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R&D Kollaboration und Partnerintegration: Risiko, Chance und Wettbewerbsvorteil zugleich

Udo Lange
31. Aug. 2020

Der Kollaborationsbedarf mit externen Partnern im Engineering ist mit den steigenden Anforderungen einer reduzierten Time-to-Market, sowie erhöhtem Kostendruck auf Unternehmen verbunden. Während fehlendes Know-How und Innovationen die Notwendigkeit zusätzlich antreiben, birgt die Kollaboration mit Partnern potentielle Risiken, welche methodisch und strukturiert bewältigt werden müssen. Gleichzeitig sind diese Risiken für Unternehmen aber auch eine Chance, sich im Vergleich zum Wettbewerb Vorteile zu verschaffen.

Einen Überblick über die bedeutendsten Risikogebiete haben wir nachfolgend zusammengefasst.

1. R&D Netzwerk-Transparenz

In der Produktentwicklung entstehen komplexe Netzwerke von Partnern und Beziehungen, welche schnell zu intransparenten Projektsituationen führen können. Insbesondere in Krisensituationen oder in „heißen“ Projektphasen muss im Partnernetzwerk jedoch konsequent gehandelt und entschieden werden.
Dafür sind zum einen klare Partner- bzw. Kollaborationsmodelle zu definieren, zum anderen aber auch eine tief ins Projektgeschehen reichende Governance- und Informationstransparenz zu etablieren.

Einschränkungen für die Zusammenarbeit durch Gesetze, Richtlinien und vertragliche Vereinbarungen müssen verstanden und gelöst werden.

  • Verträge – Arbeitsweisen befähigen
    Vertragsmodelle müssen die Zusammenarbeit im Engineering befähigen. Beispiel: In vielen Unternehmen werden agile Transformationen vorangetrieben, was zu gemischten Entwicklungsteams (OEM+Dienstleister) führen kann. Wir beobachten allerdings oft, dass die Vertragsmodelle dabei noch der „klassischen“ Welt entsprechen, wodurch die operative Arbeit verhindert wird (z.B. Festpreisverträge vs. Sprint-basierten Liefermodellen).
  • Compliance – End to End Prozesskonformität sicherstellen
    Anforderungen an die End-to-End Prozesskonformität und -nachvollziehbarkeit (z.B. A-SPICE und ISO 26262) rücken immer stärker in den Vordergrund und sind über alle beteiligten Parteien hinweg erforderlich. Die Durchgängigkeit muss entlang des Prozesses daher auch über Unternehmensgrenzen hinweg sichergestellt werden.
  • Intellectual Property (IP) im Netzwerk schützen
    In komplexen, mehrstufigen Engineering Netzwerken kann es vorkommen, dass ein Kunde oder ein Entwicklungspartner eines Unternehmens gleichzeitig im Wettbewerb zu einem der Lieferanten dieses Unternehmens steht. Der Überblick, welche IP an welche Partner weitergereicht werden kann, ist hierbei essentiell.
  • Legal – Export Kontrolle und Einstufungen von Daten
    Besonders im Militärbereich gelten strenge Einschränkungen für den Zugriff auf bestimmte Daten, welche teilweise personenbezogen greifen (z.B. US Export Control). Hierfür ist eine Klassifizierung aller produktbezogener Daten in Kombination mit einer Prüfung der Empfänger und Bearbeiter erforderlich.

3. Cyber-Security

Gekoppelt an die Digitalisierung ist Cyber-Security zu einem strategisch wichtigen Thema geworden, welche durch den Schutz der eigenen IP und den Anstieg von Angriffen getrieben wird.
Eine Zusammenarbeit mit Partnern bedeutet in den meisten Fällen einen externen Zugriff auf die Daten.

Cyber-Security muss unter Führung der IT-Security im Zusammenarbeitsmodell verankert und in den technischen Lösungen für die Kollaboration abgebildet werden.

Ueberblick-der-als-am-wichtigsten-wahrgenommenen-Cyber-Security-Risiken-1
Abbildung 1: Überblick der als am wichtigsten wahrgenommenen Cyber Security Risiken, Capgemini Invent

4. Kollaborationsaufwände

Um ein großes, flexibles Engineering-Netzwerk zu befähigen sind nicht-wertschöpfende Tätigkeiten, wie beispielsweise der Informationsaustausch, so weit wie möglich zu reduzieren. Zusätzlich ist eine schnelle Befähigung der Partner notwendig.

  • Aufwand für den Datenaustausch – Kompatibilität der Partner
    Die Kompatibilität der Datenmodelle und -qualität, in Kombination mit der Komplexität der ausgetauschten Daten, können schnell zu sehr großen Aufwänden bei der Synchronisation zwischen den Partnern führen. Regelmäßige Synchronisationen, wie z.B. am Ende eines Sprints, müssen mit geringen manuellen Aufwand realisierbar sein.
  • On- und Offboarding von Partnern – skalierbares Engineering
    Die Skalierbarkeit von Engineering-Kapazitäten wird immer wichtiger und Partner sind im Rahmen der Kollaboration effizient on- und offzuboarden. Zugriffe, Freischaltungen und Ramp-Ups sind schnell (einige Stunden bis wenige Tage) einzurichten und zu erledigen.

Diese Risiken in der Partnerintegration und Kollaboration werden schnell zu Herausforderungen. Daher sind End-to-End Konzepte, Prozesse, Organisationen und Systeme als Zusammenarbeitsmittel zu definieren und zu befähigen. Um die Risiken strukturiert und konstant zu bewerten und entsprechend anzugehen, ist außerdem eine Governance in Projekten und im operativen Betrieb zu etablieren. Mehr dazu finden Sie im folgenden Blogartikel.

Vielen Dank an die Co-Autoren Stefano Sirotti, Akram Attia und Christian Sterl.


[1] https://www.capgemini.com/de-de/wp-content/uploads/sites/5/2019/03/Information-Security-Benchmark-2019_web.pdf

Zu den anderen Blogs der Reihe

1) R&D Kollaboration und Partnerintegration: In- oder Outsourcing in volatilen Zeiten?
3) R&D Partnerintegration & Kollaboration: So operationalisieren Sie erfolgreich
4) R&D Partnerintegration und Kollaboration: Achten Sie auf die Erfolgsfaktoren
5) R&D Kollaboration und Partnerintegration: Getting Started

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