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Plattformen für die Produktions-IT: Daten als Treiber verstehen

Publish Date: 03/2021

Softwareplattformen spielen eine wichtige Rolle in der Transformation der Produktions-IT. Dafür müssen auch Automobilzulieferer ihr Augenmerk künftig mehr auf Daten und deren Durchgängigkeit richten.

Softwareplattformen sind nicht neu: Sie zeichnen sich seit jeher durch inhärente Komplexität aus. „Unter der Haube“ ist jede Software aus mehreren Schichten aufgebaut, die ebenfalls als Plattformen betrachtet werden können. Dabei haben Plattformen an sich wenig Nutzwert und verursachen noch dazu hohe Kosten. Der entscheidende Mehrwert wird erst durch die Anwendungen erzielt, die auf den Plattformen verwendet werden. Das ist besonders beim Aufbau einer neuen Plattform zu berücksichtigen: Erst der erfolgreiche und vor allem skalierte Einsatz der Anwendungen führt zum eigentlichen Nutzen und damit verbundenen Einsparungen – etwa im Volumensegment. Kein Wunder also, dass Plattformen in der Fahrzeugentwicklung inzwischen zum unternehmenskritischen Faktor geworden sind. Ein besonderer Treiber dieses Themas ist die Entwicklung von Cloud-Architekturen, da die damit verbundenen Entscheidungen strategische Bedeutung haben.

Cloud-Anbieter verändern Plattformstrategien

Die meisten Produktionsunternehmen entscheiden sich für eine hybride Plattformstrategie und kooperieren mit mehreren Cloud-Anbietern wie AWS, Google und Microsoft in unterschiedlichen Bereichen (etwa „Fahrzeug“ und „Produktion“). Im nächsten Schritt entscheiden sie, wie die existierenden Services der Plattform genutzt werden sollen. Hier haben sich verschiedene Servicemodelle wie Infrastructure-as-a-Service (IaaS), Platform-as-a-Service (PaaS) und Software-as-a-Service (SaaS) etabliert. Bei der Auswahl geht es darum, Flexibilität und Kosten auszubalancieren. Aktuell stellen wir einen Trend zum verstärkten Einsatz von SaaS auch in der Produktions-IT fest.

 Transformation der Produktions-IT erfordert Jahre

Die Voraussetzungen für den Start in das Cloud-Plattform-Zeitalter sind nicht einfach: Eine typische Anwendungslandschaft in der Produktion ist durch eine Vielzahl an Anwendungen geprägt. Hier finden sich komplexe Anwendungen wie Enterprise Resource Planning (ERP), Manufacturing Execution Systeme (MES) oder Warehouse Management Systeme (WMS), aber auch eine Vielzahl meist kleinteiliger Spezialanwendungen. Neben einigen werksübergreifenden Standardanwendungen existieren in den einzelnen Werken häufig zudem unterschiedliche Anwendungen für die gleichen Anwendungsfälle. Das hat seinen Grund: Denn die werksindividuellen Anwendungen haben meist eine hohe Abhängigkeit zur spezifischen Werksphysik und individuell ausgeprägten Geschäftsprozessen. Die Konsequenz: Die Transformation der Produktions-IT ist meistens ein Unterfangen von vielen Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten.

Der Fokus liegt auf Anwendungen

In der Vergangenheit hat sich die Produktions-IT meist über die Anwendungen definiert und die Organisation wurde quasi darum herum gebaut. Bei der Strukturierung der Anwendungen werden Domänen und Anwendungsfälle (use cases) unterschieden. Domänen gliedern die Fachlichkeit der Produktion in Aufgabengebiete wie z.B. Fertigung, Logistik und Instandhaltung. Anwendungsfälle beschreiben konkrete Nutzungsszenarien wie z.B. Zustandsüberwachung (condition monitoring). Die Anwendungsfälle fungieren häufig als Treiber (driver) der Plattformentwicklung. Eine gut gestaltete Anwendungslandschaft zeichnet sich dadurch aus, dass die Domänen klar gestaltet sind (domain-driven design) und die Anwendungen eindeutig zugeordnet werden.

Die Mission: Daten zum Gestaltungstreiber machen

Wie aber passt dieses Vorgehen zu dem Trend der datengetriebenen Firmen (data driven companies)? Wie sollte die immer vehementer geforderte Datendurchgängigkeit erzielt werden? Wir sehen einen Paradigmenwechsel als unerlässlich an: Die datengetriebene IT erfordert eine Neustrukturierung von Sichtweisen, Organisationen und Prozessen. Nicht mehr die Applikationen, sondern die Daten in konsequent strukturierten Domänen müssen Gestaltungstreiber sein. Denn die effiziente Bereitstellung und konsequente Nutzung vernetzter Daten (data meshes) etwa über Plattformen wird geschäftskritisch und daher ein KPI für die künftigen IT-Organisationen sein. Daher darf die Produktions-IT auch in Zeiten von künstlicher Intelligenz, Cloud und Edge Computing etablierte Gestaltungsmaßnahmen wie eine domänengetriebene Entwicklung und Komplexitätsreduktion nicht vernachlässigen und muss die Transformation der gesamten Anwendungslandschaft stets im Blick behalten. Klar ist: Nur eine konsistente Gesamtarchitektur ist den immensen Anforderungen der Zukunft gewachsen.

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