Vertrauen durch Regulierung: Warum der NFT Markt effiziente Geldwäsche-Compliance-Prozesse benötigt

Publish date:

Non-fungible Tokens (NFTs) erfuhren in den vergangenen Monaten einen regelrechten Hype und sind medial sehr präsent. Regelmäßig gibt es neue Berichte über Menschen, die durch den Handel mit NFTs sehr schnell zu viel Geld gekommen sind. Jedoch stellt sich mit der zunehmenden Beliebtheit von NFTs die Frage, wie sie sich von herkömmlichen (regulierten) Handels- und Anlageformen unterscheiden und welche Regularien bezüglich Geldwäsche für sie gelten sollten.

Was sind NFTs?

2021 startete der Hype um Non-fungible Tokens (NFTs), welche für Millionenwerte auf digitalen Plattformen den Besitzer wechselten. NFTs sind digital geschützte, nicht-teilbare Objekte auf der Blockchain. Gängige Beispiele für NFTs sind Kunstwerke, Sammelkarten und Musikstücke. Der weltweite NFT-Marktwert beläuft sich aktuell auf ca. 16 Mrd. € und soll bis 2026 einen Anstieg auf 175 Mrd. € verzeichnen[1]. Ein NFT besteht selbst aus zwei Teilen: Zum einen aus einem Kunstwerk, oft in Form einer JPEG-Datei, welche auf einem zentralen Server gespeichert wird. Zum anderen aus einem Smart Contract, ein auf der Blockchain gespeicherter, sich selbst ausführender Vertrag, welcher das digitale Objekt eindeutig identifiziert. Der Smart Contract kann von jedem eingesehen und die Transaktionshistorie bis zur Erstellung des NFTs zurückverfolgt werden.

NFT-Geldwäschetätigkeit noch sehr gering

Der Trend in NFTs zu investieren ist ungebrochen. Der Datendienstleister Chainanalysis schätzt den Umsatz in 2021 auf ca. 44 Mrd. $[2]. Damit steigt das Risiko der Geldwäsche, da sanktionierte Parteien Kryptowährungen ohne Umstände auf Marktplätzen in NFTs umwandeln können. Obwohl das aktuell nur einen Bruchteil des Gesamtumsatzes betrifft, sind die Compliance Risiken hier nicht zu vernachlässigen. Diesen Trend gilt es von Regulierungsbehörden, Anbietern und Strafverfolgungsbehörden Einhalt zu gebieten.

Ist mehr Regulierung für den NFT-Markt sinnvoll?

Ein Alleinstellungsmerkmal der Kryptowelt gegenüber der etablierten Finanzwelt ist die bisherige Abwesenheit von Regularien und deren Institutionen. Es wird dabei auf ein anarchisches System gesetzt, welches durch selbstregulierende Mechanismen (Blockchain) Vertrauen bei den Marktteilnehmern schaffen soll. Doch auch hier scheint sich das Blatt zu wenden. Unternehmen aus der Kryptowelt erkennen zunehmend den Vorteil der Regulierung.

Mit der Einführung der Kryptoverwahrlizenz durch die BaFin zum 01.01.2020 ist Deutschland in einer Vorreiterrolle beim Thema Kryptoregulierung. Ausschlaggebend hierfür war die Änderung der vierten EU-Geldwäscherichtlinie, um Geldwäsche mit Kryptowährungen zu verhindern. Entgegen den Erwartungen international als überregulierter Markt wahrgenommen zu werden, haben etablierte Anbieter wie Coinbase bereits eine Lizenz erhalten. Auch die Commerzbank befindet sich bereits mit 24 weiteren Instituten im Beantragungsprozess.

Da der Handel von NFTs vorwiegend mit Kryptowährungen bezahlt wird und damit den Käufern und Verkäufern eine hohe Anonymität bietet, entsteht erhöhtes Risiko für Geldwäsche durch kriminelle Vereinigungen. Durch die Einführung entsprechender Risikoanalyseverfahren auf den Plattformen, kombiniert mit den bereits etablierten Identitätsprüfungsverfahren, (Know Your Customer Prüfprozessen) können Marktteilnehmer identifiziert werden.

Der NFT Markt wird nur dann langfristig erfolgreich sein, wenn Kunden in einem sicheren und regulierten Umfeld handeln können

Um das Vertrauen der Kunden in den Handel mit NFTs weiter zu stärken, ist die Einführung von effizienteren und länderübergreifenden Compliance-Prozessen erforderlich. Ein zentrales Kriterium zur Genehmigung einer Kryptoverwahrlizenz sind hierbei geldwäscherechtliche Präventionsmaßnahmen. Hierzu gehören im speziellen Maßnahmen zur Identifikation und Informationsspeicherung der beteiligten Parteien. Das erfordert technische und prozessuale Anpassungen, die mit der Einführung von Blockchain Analyse Tools umgesetzt werden können. Bereits Ende 2022 ist die Einführung der Markets-in-Crypto-Assets-Regulierung (MiCA) geplant, die in der europäischen Union einen einheitlichen Rechtsrahmen zum Handel von Crypto Assets schaffen soll[3].

Falls Sie weitere Informationen zum Thema Crypto-Compliance erhalten möchten, sprechen Sie uns gerne an.

 

Herzlichen Dank an die Co-Autoren Crispijn Groeneveld und Fabian Weidner.

 

[1] Safe: Der vollständige Report der NFT-Statistiken für 2022 (11.05.2022) https://hellosafe.ch/de/newsroom/report-2022-statistik-nft#:~:text=Der%20weltweite%20Wert%20des%20NFT,000%20Millionen%20Euro%2FSchweizer%20Franken[24.05.22]

[2] CHAINALYSIS Team: Crime and NFTs: Chainalysis Detects Significant Wash Trading and Some NFT Money Laundering In this Emerging Asset Class (02.02.2022) https://blog.chainalysis.com/reports/2022-crypto-crime-report-preview-nft-wash-trading-money-laundering/ [24.05.22]

[3] J. Kerkmann: MiCA: EU verordnet Regulierung des Kryptomarktes (29.09.2020) https://blockchainwelt.de/mica-eu/ [24.05.22]

Weitere Posts

Studie zu Lebensmittel-verschwendung: Der Einzelhandel kann sich Nichts-Tun nicht leisten

Martin Arnoldy
Date icon Juli 4, 2022

Fast 12 Mio. Tonnen Lebensmittelabfälle landen jedes Jahr in Deutschland im Müll. Technologie...

Datenmonetarisierung für intelligente Produkte und Services

Dr. Leonardo Weiss Ferreira Chaves
Date icon Juli 1, 2022

Intelligente Produkte und Services generieren einen Schatz vielseitiger Daten, idealerweise...