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Gemeinsam für mehr Transparenz in der digitalen Supply Chain

Tobias Obladen
2020-11-27

Wie kollaboratives Kapazitätsmanagement im Liefernetzwerk allen nutzt

In der digitalen (Auto-)Fabrik ermöglichen heutzutage cloudbasierte Kollaborationsplattformen allen Beteiligten einer Lieferkette die gemeinsame Übersicht über tagesaktuelle Lieferabrufe und Planbedarfe über den gesamten Planungshorizont hinweg. Geplante Produktionsbedarfe werden auf Materialnummern-Ebene bis zu zwei Jahre im Voraus über die Plattform bereitgestellt und mit den beim Lieferanten verfügbaren und geplanten Kapazitäten abgeglichen. Durch diesen automatischen, kontinuierlichen Abgleich der Daten wird ein unternehmensübergreifendes Frühwarnsystem etabliert, welches potenzielle Versorgungsengpässe erkennt. Alle Beteiligten können so rechtzeitig informiert und in die Lage versetzt werden, proaktiv Maßnahmen abzustimmen. Zusätzliche Funktionsumfänge (wie z.B. Vorproduktion, Auslastungsoptimierung, Lagerreichweiten- und OEE-Tracking) ermöglichen auch die gemeinsame Bearbeitung komplexerer Anwendungsfälle und schaffen weiteren Mehrwert für beide Seiten.

Diese Fähigkeiten sind gerade in der derzeitigen Corona-Krise, die durch viele Unsicherheiten, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung der Marktnachfrage und der Lieferantenkapazitäten geprägt ist, von entscheidender Bedeutung. Die aktive und effiziente Zusammenarbeit von Facheinkauf, Materialsteuerung und Kapazitätsplanung auf einer gemeinsamen Plattform mit Lieferanten ist der Schlüssel für ein reaktionsfähiges und adaptives Liefernetzwerk.

Collaborative Capacity Management_Capgemini Invent
Abbildung 1: Collaborative Capacity Management

Hohe Akzeptanz durch kollaborative Software-Entwicklung

Nur ungefähr ein Drittel der benötigten Daten im Zusammenhang mit den operativen Prozessen in der Lieferkette werden gemeinsam von den Partnern im Netzwerk genutzt [1]. Dies liegt insbesondere daran, dass die meisten der bisherigen Lösungen aus der Sicht des Hauptakteurs in der jeweiligen Lieferkette entwickelt wurden. Eine kollaborative Herangehensweise beim Design einer digitalen Lösung für die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit ist vor dem Hintergrund der Akzeptanz daher weit zielführender. Sie hilft die Lösung so zu gestalten, dass sie die Geschäftsmodelle aller teilnehmenden Partner unterstützt und klare Vorteile für alle Seiten bietet.

Um Vertrauen aufzubauen und zu gewährleisten, dass die unternehmensübergreifende Kollaborationsplattform von allen beteiligten Stakeholdern akzeptiert wird, bedarf es vor allem:

• Effektiver Kommunikation
• Transparenz über die Verwendung der Daten
• Sicherstellung hoher Datenqualität

Vor diesem Hintergrund ist es unerlässlich ausgewählte Pilotlieferanten von Beginn an eng in die Entwicklung der Plattform einzubinden. So werden neben den Anforderungen des Herstellers (OEM) auch explizit die Anforderungen der Lieferanten beim Design der Prozesse und der Software berücksichtigt, um die Praxistauglichkeit und den Nutzen für verschiedene Anwender zu maximieren.

Vorteile für den Lieferanten und OEM

Im Hinblick auf die effiziente Zusammenarbeit und die Reaktionsfähigkeit in Folge unvorhergesehener Einflüsse und Marktentwicklungen ist die enge, datenbasierte Kollaboration zwischen den Partnern im Wertschöpfungsnetzwerk ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, sowohl für OEMs als auch deren Lieferanten:

• Durch das frühe Erkennen potenzieller Kapazitätsengpässe werden Engpasskosten wie Sondertransporte und Prozesskosten vermieden sowie Teilemehrkosten beim OEM und beim Lieferanten reduziert.

• Die Auslastung von Maschinen, Fertigungslinien oder Transportkapazitäten kann bei auftretenden Bedarfsveränderungen zeitnah optimiert werden.

• Durch die frühe Berücksichtigung von Lieferantenkapazitäten im Programmplanungsprozess können planungsinduzierte Bedarfsschwankungen reduziert und die Qualität des Forecasts erhöht werden.

• Marktchancen im Sinne freier Kapazitäten können besser erkannt und konsequent genutzt und so die Kundenzufriedenheit insgesamt erhöht werden.

Lessons learned

Anpassungsfähigkeit und das Erkennen und Nutzen von Chancen in der Lieferkette sind in volatilen Zeiten da A und O. Um praxisfähige, digitale Lösungen zum Vorteil aller Partner zu entwickeln, braucht es neben performanter und benutzerfreundlicher Software vor allem Offenheit, Engagement und ein hohes Maß an Vertrauen zwischen Lieferanten und OEMs.

Durch die konsequente Einbindung aller Stakeholder in das Prozess- und Lösungsdesign übernehmen die späteren Anwender von Beginn an ein Stück der Verantwortung für die letzendlich umgesetzte Lösung. Konsequente Kommunikations- und Befähigungskonzepte unter Einsatz moderner Tools helfen Vorbehalte abzubauen, schaffen Transparenz über die Verwendung der Daten und stellen den gemeinsamen Nutzen für alle Beteiligten in den Vordergrund.

[1] Capgemini Research Institute, Digital Supply Chain Survey; April–May 2018

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