Studie zu Lebensmittel-verschwendung: Der Einzelhandel kann sich Nichts-Tun nicht leisten

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Fast 12 Mio. Tonnen Lebensmittelabfälle landen jedes Jahr in Deutschland im Müll. Technologie hilft Einzelhändlern, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren – davon profitiert die Umwelt ebenso wie die Unternehmen selbst.

Es ist keine grundsätzlich neue Erkenntnis, dass wir zu viele Lebensmittel wegwerfen, trotzdem ist die Zahl schwer vorstellbar: Laut Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) landen in Deutschland jedes Jahr bis zu 12 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, mehr als die Hälfte davon in Privathaushalten. Und auch im Einzelhandel wird immer noch eine halbe Million Tonnen Lebensmittel weggeworfen. In Zeiten von fragilen Lieferketten, hoher Umweltbelastung und steigenden Lebensmittelpreisen wird das Thema umso dringlicher: Können und wollen wir uns das noch leisten?

Verbraucher haben hohe Erwartungen – an sich selbst und an Unternehmen

Kein Wunder, dass auch das Problembewusstsein für Lebensmittelverschwendung bei Verbrauchern wächst: Knapp drei von vier machen sich darüber Gedanken, wie viele Lebensmittel in ihrem Haushalt weggeworfen werden. Das zeigt unsere neue Studie aus dem Capgemini Research Institute. Und Verbraucher nehmen auch zunehmend den Handel und Lebensmittelhersteller in die Pflicht: Zwei Drittel wünschen sich, dass Marken, Händler und Supermärkte mehr tun, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Bei diesen Unternehmen würden sogar gut jeder Zweite mehr Geld ausgeben.

Technologie schafft Abhilfe: Lebensmittelverschwendung als massiver Kostenpunkt

Um sich die Loyalität ihrer Kunden zu sichern, müssen Einzelhändler jetzt aktiv werden. Dabei geht es aber nicht nur um ein Reputationsplus. Maßnahmen gegen Verschwendung, die unter anderem mithilfe von intelligenten Technologien umgesetzt werden, bieten für Unternehmen ganz konkrete wirtschaftliche Vorteile. Denn die Kosten von Verschwendung sind hoch, zeigt unsere Studie: Für Einzelhändler machen sie im Durchschnitt fast 6 Prozent ihres Gesamtumsatzes aus. Für die Discounter in Deutschland wären das beispielweise mehr als 1,5 Milliarden Euro Kosten pro Jahr, die eingespart werden könnten.

Wer in Maßnahmen investiert, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, handelt also ganz klar wirtschaftlich und geschäftsfördernd. Intelligente Lösungen können dabei unterstützen, indem sie beispielsweise genaue Bedarfs-, Umsatz- und Budgetprognosen errechnen, und die Einkaufplanung optimieren, wodurch Händler ihre Gewinnmargen erhöhen können. Das zeigt Wirkung: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen nannte die Kostenreduktion als wichtigsten Vorteil ihrer Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung.

CSR: Unternehmerische Verantwortung für Klimaschutz

Die Verantwortung von Unternehmen endet aber nicht am Tellerrand ihrer Kosten-Nutzen-Rechnung. Sie umfasst auch Verantwortung gegenüber ihren Kunden, der Gesellschaft und dem Planeten, der die Güter liefert. Lebensmittelverluste und -abfälle sind für etwa acht Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Damit sind sie der drittgrößte „Emittent“ weltweit, nach den USA und China.

Wenn sie im eigenen Betrieb und branchenübergreifend darauf hinarbeiten, Verschwendung zu reduzieren und Ressourcen zu schonen, können Unternehmen erheblich dazu beitragen die Umwelt zu schützen. Entsprechend ist es für 90 Prozent der Initiativen in der Lebensmittelbranche das wichtigste Ziel, sich für Klimaschutz zu engagieren und natürliche Ressourcen zu erhalten.

Lebensmittelbranche muss ihre Chance für nachhaltigeres Handeln wahrnehmen

Werden weniger Lebensmittel weggeworfen, profitieren also alle davon: Umwelt, Verbraucher und Unternehmen. In einer solche „Win-Win-Win“-Situation kann es sich kein Einzelhändler leisten, untätig zu bleiben. Allerdings: So sehr sich das Problembewusstsein beim Verbraucher bereits durchgesetzt hat, haben Unternehmen hier noch Nachholbedarf: Zwei Drittel der befragten Führungskräfte gaben an, dass andere Themen derzeit für das Management und Investoren höhere Priorität haben.

Angesichts der Dringlichkeit des Problems und des klar positiven wirtschaftlichen Effekts für Unternehmen, die Maßnahmen gegen Verschwendung einsetzen, darf es dabei nicht bleiben. Jetzt bietet sich die Chance, Prozesse zukunftsfähig aufzustellen und gemeinsam mit Partnern einen tiefgreifenden Wandel in der Branche einzuleiten.

Im Einzelhandel gibt es bereits gute Initiativen, um Lebensmittelabfälle im eigenen Betrieb zu minimieren. Händler müssen aber auch mehr Verantwortung dafür übernehmen, was entlang ihrer Lieferkette geschieht – sowohl bei Lieferanten und in der Logistik als auch beim Verbraucher. Ein wichtiger Schritt dazu ist, ihre Kunden besser zu informieren und aufzuklären, so dass Verschwendung in Privathaushalten reduziert wird – wo sie, wie die Zahlen des BMEL zeigen, derzeit noch das größte Problem darstellt. Gleichzeitig gibt das dem Handel eine Möglichkeit, Verbraucher über die eigenen Maßnahmen zu informieren – und damit idealerweise noch die Markenbindung zu stärken.

Mehr zu diesem Thema gibt es auch in unserer aktuellen Studie „Why food waste is everybody’s problem“ oder lassen Sie uns diskutieren, z. B. auf LinkedIn.

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