Eine Bankenfusion aus Sicht einer IT-Projektmanagerin

Bankenfusionen sind eine große Herausforderung: Unterschiedliche IT-Systeme müssen möglichst effizient vereinheitlicht werden. Projektmanagerin Olga Kaminska leitet gerade ein solches Projekt. Hier berichtet sie, worauf es dabei ankommt.

Das Thema Finanzen liegt mir sehr. Bereits 2009 habe ich meinen ersten Master-Abschluss in Banking gemacht und danach bei einer Bank gearbeitet. Aber auch IT hat mich immer interessiert. So habe ich hier ebenfalls Erfahrungen sammeln können und schließlich Informationssysteme studiert. Zusätzlich habe ich Zertifizierungen als IT-Projektmanager erworben. Heute weiß ich: Das alles gab mir das perfekte Rüstzeug für dieses Projekt.

Der Kunde – aus zwei mach eins

Mein Kunde ist eine der führenden Privatfinanzierungsbanken in Deutschland mit Hauptsitz in München. Sie gehört zu einer der größten europäischen Finanzgruppen und fokussiert sich auf die Vergabe von Konsumentenkrediten (Einzel- und Onlinehandel sowie Autohäuser). Sie fusioniert nun mit einer weiteren deutschen Bank, die eine etwas andere Ausrichtung hat. Beide Organisationen sind konservativ und haben wenig Erfahrung im Umgang mit großen Fusionsprojekten.

Seit Mai 2018 habe ich hier die Aufgaben als Projektmanagerin eines Teilprojekts übernommen. Von Anfang an haben mir meine Kenntnisse über Bankprozesse, ihre Produkte, die Organisationsstruktur und IT-Architekturlandschaft geholfen. Die Zusammenarbeit ist sehr gut: Wir arbeiten mit dem Kunden als gemischtes Team. Dabei haben wir täglich miteinander Kontakt, etwa in Workshops oder Telefonkonferenzen.

Das Projekt – Herausforderungen effizient meistern

Allein die Größenordnung ist bereits beachtlich. Es handelt sich ja um renommierte, international operierende Unternehmen. Der Kunde möchte verständlicherweise nicht nur die technische Fusion zweier Organisationen durchführen, sondern auch einige Optimierungen erzielen und Synergieeffekte nutzen. So geht es zum einen um die Bereitstellung der technischen Möglichkeit, die beiden „alten Welten“ zu unterstützen, zum anderen um die Schaffung der „dritten neuen Welt“ ­– und das möglichst effizient. Zu meinen Aufgaben als Projektmanager gehört es insbesondere, mich schnell einzuarbeiten, ein Netzwerk aufzubauen sowie mich mit den in der Organisation verwendeten Prozessen und Praktiken vertraut zu machen.

Das Team – so ist das Projekt aufgebaut

Unser Team besteht sowohl aus internen Mitarbeitern als auch aus externen Beratern. In meinem Projekt deckt Capgemini solche Rollen wie Project Manager, IT-Enterprise-Architekten, IT Koordinatoren (IT PM), Business-Analysten, IT-Analysten (Requirement Engineers) ab. Ergänzt wird das Team durch Entwickler von Kundenseite.

Weiterhin steht uns ein Business Requestor zur Seite, der ein Experte für die von der Bank angebotenen Prozesse und Produkte ist. Auch ein Systemanalytiker und ein Systemarchitekt ergänzen das Team von Kundenseite, denn die bestehenden Systeme in der Bank erfordern ein gründliches und sehr spezifisches Wissen.

Die Technologien – es lebe die Vielfalt

Das Projekt wird hauptsächlich mit der klassischen Wasserfall-Methode durchgeführt. Diese Projektmanagement-Methode passt am besten zu den Ressourcen und Prozessen der Bank. Wir verwenden auch einige Elemente agiler Tools. Es ist jedoch immer wichtig, die Methode den Gegebenheiten anzupassen – eine agile Organisation mit den nötigen Rollendefinitionen, der Reorganisation von Entwicklungs- und Testumgebungen ist nicht in jedem Projekt möglich. Der Projektmanager übernimmt die Aufgaben, die sich aus diesem Mix der Methoden ergeben.

Auch die technische Umgebung ist eine bunte Mischung älterer und neuer Technologien. Es gibt z. B. ältere Mainframe-Technologien sowie moderne Java-Ecosysteme mit mehrschichtiger Architektur, Serviceorientierung und flexiblen Web-Clients für die Front-Ends. Das macht das Projekt spannend und vielfältig.

Die Voraussetzungen – welche Fähigkeiten wichtig sind

Grundsätzlich ist es möglich, direkt von der Uni in solch ein Projekt einzusteigen. Erfahrungen mit IT-Projekten sind allerdings für die Arbeit als Projektmanager unabdingbar. Es wird erwartet, dass ein Projektleiter einen Zeitplan erstellen und das Projektbudget verwalten kann. Daher ist es wichtig zu wissen, wie die Arbeit in Arbeitspakete aufgeteilt und nach den verfügbaren Ressourcen geplant wird. Einige grundlegende Budgetplanungsfähigkeiten wie Budgetprognosen sind ebenfalls erforderlich. Darüber hinaus muss ein Projektmanager ein guter Kommunikator sein.

Ich werde oft gefragt, ob Programmierkenntnisse nötig sind, um die Aufgaben als Projektmanager erfüllen zu können. Es ist kein Muss, aber von Vorteil. Ich muss auch kein Experte in Banking oder dem Aufbau der Hardware- und Telekommunikationsinfrastruktur sein. Das wichtigste ist, dass genügend Projektmethodikwissen vorhanden ist.

Capgemini bietet im Vergleich zu anderen Unternehmen eine sehr gute Unterstützung durch die interne PM-Methodologie-Plattform. Sie wurde basierend auf den Industriestandards und den reichlich vorhandenen Erfahrungen entwickelt. Zusätzlich gibt es immer die PM-Community, die im Zweifelsfall unterstützen und Erfahrungen teilen kann.

Die Tipps – was Bewerber beachten sollten

Studenten würde ich empfehlen, ein Praktikum in einem IT-Projekt zu machen. Dabei lässt sich bereits viel lernen. Einige Universitäten bieten auch gemeinsame studentische Projekte in Kooperation mit Industriepartnern an. Berufsstartern hilft eine Projektmanagement-Zertifizierung. Hier würde ich die Industriestandard-Zertifizierungen wie Prince 2 oder (im späteren Verlauf der Karriere) die PMP (Project Management Professional) wählen. Für die selbstständige Vorbereitung ist darüber hinaus das PMBoK (Project management book of knowledge) sehr nützlich. Wer strukturiert denken sowie komplexe Konzepte verstehen und erklären kann, wird an den Aufgaben eines Projektmanagers viel Freude haben.

Über die Autorin:

Olga Kaminska studierte Banking und Informationssysteme und verband damit zwei große Interessengebiete. Nach fünf Jahren Tätigkeit für eine Bank wechselte sie zu einem internationalen Unternehmen für Technologieberatung. Seit Oktober 2017 arbeitet sie für Capgemini. In ihrer Freizeit lernt Olga gerne Fremdsprachen wie Englisch und Spanisch. Außerdem macht sie gern Extremsportarten wie Wakeboarding, Kite Surfing und Snowboarding.

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