige Gemeinschaften und Gesellschaften
  • Schaden keinem anderen sozialen Ziel
  • Werden unter Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindestanforderungen durchgeführt

Anschließend sollen je nach sozialem Ziel entweder der Umsatz oder die Investitions- und Betriebsausgaben pro sozial nachhaltiger Wirtschaftstätigkeit gemeldet werden.

Die Social Taxonomy berücksichtigt zunächst nur ausgewählte Wirtschaftszweige aus priorisierten Sektoren.

Warum ist die Social Taxonomy wichtig?

Die Social Taxonomy soll Beiträge zu sozialen und menschenrechtlichen Zielen in allen Sektoren erhöhen und vorhandene Investitionen wertschätzen. Damit erweitert sie die Nachhaltigkeitsrichtlinien der EU um den sozialen Bereich. Oft wird die Social Taxonomy als Erweiterung der Environmental Taxonomy gesehen. Verbände sozialer Investoren hoffen, dass die Social Taxonomy in die Environmental Taxonomie integriert wird und beide Taxonomien sich gegenseitig ergänzen.

Damit würde die Social Taxonomy den Grundstein für eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie der Europäischen Union legen, in der deutlich mehr Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden können.

Änderungen durch die Social Taxonomy

Die Social Taxonomy soll als globaler Vorreiter für Nachhaltigkeit gelten. Die Umsetzung kann insbesondere für Länder mit schwacher ökologischer Infrastruktur, schwachen Arbeitnehmerrechten und weiteren sozialen Missständen zu maßgeblichen Veränderungen führen. Doch auch in Deutschland werden wir die Auswirkungen der Social Taxonomy spüren können.

So soll die Einführung beispielsweise das sogenannte Bluewashing verhindern. Bei Bluewashing spricht man von der irreführenden Vermarktung von Produkten oder Dienstleistungen als sozial nachhaltig, obwohl diese den sozialen Ansprüchen nicht genügen. Die Social Taxonomy soll dem entgegenwirken, indem Produkte und Dienstleistungen auf die sozialen Faktoren Zugänglichkeit, Verfügbarkeit, Akzeptanz und Qualität hin geprüft werden.

Eine genaue Umsetzung der Überprüfungen und Maßnahmen bei Nichteinhaltung sind noch nicht definiert. Experten fordern, von pauschalen Verboten für Schwellenländern abzusehen. Für Unternehmen, dessen Produkte und Dienstleistungen nicht den Standards entsprechen, sollen zuerst Maßnahmen identifiziert werden, wie soziale Schäden vermieden werden können. Erst bei weiterer Nichteinhaltung sollen Verbote für bestimmte Produkte oder Dienstleistungen verhängt werden.

Die Europäische Kommission wird den Abschlussbericht nun analysieren, um im Laufe des Jahres einen eigenen Bericht zu veröffentlichen. Der Bericht der Kommission wird die nächsten Schritte festlegen. Es wird jedoch wahrscheinlich noch Jahre dauern, bis die Social Taxonomy ausgearbeitet ist. In der Zwischenzeit wird erwartet, dass sich viele Stakeholder und Lobbyisten an der Diskussion beteiligen werden.

Bei umfassender Umsetzung durch die EU kann die Social Taxonomy Investoren und Unternehmen helfen, Investitionen zu tätigen, die tatsächlich zur sozialen Nachhaltigkeit in allen Aspekten beitragen.

Nachhaltigkeitsaspekte in der Finanzbranche

In der Finanzbranche verpflichten sich bereits deutsche Banken im Rahmen der „Principles for Responsible Banking“, die von der Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP FI) in Zusammenarbeit mit 30 Banken entwickelt wurden, Nachhaltigkeitsaspekte in die Geschäftsstrategie zu implementieren. Dabei sollen Banken sich über den Impact ihrer Geschäftsaktivitäten bewusstwerden und Nachhaltigkeitsziele formulieren. Diese Ziele werden unter anderem mit „Social Bonds“ erreicht, die bspw. Projekte in den Bereichen Gesundheits- und Sozialwesen refinanzieren. Immer mehr institutionelle Investoren als auch Privatanleger legen Wert darauf, dass ihre angelegten Gelder in ökologische oder soziale Projekte fließen. Banken geben mit Produkten wie „Social Bonds“ ihnen die Möglichkeit, dies mit nachhaltigen Investments umzusetzen.

Herzlichen Dank auch an den Co-Autor Lukas Winter.

Quellen:

Final Report on Social Taxonomy

Principles for Responsible Banking

Autor

Marco Meyer

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