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Daten als Treibstoff digitaler Führung – wie führt man aus dem Datendschungel in eine informationszentrierte Organisation?

Susanne Katharina Ruff
22. Okt. 2020

Die datengetriebene Organisation als Wettbewerbsvorteil

Der Wunsch nach Stabilität zeigt sich besonders in volatilen und schnelllebigen Umgebungen. Informationen geben Sicherheit. Wir glauben, dass der Aufbau eines strategischen Informationsvorsprungs zukünftig eine der Kernaufgaben für jede wettbewerbsfähige Organisation sein wird. Die datengetriebene Organisation ermöglicht die Automatisierung von Prozessen und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Open Data Plattformen und Informations-Ökosystemen. So werden neue Produkte, Dienstleistungen und Marktsegmente erschlossen, Kundenerlebnis und -zufriedenheit verbessert und die Effizienz des operativen Betriebs gesteigert.

Jetzt ist es höchste Zeit, um mit Hilfe eines umfassenden Informationsmanagements, unterstützt von digitalen Technologien, eine datengetriebene Organisation aufzubauen. Die Entscheidung dazu fällt leicht, denn wer jetzt nicht startet, wird in 3-5 Jahren den Wettbewerb nicht mehr aufholen können [2].

Kultur als Treiber

Durch Verarbeitung von Informationen und Daten ermöglichen moderne Technologien den Wandel von intuitiver Entscheidungsfindung zu wissensbasierten Entschlüssen. Es ist aber die Kultur in Unternehmen, die den Unterschied macht und den Sprung zur datenorientierten Organisation ermöglicht. Der Wandel gelingt erst durch neue Denkweisen, Organisationsmodelle und Führungsstrukturen.

Führungskräfte müssen dafür nicht nur die technologischen, sondern auch die kulturellen Rahmenbedingungen schaffen, um eine datengetriebene Organisation erfolgreich zu etablieren und dem neuen Informationszeitalter gerecht zu werden. Um eine echte datengetriebene Kultur zu entwickeln und zu etablieren ist die Rolle des „Data Advocates“ von Führungskräften gefragt.

Was macht ein Data Advocate?

Als Data Advocate nutzen Führungskräfte aktiv den Wert von Informationen, um neue Geschäftspotentiale und Produktinnovationen für Kunden zu entwickeln. Kollaborative Arbeitsweisen und Netzwerke erleichtern die Sammlung und Nutzung von Daten. Zur Auswertung und Interpretation der Informationen sind analytische Kenntnisse und Fähigkeiten notwendig. Eine konsistente Datenstrategie zahlt in die strategischen Unternehmensziele ein.

Was aus unserer Sicht einen Data Advocate aber im Kern ausmacht, ist die Fähigkeit, Daten in umsetzbare Erkentnisse mit geschäftlichem Nutzen zu verwandeln, anstatt sich wie bisher von Intuition und Bauchgefühl leiten zu lassen.

Merkmale eines Data Advocates

Ein Data Advocate erkennt den hohen Stellenwert, den Daten in Zukunft einnehmen werden. Zur datenbasierten Entscheidungsfindung ist eine objektive und argumentierbare Sicht auf Situationen und Herausforderungen notwendig sowie die Fähigkeit, Daten zu interpretieren, ihnen zu vertrauen und sie zu teilen. Data Advocates wissen technische Tools und Analyse-Methoden für sich zu nutzen. Fähigkeiten wie kritisches Denken, analytische Neugier und Kenntnisse in einschlägigen Gebieten, wie beispielsweise der Datenvisualisierung, sind essentiell.

Sie treiben das Thema Datensicherheit und Compliance in ihrer Abteilung voran und stellen sicher, dass die Datenerhebung und -analyse unter ethischen Gesichtspunkten durchgeführt wird. Sie nutzen ihr Netzwerk und greifen auf die Expertise anderer Datenexperten zurück. Schließlich sind Führungskräfte gefragt, eine lernende Unternehmung aufzubauen. Es liegt an den Führungskräften eine Kultur aufzubauen, in der Mitarbeiter selbst Zugriff auf die Daten haben und technische Werkzeuge nutzen können – so erhalten Mitarbeiter Verantwortung und Unternehmen entwickeln sich weiter.

Diese Kernfähigkeiten müssen zielgerichtet entwickelt werden. Wir sehen dazu fünf Erfolgsfaktoren, die den Weg zum Data Advocate ebnen:

  • Schaffen Sie eine Analysekultur beginnend mit der Befähigung der Mitarbeiter
  • Bauen Sie ein Bewusstsein für den verantwortlichen Umgang mit Daten auf
  • Übernehmen Sie persönliche Verantwortung als Vorbild in Compliance-Fragen
  • Bauen Sie datenzentrierte Strukturen auf
  • Bleiben Sie neugierig und kritisch

Danke an die Co-Autorin Kathrin Lehner.

Dieser Blog erscheint im Rahmen unserer Blogreihe “Digital Leadership”. In den weiteren Artikeln beschäftigen wir uns mit folgenden Aspekten:

Blog 1: Die Krise als Katalysator eines authentischen Führungsmodells
Blog 2: Neue Normalität erfordert neue Führung – weibliche Führungskräfte als Vorreiterinnen für eine stärkenorientierte Unternehmenskultur
Blog 3: Jeder kennt jeden – wen kennen Sie? Was Führungskräfte von Influencern lernen können.
Blog 4: Das „Sthira Sukha Asana“ Prinzip – Führung als Balance zwischen Vision geben und Eigenverantwortung fördern.
Blog 5: Warum Führungskräfte im agilen Kontext nicht mehr benötigt werden – oder doch?
Blog 6: Führung wie im Start-Up: Was können Führungskräfte in Organisationen von Gründern lernen?

[1] Definition VUCA = Akronym für die englischen Begriffe volatility (=Volatilität), uncertainty (=Unsicherheit), complexity (=Komplexität) und ambiguity (=Mehrdeutigkeit).

[2] Harvard Business Review, https://hbr.org/2019/02/companies-are-failing-in-their-efforts-to-become-data-driven, abgerufen am 19.10.2020

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