Digital Leadership & Culture – Was neue Führungsmodelle bewirken können

Publish date:

Die Chancen der digitalen Transformation können nur dann genutzt werden, wenn die Unternehmens- und Führungskultur die Entfaltung des vollen Potentials der Mitarbeiter ermöglichen. Wer zu den Digital Champions zählen will, muss jetzt gezielt in den Aufbau neuer Führungsmodelle basierend auf Empowerment und offener Feedbackkultur investieren, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens durch produktivere Mitarbeiter zu sichern.

Wo sind die Digital Leader?

Bei der Digitalen Transformation geht es nicht lediglich um die Einführung neuer Technologien – in digitalen Unternehmen spielen auch Unternehmergeist und innovatives Denken eine entscheidende Rolle. Denn hinter neuen Technologien stehen weiterhin Menschen, die diese Technologien anwenden, Entscheidungen treffen und deren Kreativität zur Wertschöpfung des Unternehmens beiträgt. Mitarbeiter in digitalen Unternehmen benötigen eine offene Kultur, denn der Nutzen modernster Technologien und die damit verbundenen Möglichkeiten können nicht optimal ausgeschöpft werden, wenn Entscheidungsträger an hierarchisch geprägten, traditionellen Führungskonzepten festhalten. Wie etabliert man also eine digitale Führungskultur?

In den ersten beiden Blogbeiträgen dieser Serie wurden die wesentlichen Herausforderungen eines CIOs, sowie innovative Konzepte zur IT-Mitarbeiterentwicklung betrachtet. Welche Rolle spielen dabei Führung und Kultur? Unsere Erfahrung zeigt, dass „Leadership & Culture“ ein wesentlicher Enabler einer Digitalen IT ist.

Capgemini Invent Digital IT Enablers
Capgemini Invent Digital IT Enablers

 

Digitale Champions setzen vor allem auf 3 Erfolgsfaktoren, um eine effektive Führungs- und Unternehmenskultur zu schaffen.

  1.  Digitale IT Vision
  2.  Rollenbasierte Führung
  3.  Vertrauenskultur & Empowerment

1. Digitale IT Vision – Wer sein Ziel nicht kennt, kommt niemals an

In vielen Unternehmen existiert keine übergreifende IT-Strategie, die für sämtliche Bereiche gültig ist. Oftmals ist die IT-Strategie nicht verzahnt mit Business-Strategien und wird isoliert betrachtet. Die IT-Strategie gibt vor, „wie“ man gesetzte Ziele erreichen möchte, zuerst muss aber das „was“ definiert werden, z.B. in der digitalen Vision. Aber was genau versteht man unter einer Digitalen IT Vision?

Die Digitale IT Vision verschafft Mitarbeitern die strategische Orientierung, um ihre Initiativen und Bemühungen auf die gleichen Ziele auszurichten.

Hierbei geht es um einen grundlegenden Strategiewandel, bei dem Unternehmens- und IT-Strategie eng miteinander verknüpft sind. Unternehmen müssen erkennen, dass die digitale Transformation kein Projekt der IT-Abteilung, sondern ein Projekt der gesamten Organisation ist – Business und IT sind verpflichtet eng zusammenzuarbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei das stetige Hinterfragen existierender Geschäftsmodelle wie auch der Unternehmenskultur. Eine grundlegende Voraussetzung ist daher die Bereitschaft zur ständigen Veränderung. Denn nur, wer bestehende Prozesse und Strukturen auf Basis der Vision kontinuierlich hinterfragt und die Organisation auf Basis der neuen Erkenntnisse ausrichtet, schafft Raum für unternehmerische Freiheit und damit Innovation.

2. Rollenbasierte Führung – wenn der Chef zum Berater wird

Eine Digitale IT Vision allein macht ein Unternehmen jedoch noch nicht zu einem Digital Champion. Besonders wichtig ist zudem eine innovative Führungskultur, welche die Bereitschaft für neue Trends und die Umsetzung neuer Strategien erst ermöglicht. Denn hierarchische Führung bremst die digitale Transformation! Wer einen effektiven Transformationsprozess umsetzen möchte, muss sich daher vom traditionellen „top-down“ Ansatz lösen und sich auf eine neue Führungskultur einlassen, die agile und flexible Methoden fördert und den Mitarbeitern Freiräume bietet.

Im Konzept der rollenbasierten Führung wird der Führungskraft eine neue Rolle zugewiesen: Sie fungiert nun als Coach und Wegbereiter – nicht nur als Entscheider. Der Trend führt vom „Decision-Making“ zum „Decision-Managing“. Dies bedeutet, dass nun mehr das Steuern von Entscheidungen anstatt des Entscheidens selbst im Vordergrund steht. Ein bedeutender Vorteil davon ist, dass die Führungskraft kein Micro-Management betreiben muss und sich auf andere, wertstiftendere Aktivitäten konzentrieren kann, während sie trotzdem informiert bleibt und sich bei Bedarf als Coach einbringen kann.

Dieser Ansatz stützt die digitale Transformation durch interdisziplinäre Teams auf verschiedenen Hierarchieebenen. Er baut darauf auf, dass die Produktverantwortung abhängig von der Rolle oder den Fähigkeiten anstatt der hierarchischen Position eines Mitarbeiters vergeben wird. Dadurch, dass Entscheidungen eigenverantwortlich vom Produktverantwortlichen getroffen werden, stehen die Kompetenzen stärker im Fokus. Ein Mitarbeiter kann mehrere Rollen einnehmen und hat somit auch ein größeres Entwicklungsspektrum. Die Mitarbeiter sind dadurch motivierter und die Einsatzbereitschaft, sowie die Produktivität des Unternehmens steigt, während die Fluktuation sinkt und Mitarbeiter seltener krankheitsbedingt ausfallen.

3. Vertrauenskultur & Empowerment – der Mitarbeiter zahlt zurück

Erfolgsfaktor einer effektiven Vertrauenskultur ist die transparente Kommunikation von Unternehmenszielen. Das bedeutet, Informationen werden nicht nur übermittelt, sondern auch im Kontext der Unternehmensziele erläutert. Ein großer Vorteil ist, dass die Mitarbeiter durch diesen Ansatz ihre eigenen Ziele an den Unternehmenszielen ausrichten können und somit persönliches Commitment für die Erfüllung ihrer Aufgaben zeigen.

Damit einher geht die sogenannte „Culture of Trust“, welche den Mitarbeitern zutraut, Verantwortung zu übernehmen, sowie Aufgaben und Projekte eigenständig umzusetzen. Kontrollmechanismen und zeitaufwendige Abstimmungen entfallen und das Management kann sich stärker mit strategischen Fragestellungen auseinandersetzen. Durch eine offene Fehler- und Feedbackkultur, die sowohl vertikal als auch horizontal ausgerichtet ist, können Mitarbeiter ihre Ideen unabhängig von ihrer Position äußern und umsetzen. Vertrauen zeigt Wertschätzung und motiviert Mitarbeiter, sich kreativ einzubringen. Außerdem trägt diese Kultur zu einer verbesserte Work-Life-Balance bei. Beruf und Privatleben können beispielsweise durch die Vorteile digitaler Arbeitsumfelder mit räumlicher und zeitlicher Flexibilität besser vereint werden, solche Freiheiten werden von Mitarbeitern geschätzt.

Um in der Schnelllebigkeit der technologischen Entwicklung nicht auf der Strecke zu bleiben, müssen Unternehmen nicht nur auf eine Vertrauenskultur setzen, sondern ihre Mitarbeiter ermutigen und befähigen, Verantwortung zu übernehmen (Empowerment). Aber wie setzt man Empowerment um?

Es ist wichtig, Mitarbeitern Autonomie für ihre Aufgaben zu übertragen, d.h. die Verantwortung für die Zielerreichung wird vollständig delegiert. Der Mitarbeiter plant, steuert und führt den Prozess nach den eigenen Vorstellungen. Somit können Entscheidungen schneller getroffen werden und die Produktivität des Unternehmens erhöht sich maßgeblich. Mitarbeiter sind typischerweise näher an Problemstellungen im Unternehmensalltag als Führungskräfte. Dadurch können sie schneller und präziser auf Herausforderungen reagieren. Zahlreiche Studien belegen Zusammenhänge zwischen einer von Empowerment geprägten Vertrauenskultur und erhöhter Zufriedenheit sowie Produktivität von Mitarbeitern.
Dies wirkt sich ebenso vorteilhaft auf die Anzahl von Krankheitstagen und Fluktuationswerten aus.

Der Aufwand lohnt sich

Die Chancen der digitalen Transformation können nur dann genutzt werden, wenn die Unternehmens- und Führungskultur die Entfaltung des vollen Potenzials der Mitarbeiter ermöglichen. Unternehmen, die bereits heute gezielt in den Aufbau neuer Führungsmodelle mit Empowerment und offener Feedbackkultur investieren, werden in Zukunft einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihrer Konkurrenz haben. Denn Unternehmenskultur ist auch ein wichtiges Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb um Talente und Experten. Die Digitale IT Vision gibt den strategischen Rahmen vor, innovative Führungsmodelle füllen diesen Rahmen mit Leben und sichern damit die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens durch produktivere und zufriedenere Mitarbeiter.

In Rahmen dieser Blogserie stellen wir die einzelnen Enabler des Capgemini Invent Digital IT Frameworks vor. Sie wollen wissen, wie hoch der Reifegrad Ihrer Führungs- und Unternehmenskultur ist? Hier finden Sie weitere Informationen zum Capgemini Invent Digital IT Assessment, das Potenziale Ihrer Organisationen aufdeckt. Weiterführende Informationen zum Capgemini Invent Digital IT Beratungsangebot finden Sie auf unserer Website.

mitja-lomp-capgemini-invent
Mitja Lomp,
Capgemini Invent

Über den Autor: Mitja Lomp

Mitja Lomp war mehrere Jahre Teil des CIO Offices eines globalen Medienkonzerns und begleitet nun Konzerne und große Mittelständler in der digitalen Transformation. Besonders im Fokus steht dabei die Entwicklung einer passgenauen IT Strategie, Business-IT-Alignment sowie die Ausgestaltung der Bereiche IT Governance, IT Organisation, Change Management und Innovation – gemeinsam mit dem Kunden. Bei Capgemini Invent ist er Teil des Digital Strategy & Transformation Teams im Bereich Future of Technology. Gerne können Sie sich mit ihm über Xing oder LinkedIn vernetzen, um sich gemeinsam über das Thema auszutauschen.

Weitere Posts

Adaptive Organisation

Die Adaptive Organisation – wie Innovation und Anpassungsfähigkeit zusammenfinden

Capgemini Group
Date icon Juli 1, 2019

Alle reden von „flexibler“ und „innovativer“: Aber wie geht es wirklich? Und vor allem...

Agilität

Agiles IT-Betriebsmodell

Capgemini Group
Date icon Juni 26, 2019

Agile – es geht nicht um das „Ob“, sondern um das „Wie“

cookies.

Mit dem Fortsetzen des Besuchs dieser Website akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.

Für mehr Informationen und zur Änderungen der Cookie-Einstellungen auf Ihrem Computer, lesen Sie bitte Privacy Policy.

Schließen

Cookie Information schließen