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Update Buchhaltung: Hybride Software-Architekturen für Doppik

Jakob Boos
2019-03-08
Jakob Boos, Capgemini

Vor zehn Jahren begann bereits die kommunale Ebene ihre Buchführung umzustellen – von einer „kameralistischen“ auf die Doppik. Erstmals wurden auch auf behördlicher Seite bilanzielle Abschreibungen aufgeführt, Rückstellungen gebildet und Anlagenspiegel erstellt. Was in den Kommunen heute üblich ist, hat sich auf Bundes- und Länderebene noch nicht durchgesetzt. Zwar orientieren sich Rechnungswesen und Haushaltsvollzug der Länder in der Regel an der doppelten Buchführung. Das gilt jedoch nicht für die Haushalts- und Finanzplanung, die oft noch weiterhin kameral geführt wird. Beim Bund ist die Buchführung sogar nach wie vor durchgehend kameral.

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Doppik kommt spätestens mit EPSAS

Es ist damit zu rechnen, dass der europäische Rechnungslegungsstandard EPSAS (European Public Sector Accounting Standards) innerhalb der nächsten zehn Jahre kommt, womit die doppelte Buchführung auf Bundesebene zur Pflicht würde. Allerdings sind weniger als die Hälfte der IT-Landschaften der jeweiligen EU-Mitgliedstaaten dafür bereit. Deutschland steht im Vergleich der EU-Länder bei der EPSAS-Readiness auf dem vorletzten Platz. Dabei gibt es gute Gründe für die öffentliche Verwaltung, sich nun auf EPSAS vorzubereiten: Zum einen misst die schwarz-rote Bundesregierung Europa eine hohe Bedeutung bei und mit Finanzminister Olaf Scholz ist der ehemalige Erste Bürgermeister von Hamburg in der Verantwortung – ein Mann, der in der Hansestadt bereits die Doppik auf Landesebene eingeführt und zudem auf eine SAP HANA Datenbank umgestellt hat. Hinzu kommt, dass Modernisierungen in Bund und Ländern überfällig sind. Viele IT-Lösungen wurden teilweise individuell entwickelt oder basieren auf älteren ERP-Systemen wie SAP R/3, die nur noch bis 2025 von SAP gewartet werden, MACH oder ähnlichen Softwäre-Lösungen. Der komplexen IT-Landschaft fehlt es an der nötigen Flexibilität und Agilität, um der zunehmenden Dynamik in der Haushaltsplanung und -führung gerecht zu werden.

Mehr Dynamik: Mehrsäulenmodell plus Entwicklungs-Framework

Der erwähnten Dynamik in der Haushaltsplanung lässt sich mit einer Mehrsäulen-S/4HANA-Architektur begegnen, die standardisierte mit individuellen Lösungen verbindet. Wir setzen dabei auf eine stabile ERP-Standardlösung (SAP S/4HANA) und erweitern diese modular über unser Entwicklungs-Framework devonfw. Der SAP-S/4HANA-Standard wird nicht angetastet. Gleichzeitig ist es möglich, individuelle Säulen zu ergänzen. Ein Proof of Concept hat bereits gezeigt, dass auf Basis dieser Architektur die Release-Fähigkeit von SAP S/4HANA erhalten bleiben kann und dennoch eine hohe Individualisierung außerhalb des „digitalen Kerns“ SAP S/4HANA möglich ist, was insbesondere die Kosten für Pflege und Wartung gering hält. Weiterer Vorteil: Der Nutzer des Systems merkt nicht, wenn er zwischen Standard und Individualsoftware hin- und herwechselt, da sämtliche Funktionalitäten auf einer gemeinsamen SAP-Fiori-basierten Bedienoberfläche zu finden sind. Das Konzept wurde exemplarisch für die Haushalts- und Finanzplanung im öffentlichen Bereich entwickelt – jenen Bereich also, der auf Landesebene häufig noch kameral geführt wird.

Haushalts- und Finanzplanung in hybrider Struktur

Gerade in der Haushalts- und Finanzplanung sind in der Regel umfangreiche individuelle Erweiterungen nötig. Hier müssen Strukturen, Gruppierungen und Funktionen abgebildet werden, Einzelpläne der Ressorts verwaltet und eine „Rundenverwaltung“ gesteuert werden. Entwürfe aus dem Finanzministerium werden in einzelne Ressorts gegeben, dort angepasst und wieder zurückgespielt – so lange, bis es eine für alle verbindliche Planung gibt, die dann im Haushaltsgesetz mündet. Eine Haushaltsplanung beinhaltet also Haushaltsvermerke, Ermächtigungen für Zahlungsverpflichtungen (über Jahre), Erläuterungen und eine transparente Rundenverwaltung. Ein Standard kann diese vielen Spezifika nicht leisten, wohl aber unser Mehrsäulen-Ansatz.

Mehr zum Thema Software-Architektur finden Sie auf unserer Webseite: https://www.capgemini.com/de-de/service/architekturmanagement/

Ein  weiterer Beitrag zum Thema „SAP S/4HANA und Java-Individualentwicklungen nahtlos integrieren“ wurde unter dem Titel „Auf zu mehr Hybridität!“ im Java Magazin veröffentlicht. Der Artikel steht hier zum Download bereit.