• Weniger als ein Fünftel befragter Unternehmen hat unternehmensweite Innovationskultur
  • Während USA Marktführer bleibt, werden Indien und Singapur zu neuen Innovationszentren
  • Berlin bleibt mit vier neuen Innovationszentren weiterhin unter den Top 10 Städten
  • Technologie- und Automobilbranche investieren am häufigsten in Zentren

Frankfurt, 12. Dezember 2017 – Capgeminis Digital Transformation Institute hat heute den Bericht „The discipline of innovation: Making sure your innovation center actually makes your organization more innovative“ veröffentlicht, der die Entwicklung von Innovationszentren beleuchtet und deren Wert für Unternehmen untersucht. Für den Bericht wurden 1.700 Mitarbeiter in 340 Organisationen befragt. Es zeigt sich, dass Unternehmen zwar in Innovationszentren investieren, um mit den Marktveränderungen Schritt zu halten, dadurch aber insgesamt nicht innovativer werden.

Laut Bericht wird Innovation in Unternehmen vor allem behindert durch fehlende innovationsfreundliche Kultur, mangelnde robuste interne Prozesse und wenig Führungskräfte, die diese Art von Erfolg intern fördern. Außerdem wurde festgestellt, wo Innovationszentren derzeit am ehesten zu finden sind. Während die USA nach wie vor Marktführer sind, wächst in Indien und Singapur die Anzahl der Innovationszentren rasant. Der Bericht zeigt auch, dass Technologie- und Automobilbranche in den letzten zwölf Monaten die meisten Innovationszentren eröffnet haben.

Unternehmen mangelt es an Innovationseffektivität

Aktuelle Innovationsprozesse werden nicht zuende geführt und resultieren nicht automatisch in innovativeren Organisationen. Seit Oktober 2016 wächst die Anzahl von Innovationszentren um 27 Prozent, doch Innovation verbreitet sich nicht automatisch in den zugehörigen Organisationen. Während 87 Prozent der Befragten über ein Innovationszentrum verfügen, hat kein Unternehmen eine sogenannte „optimierte“ Maturität erreicht – also eine konsistente Erfolgsbilanz, die zeigt, dass Innovationen von der ersten Idee bis hin zu signifikanten kommerziellen oder operativen Umsetzungen verfolgt werden. Die Hälfte der Führungskräfte ist der Ansicht, dass ihre Organisation nicht in der Lage ist, mit den Marktveränderungen Schritt zu halten, und weniger als ein Fünftel (17 Prozent) ist der Meinung, dass sie eine unternehmensweite Innovationskultur haben. Die meisten Unternehmen (76 Prozent) befinden sich noch in der Phase des Aufbaus ihrer Innovationsbemühungen, wobei die Projekte ausschließlich auf Abteilungsebene und ohne zentrales Management durchgeführt werden.

Unternehmenskultur und mangelnde Zusammenarbeit hemmen ausgereifte Innovationen

Im neuen Bericht wird aufgezeigt, dass die größte Hürde für Innovation in Organisationen die Unternehmenskultur und das mangelnde Zusammenspiel mit einer größeren Zulieferer- und Partnergemeinschaft ist. Frühere Berichte wie der Capgemini DIT Digital Culture Report 2017 haben gezeigt, dass Kultur die größte Hürde für die digitale Transformation darstellt. Ergebnisse des aktuellen Berichts legen nah, dass dies auch für Innovationen gilt. Dem Bericht zufolge haben viele Organisationen keine Kultur, in der sie experimentieren, Ideen ausprobieren und sie zum Einsatz bringen können. Innovation wird auch dadurch erstickt, dass Unternehmen nicht in der Lage sind, mit ihrem breiteren Netzwerk zu interagieren. Vier von zehn Befragten gaben an, dass sie nicht über die Technologie verfügen, um mit ihrem Netzwerk an Innovationen zu arbeiten, selbst wenn sie dies beabsichtigen.

Würden sie an Zusammenarbeit und der Verbesserung ihrer Unternehmenskultur arbeiten, könnten die Unternehmen einen Innovationsschub erleben. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass innovative Unternehmen 13 Prozent häufiger an internen und externen Kooperationen mit Start-ups, Hochschulen und anderen Industriepartnern teilnehmen. Darüber hinaus ist die Wahrscheinlichkeit um 25 Prozent höher, dass Unternehmen mit höherer Innovationsreife flexible Prozesse haben.

Berlin bleibt unter Top 10 Städten für Innnovationszentren

Berlin bleibt mit vier im ersten Quartal 2017 neu eröffneten Innovationszentren unter den Top 10 Städten nach dem Silicon Valley, Singapur, London, Bangalore, Paris und Atlanta und liegt damit noch vor Boston und Shanghai. In Deutschland wuchs die Anzahl der unternehmenseigenen Innovationszentren insgesamt um 24 Prozent auf 78 Zentren. Die Studienautoren unterscheiden bei den Innovationszentren zwischen Labs, die bis zu einem halben Jahr bestehen und vor allem für Prototyping und Geschäftsmodellentwicklung genutzt werden, und Inkubatoren, die bis zu zwei Jahren über die Markteinführung bis hin zur Hochskalierung der Ideen bestehen. Dritte Kategorie sind die sogenannten Acceleratoren, die mit Markteinführung über einige Monate für das Hochskalieren der innovativen Ideen genutzt werden. Über 50 Prozent der Unternehmensinnovationszentren sind Inkubatoren, von denen sich wiederum die Hälfte mit Mobilität (23 Prozent), Finanzdienstleistungen (17 Prozent) oder Medien (15 Prozent) beschäftigen. Innerhalb der verschiedenen Branchen gibt es eine Präferenz für bestimmte Innovationcenter-Typen: Während zum Thema Mobilität größtenteils in Labs gearbeitet wird, nutzen Versicherungs- und Finanzindustrie vor allem Inkubatoren, Medien und Telekommunikation ist das Format der Acceleratoren am nächsten.

Olivier Hervé, Principal bei Capgemini Consulting, fasst die Ergebnisse zusammen: Organisationen müssen akzeptieren, dass sie nicht einfach Innovationszentren eröffnen und von heute auf morgen einen Wandel in ihrem kreativen Schaffen erwarten können. Um eine wirkliche Veränderung ihres kreativen Schaffens herbeizuführen, müssen die Unternehmen eine Kultur etablieren, in der alle Mitarbeiter durch finanzielle und nichtfinanzielle Anreize ermutigt werden, zu experimentieren und Ideen auf den Markt zu bringen. Innovationsabteilungen können in diesem Prozess eine große Rolle spielen, indem sie mit einzelnen Teams zusammenarbeiten, um riskantere Ideen zu entwickeln und eine Verbindung zum Ökosystem von Partnern und Zulieferern aufzubauen. Um wirklich erfolgreich zu sein ist es unerlässlich, Innovation und Kreativität unternehmensweit zu fördern.“

Indien und Singapur sind neue Innovationsdrehkreuze

Das Silicon Valley ist nicht mehr erste Wahl für Unternehmen, die ein Innovationszentrum eröffnen wollen. Weltweit finden sich in dem Gebiet nur noch 13 Prozent der Innovationszentren, verglichen mit 18 Prozent im Jahr 2015.

Die Verschiebung nach Asien ist am stärksten ausgeprägt:

  • Die Länder Asiens haben 29 Prozent der 2017 eröffneten Innovationszentren für sich beansprucht, verglichen mit 25 Prozent in Europa.
  • Singapur hat in diesem Jahr die maximale Anzahl an Innovationszentren angezogen und London damit auf Platz drei im Ranking der neu eröffneten Hubs verdrängt.
  • Bangalore ist auch ein zunehmend attraktiver Standort: Die Stadt wurde zum viertbeliebtesten Zielort für Innovationszentren (gegenüber dem fünften im Jahr 2016). Indien belegte im Jahr 2017 insgesamt den vierten Platz unter den neu eröffneten Innovationszentren.

Auch innerhalb der USA gibt es Veränderungen:

  • Die USA sind weltweit führend bei der Anzahl neu eröffneter Innovationszentren, 47 wurden im vergangenen Jahr eröffnet, viele davon befinden sich verstreut auf verschiedene Orte.
  • Obwohl das Silicon Valley nach wie vor die Top-Destination in den USA ist, hat sich sein Einfluss verringert: Der Anteil der US-Innovationszentren ist in den letzten zwei Jahren um 20 Prozent gesunken.
  • In Atlanta, Boston und New York eröffneten 2017 insgesamt elf Zentren.

Wie Unternehmen den größtmöglichen Nutzen aus ihren Innovationsanstrengungen ziehen

Um eine innovative Organisation zu werden, bedarf es einer disziplinierten Herangehensweise auf mehreren Ebenen. Der Bericht hebt hervor, dass innovative Organisationen:

  • Zugang zu einem breiteren Ökosystem haben, in dem Ideen gemeinsam mit externen und internen Partnern entwickelt werden
  • Innovation in allen Geschäftsbereichen und Fachabteilungen fördern und unterstützen und nicht nur auf die Innovationseinheiten beschränken
  • eine Digital-First-Kultur mit Unterstützung und Vorbildfunktion der Führungskräfte vorantreiben
  • eine Kultur erschaffen, die die Ideengenerierung auf allen Ebenen der Organisation fördert
  • Prozesse etablieren von der Idee bis hin zur Kommerzialisierung.

Die Erhöhung der durchschnittlichen Innovationsrate erfordert eine gemeinschaftliche Anstrengung zur Förderung der Achillesfersen: Ökosystem und Kultur. Am wichtigsten ist jedoch, dass es einer starken, engagierten und entschlossenen Führung bedarf, um die Innovationskurve zu verschieben.

Forschungsmethodik

Capgeminis Digital Transformation Institute befragte von März bis April 2017 1.700 Personen aus 340 Organisationen. Dabei wurden drei Kategorien von Mitarbeitern berücksichtigt: Führungskräfte, mittleres Management und Nachwuchsführungskräfte. Fünf Branchen wurden abgedeckt: Automobil, Banken/Versicherungen, Konsumgüter, Einzelhandel und Telekommunikation. Acht Länder wurden einbezogen: Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Schweden, die Niederlande und Spanien. Capgemini führte außerdem eine eingehende Sekundärforschung aller Markteinführungen und Ankündigungen von Innovationszentren zwischen November 2016 und Oktober 2017 durch, und zwar in allen wichtigen Industriesektoren. Zu den wichtigsten Quellen gehörten: Medienberichte und Pressemitteilungen, Jahresberichte, Geschäftsberichte, Interviews mit Führungskräften, Konferenzreden sowie Web- und Social-Media-Aktualisierungen wie beispielsweise Blog-Posts.

Über das Digital Transformation Institute:

Das Digital Transformation Institute ist Capgeminis hauseigene Ideenschmiede für alles, was digital ist. Das Institut veröffentlicht Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen digitaler Technologien auf große traditionelle Unternehmen. Das Team greift auf das weltweite Netzwerk von Capgemini-Experten zurück und arbeitet eng mit akademischen und technologischen Partnern zusammen. Das Institut verfügt über eigene Forschungszentren in Indien, Großbritannien und den USA.