Eine Bankenfusion aus Sicht einer IT-Projektmanagerin

Bankenfusionen sind eine große Herausforderung: Unterschiedliche IT-Systeme müssen möglichst effizient vereinheitlicht werden. Projektmanagerin Olga Kaminska leitete ein solches Projekt. Hier berichtet sie, worauf es dabei ankommt.

Der Werdegang – Vom Banking zum IT-Projektmanagement

Das Thema Finanzen liegt mir sehr. Bereits 2009 habe ich meinen ersten Master-Abschluss in Banking gemacht und danach bei einer Bank gearbeitet. Aber auch IT hat mich immer interessiert. So habe ich hier ebenfalls Erfahrungen bei einem internationalen Unternehmen für Technologieberatung sammeln können und schließlich Informationssysteme studiert. Zusätzlich habe ich Zertifizierungen als IT-Projektmanagerin erworben und 2017 begonnen, bei Capgemini zu arbeiten. Heute weiß ich: Das alles gab mir das perfekte Rüstzeug für dieses Projekt.

Der Kunde – aus zwei mach eins

Das Projekt haben wir für eine der führenden Privatfinanzierungsbanken in Deutschland mit Hauptsitz in München durchgeführt. Sie gehört zu einer der größten europäischen Finanzgruppen mit Fokus auf die Vergabe von Konsumentenkrediten (Einzel- und Onlinehandel sowie Autohäuser). Sie fusionierte mit einer weiteren deutschen Bank, die eine etwas andere Ausrichtung hatte. Beide Organisationen sind eher konservativ und hatten wenig Erfahrung im Umgang mit großen Fusionsprojekten.

Ich habe als Projektmanagerin ein Teilprojekt verantwortet. Von Anfang an haben mir meine Kenntnisse über Bankprozesse, ihre Produkte, die Organisationsstruktur und IT-Architekturlandschaft geholfen. Die Zusammenarbeit war sehr gut: Wir arbeiteten mit dem Kunden als gemischtes Team und hatten dabei täglich miteinander Kontakt, etwa in Workshops oder Telefonkonferenzen.

Das Projekt – Herausforderungen effizient meistern

Allein die Größenordnung des Projekts war beachtlich. Es handelte sich ja um renommierte, international operierende Unternehmen. Der Kunde wollte verständlicherweise nicht nur die technische Fusion zweier Organisationen durchführen, sondern auch einige Optimierungen erzielen und Synergieeffekte nutzen. So ging es um die Bereitstellung der technischen Möglichkeit, die beiden „alten Welten“ zu unterstützen, zusammen zu bringen und erfolgreich zu integrieren ­– und das möglichst effizient. Zu meinen Aufgaben als Projektmanagerin gehörte es insbesondere, mich schnell einzuarbeiten, ein Netzwerk aufzubauen sowie mich mit den in der Organisation verwendeten Prozessen und Praktiken vertraut zu machen.

Das Team – so ist das Projekt aufgebaut

Unser Team bestand sowohl aus internen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als auch aus externen Berater*innen. In meinem Projekt hat Capgemini Rollen wie Project Manager, IT-Enterprise-Architekten, IT Koordinatoren (IT PM), Business-Analysten und IT-Analysten (Requirement Engineers) abgedeckt. Ergänzt wurde das Team durch Entwickler von Kundenseite.

Weiterhin stand uns ein Business Requestor zur Seite, als Experte für die von der Bank angebotenen Prozesse und Produkte. Auch ein Systemanalytiker und ein Systemarchitekt haben das Team von Kundenseite ergänzt, denn die bestehenden Systeme in der Bank erforderten ein gründliches und sehr spezifisches Wissen.

Die Technologien – es lebe die Vielfalt

Das Projekt wurde hauptsächlich mit der klassischen Wasserfall-Methode durchgeführt. Diese Projektmanagement-Methode hat am besten zu den Ressourcen und Prozessen der Bank gepasst. Wir haben aber auch einige Elemente agiler Tools verwendet. Es ist jedoch immer wichtig, die Methode den Gegebenheiten anzupassen – eine agile Organisation mit den nötigen Rollendefinitionen, der Reorganisation von Entwicklungs- und Testumgebungen ist nicht in jedem Projekt möglich. Der Projektmanager übernimmt die Aufgaben, die sich aus diesem Mix der Methoden ergeben.

Auch die technische Umgebung war in dem Projekt eine bunte Mischung älterer und neuer Technologien. Es gab z. B. ältere Mainframe-Technologien sowie moderne Java-Ecosysteme mit mehrschichtiger Architektur, Serviceorientierung und flexiblen Web-Clients für die Front-Ends. Das hat das Projekt spannend und vielfältig für uns gemacht.

Die Voraussetzungen – welche Fähigkeiten wichtig sind

Grundsätzlich ist es möglich, direkt von der Uni in ein solches Projekt einzusteigen. Erfahrungen mit IT-Projekten sind allerdings für die Arbeit als Projektmanager*in unabdingbar. Es wird erwartet, dass ein Projektleiter einen Zeitplan erstellen und das Projektbudget verwalten kann. Daher ist es wichtig zu wissen, wie die Arbeit in Arbeitspakete aufgeteilt und nach den verfügbaren Ressourcen geplant wird. Einige grundlegende Budgetplanungsfähigkeiten wie Budgetprognosen sind ebenfalls erforderlich. Darüber hinaus muss ein Projektmanager ein guter Kommunikator sein.

Ich werde oft gefragt, ob Programmierkenntnisse nötig sind, um die Aufgaben als Projektmanagerin erfüllen zu können. Es ist kein Muss, aber von Vorteil. Ich muss auch keine Expertin in Banking oder dem Aufbau der Hardware- und Telekommunikationsinfrastruktur sein. Das wichtigste ist, dass genügend Projektmethodikwissen vorhanden ist.

Capgemini bietet im Vergleich zu anderen Unternehmen eine sehr gute Unterstützung durch die interne PM-Methodologie-Plattform. Sie wurde basierend auf den Industriestandards und den reichlich vorhandenen Erfahrungen entwickelt. Zusätzlich gibt es immer die Projektmanagement-Community, die im Zweifelsfall unterstützen und Erfahrungen teilen kann.

Die Tipps – was Bewerber beachten sollten

Studierenden würde ich empfehlen, ein Praktikum in einem IT-Projekt zu machen. Dabei lässt sich bereits viel lernen. Einige Universitäten bieten auch gemeinsame studentische Projekte in Kooperation mit Industriepartnern an.

Berufsstarter*innen hilft eine Projektmanagement-Zertifizierung. Hier würde ich die Industriestandard-Zertifizierungen wie Prince 2 oder (im späteren Verlauf der Karriere) die PMP (Project Management Professional) wählen. Für die selbstständige Vorbereitung ist darüber hinaus das PMBoK (Project management book of knowledge) sehr nützlich. Wer strukturiert denken sowie komplexe Konzepte verstehen und erklären kann, wird an den Aufgaben eines Projektmanagers viel Freude haben.

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