Das „Sthira Sukha Asana“ Prinzip – Führung als Balance zwischen Vision geben und Eigenverantwortung fördern

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Wer seine Organisation fit für die Zukunft machen will, muss eine klare Vision für das Unternehmen definieren. Doch erfolgreich führen heißt vor allem, diese Vision in die Organisation und die einzelnen Teams zu tragen, um sie langfristig zu verankern und umzusetzen. Worauf kommt es dabei an? Wir glauben, dass es dazu eine neue Rollenausprägung von Führungskräften als “Vision Translator” braucht.

Die Vision als Herzstück einer zukunftsorientierten Organisation

Seit jeher steht die Vision im Mittelpunkt, wenn es darum geht, Menschen für einen Wandel zu mobilisieren. Sie ist Grundlage für die Daseinsberechtigung einer Organisation, Dreh- und Angelpunkt in Ansprachen von CxOs und Treiber für die Motivation von Mitarbeitern.

Ist die Vision und damit die Ambition einer Organisation entwickelt und klar formuliert, stellt sich die Frage, wie sie ins Unternehmen getragen werden kann. Hier kommen nicht nur neue Führungskompetenzen, sondern vor allem ein geändertes Mindset, was erfolgreiche Führung bedeutet, ins Spiel.

„Sthira Sukha Asana“ oder der Tanz zwischen Polaritäten

Für uns ist erfolgreiche Führung immer ein Tanz zwischen Polaritäten: Auf der einen Seite gilt es, sich als Führungskraft zurückzunehmen und den Mitarbeitern Eigenverantwortung zu übertragen. Auf der anderen Seite bleiben Aspekte autoritären Führens von Bedeutung, wenn es darum geht, die visionäre Zielrichtung vorzugeben.

Der Ansatz „Sthira Sukha Asana“ aus der Welt des Yogas hilft, diese notwendige Balance zu veranschaulichen: Der Meditationssitz „asanam“ soll zu gleichen Teilen „sthira“ (stabil, fest, kraftvoll) und „sukha“ (leicht, angenehm, enstpannt) sein. Ebenso muss der Vision Translator  eine kraftvolle Haltung einnehmen, um eine klare Richtung vorzugeben, zum anderen aber auch in der Lage sein, Kontrolle seinen Mitarbeitern gegenüber abzubauen.

„Nicht ohne mein Team“ – Die Bedeutung kollaborativer Führung

Die Funktion von Führungskräften als Anleitungs- und Entscheidungsinstanz durch Mikromanagement operativer Tätigkeiten hat sich überlebt. Flache Hierarchien und schnelle Entscheidungswege sind wichtige Faktoren für erfolgreiche Führung geworden. Dies bedeutet, dass Führungskräfte ihren Mitarbeitern die Fähigkeit zur Entscheidungsfindung zutrauen müssen. Der Fokus auf den „single leader“ rückt in den Hintergrund: Es geht nicht mehr darum, dass Führungskräfte selbst die Besten sind, sondern das Beste aus anderen machen[1] – und ihre Mitarbeiter dann ihren Fähigkeiten entsprechend einsetzen.

Der Fokus auf kollaborative Führung, der die Bedeutung eines jeden Einzelnen bei der Weiterentwicklung der Organisation betont, ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Implementierung der Unternehmensvision. Nur, wenn sich jeder Mitarbeiter als Kontributor wahrnimmt, kann das gemeinsame Ziel erreicht werden.

„Don’t only spread the word, but the feeling“ – Aspekte autoritärer Führung in 2020?

Führungskräfte müssen weiterhin eine eindeutige Richtung vorgeben, damit sich ihr Team in einem vorgegebenen Rahmen eigenverantwortlich bewegen kann. Dabei haben Aspekte autoritärer Führung auch über das Jahr 2020 hinaus Bestand.

Wie können Sie als Führungskraft eine stabile Haltung zeigen, Ihre Mitarbeiter von Ihrer Vision überzeugen und ein positives Gefühl für den Wandel wecken? Werfen Sie dazu einen Blick auf unser ADVICE Modell.

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Der Vision Translator vereint …

Authenticity: Seien Sie Sie selbst. Glaubwürdigkeit, Nahbarkeit und das Einnehmen einer Vorbildfunktion stehen im Fokus bei der Vermittlung Ihrer Vision.

Drive for Change: Zeigen Sie Umsetzungstärke und schaffen Sie eine Gruppendynamik, indem Sie selbst mit anpacken und die Veränderung als Teil des Teams treiben.

Value-orientation: Erzeugen Sie Klarheit, indem Sie den Mehrwert Ihrer Vision für Ihr Business, Ihre Mitarbeiter und die Gesellschaft kommunizieren und an den Wertschöpfungsbeitrag jedes Einzelnen appellieren.

Inspiration: Erzählen Sie eine klare Geschichte, die Ihre Zuhörer in den Bann zieht. Versuchen Sie konkret zu veranschaulichen, was Sie gemeinsam erreichen können und schärfen Sie so die Identität Ihres Teams.

Charisma: Leben Sie Ihre Individualität und Besonderheit aus. Ihr „Anders-sein“ wird von Ihren Mitarbeitern als glaubwürdiger Indikator für die Realisierung von Wandel wahrgenommen.

Empathy: Nehmen Sie immer die Perspektive Ihrer Mitarbeiter ein. Verstehen Sie, was Ihr Team bewegt, um die Kollegen entsprechend motivieren, befähigen und unterstützen zu können.

[1] Quelle: Reinhard K. Sprenger, „Radikal führen“, 2012

Über die Autorin:

Luisa Schoenwald, Manager, People & Organization at Capgemini Invent
Wenn Sie das Thema weiter vertiefen möchten, können Sie sich gerne an  Luisa Schoenwald via E-Mail oder LinkedIn wenden.


Dieser Blog erscheint im Rahmen unserer Blogreihe “Digital Leadership”. In den weiteren Artikeln beschäftigen wir uns mit folgenden Aspekten:

Blog 1: Jeder kennt jeden – wen kennen Sie? Was Führungskräfte von Influencern lernen können.
Blog 3: Warum Führungskräfte im agilen Kontext nicht mehr benötigt werden und Agilität im hierarchischen Umfeld nicht funktioniert. Oder doch?
Blog 4: Führung wie im Start-Up: Was steckt hinter der Faszination Start-Ups? Und was können Führungskräfte innerhalb von Organisationen von Gründern lernen?
Blog 5: Daten als Treibstoff digitaler Führung: Auf dem Weg in Wissenszeitalter – wie führt man aus dem Datendschungel in eine informationszentrierte Organisation?
Blog 6: Stehen wir uns selber im Weg? – Der Schlüssel zu erfolgreicher Führung ist keine Geschlechterfrage

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