Kreislaufwirtschaft: Unternehmen unter Zugzwang

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Nachhaltige Geschäftsmodelle, in denen Recycling und Abfallreduktion zentrale Rolle spielen, werden für Handels- und Konsumgüterunternehmen immer mehr zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Wie die Studie „Circular Economy for a sustainable future“ zeigt, fordern Konsumenten von Unternehmen Verantwortung über den gesamten Produktzyklus ein – von der Beschaffung über die Herstellung und den Verkauf bis zum Recycling.

Eigentlich sind die Kunden recht gut informiert darüber, wo es in der Kreislaufwirtschaft von Unternehmen krankt: Dass ein Drittel der hergestellten Nahrungsmittel weggeschmissen werden, Verpackungen für 50 Prozent des weltweiten Mülls verantwortlich sind, 85 Prozent der Kleidung im Abfall landen und nicht mal 20 Prozent der elektronischen Produkte gesammelt und recycelt werden. Global gesehen sind Konsumenten Kreislauf-bewusst und haben vor dem Kauf eines Produktes dessen gesamten Lebenszyklus im Blick. Die Mehrheit der über 8.000 weltweit befragten Konsumenten in der Studie gibt an, langlebige Artikel zu kaufen, Produkte zu warten und zu reparieren, um sie länger nutzen zu können und sie zu verschenken oder zu verkaufen, damit sie nicht weggeworfen werden müssen.

Nachhaltigkeit wollen, aber geeignete Produkte nicht kaufen: Mangelnde Transparenz ist die Hauptursache für die Widersprüchlichkeit der Kunden

Das bedeutet allerdings nicht, dass in der Praxis auch entsprechend verantwortungsvoll gehandelt wird. Sobald Produkte mehr kosten oder nicht mehr so bequem zu nutzen sind, spielt die Nachhaltigkeit schnell eine untergeordnete Rolle. Wie die Studie zeigt, ist es letztlich nur für wenige Kunden (31%) im Laden wichtig, dass die Produkte repariert werden können. Wenn sie kaputt gehen, werden sie nur selten repariert (35%) oder zuletzt in ein Recyclingcenter gebracht (37%). Der entscheidende Grund für die Widersprüchlichkeit der Kunden, zwar nachhaltige Produkte zu propagieren, aber nicht zu kaufen, liegt jedoch darin, dass der Konsument oft zu wenig über das Produkt weiß. Wenn es zusätzliche, nachvollziehbare und transparente Informationen über das Produkt direkt im Geschäft gibt, entscheidet sich der Kunde vielleicht im Supermarkt nicht mehr für die günstigste Orange, sondern die zweit- oder drittgünstigste, die allerdings nachweislich nachhaltiger angebaut und geliefert wurde.

Schlüsselfaktoren Informationen und Transparenz

Gerade an der transparenten Information über die gesamte Lieferkette hinweg mangelt es aktuell noch oft. So sind beispielsweise Dateiformate oft nicht standardisiert. Angenommen, ein Einzelhändler bezieht Obst von einem Bauern aus Südamerika, der sie weiter gibt an einen Großhändler, bevor die Ware verschifft, an einen Spediteur übergeben und zuletzt in die Filiale geliefert wird. Sind die Formate der Partner in der Lieferkette nicht identisch, entsteht hier ein erheblicher Mehraufwand. Dabei gibt es bereits technologische Lösungen – etwa RFID-Chips, die mit einer Blockchain verbunden werden. Noch rechnet sich der Einsatz von RFID „nur“ für teurere Produkte. Für Joghurtbecher etwa würde sich die Technologie aktuell noch nicht eignen. Fehlende Informationen sind der wichtigste Grund, weshalb Konsumenten sich manchmal doch nicht für ein nachhaltigeres Produkt entscheiden. Fakten etwa über den Ressourcenverbrauch bei Herstellung des Produktes und deren Recycling-Fähigkeit wünschen sich ca. zwei Drittel der Konsumenten, nur ein Drittel bekommt sie aktuell.

Hausaufgaben und die Strategie der kleinen Schritte

Klar ist, dass der Konsument aktuell in seinem Wunsch oft eher behindert als motiviert wird, nachhaltige Produkte zu kaufen. Die Hausaufgaben, die Konsumenten Unternehmen mitgeben, sind den Studienergebnissen zu entnehmen: Die Bewerbung von Produkten maßvoll (und nicht auf übermäßigen Konsum) anlegen, Produkte anbieten, die langlebig sind, sich reparieren und recyceln lassen und dabei auch noch bezahlbar sind und für die die Unternehmen auch nach deren Gebrauch Verantwortung übernehmen. Auf diese Anforderungen gibt es nicht die eine große Antwort. Es gibt nicht die eine große Technologie oder Idee. Viele einzelne Bausteine sind nötig – und meistens spielt die IT eine entscheidende Rolle. Deshalb bieten wir Unternehmen in einem 8-Wochen-Programm, dem ESG-Maturity-Assessment, die Möglichkeit, ihren aktuellen ökologischen Status zu ermitteln und auf das große Ganze zu schauen. Bewertet wird dabei letztlich das Bewusstsein des Unternehmens für soziale und ökologische Faktoren. Wir definieren zusammen mit Unternehmen konkrete KPIs und finden heraus, welche kleinen Schritte schnelle Erfolge versprechen (low hanging fruits) und worin besonders hohe Potenziale stecken.

Kreislaufwirtschaft: Schlüsselrolle der IT

Gerade von informationstechnischer Seite lassen sich diese KPIs beeinflussen. Ob es um eine transparente Lieferkette, ein Gebäudemanagement, das über künstliche Intelligenz die Energie effizienter nutzt, die Sicherung von Daten und Qualität oder ein Cloud-basiertes Dashboard geht, auf dem die CO2-Emissionen von Produkten visualisiert werden: Immer spielt die IT eine Schlüsselrolle. Auf der anderen Seite spielt die „Erziehung“ des Konsumenten durch mehr Informationen über das Produkt eine wichtige Rolle. Manchmal wirkt es zugegebenermaßen wie die Quadratur des Kreises: Produkte entwickeln, die bequem und gleichzeitig nachhaltig sind. Sich damit intensiv zu beschäftigen, wird in den Unternehmen dennoch zum Alltag werden müssen.

Hier geht es zur Studie „Circular Economy for a sustainable future” von Capgemini.

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