Geschäftsjahresplanung: Die aktuelle Herausforderung der Automobilzulieferindustrie

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Corona-Krise, Halbleitermangel und explodierende Rohstoffpreise – selten war die Planbarkeit des neuen Geschäftsjahres für Automobilhersteller und Zulieferer so schwierig. Mehr denn je, kommt es für sie darauf an, die Digitalisierung voranzutreiben. Cloud-Technologien können dazu beitragen, in diesem unsicheren Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben.

Teil 1: Geschäftsjahresplanung: Die aktuelle Herausforderung der Automobilzulieferindustrie

Teil 2: Prozessoptimierung: So nutzen Sie die Chancen Ihrer S/4HANA-Migration

Teil 3: Mit Process Discovery for S/4HANA in die SAP Cloud – Ein Beispiel aus der Automobilindustrie

Jahrzehnte profitierte die Zulieferindustrie in der Serienfertigung von verlässlichen Abnahmezusagen der Automobilhersteller. Gleichbleibend hohe Qualität gepaart mit neuer Innovationskraft und Liefertreue waren feste und häufig selbst beeinflussbare Erfolgsfaktoren. Diese Planbarkeit ist einer Ungewissheit gewichen: Neue Trends wie Nachhaltigkeit, Mobilität der Zukunft oder veränderte Kundenwünsche sind heute schwieriger vorherzusehen und unterliegen starken Schwankungen. Sie erfordern eine noch nie dagewesene Flexibilität bei den Herstellern (OEMs) und der gesamten Zulieferbranche. Die heutigen Erfolgsfaktoren sind Reaktionsgeschwindigkeit, kurze Entscheidungswege und höhere Risikobereitschaft. Risikobereitschaft für neue Wege und neue Geschäftsmodelle – Themen, mit denen sich viele der traditionellen Zulieferbetriebe noch sehr schwertun.

Die Automobilindustrie wandelt sich

Die Automobilindustrie stand für eine konkrete Planbarkeit über mehrere Monate im Voraus in einem sehr stabilen, verlässlichen und wachsenden Markt.

Die Tatsache, dass der Bedarf an Verbrennungsmotoren abnehmen wird, kommt nicht überraschend und beschäftigt die Branche seit vielen Jahren. Jedes Unternehmen hat hier seinen eigenen Weg eingeschlagen. Die Automobilzulieferer mussten je nach Produktpalette und Grad der Abhängigkeit vom Verbrenner individuell reagieren. Einige befinden sich seit über zehn Jahren in der Transformation, um unabhängiger vom Automobilhersteller und vom Verbrennungsmotor zu werden. Dies sorgt für hohe Anstrengungen, Nervosität und bei vielen für knappe Kassen auf Grund von Investitionen, die einer Wette auf die Zukunft gleichen.

Neue Einflussfaktoren mitten in der Transformation

Genau jetzt, in der langfristig angelegten Transformationsphase hin zu neuen Produkten, Zielmärkten und Serviceangeboten, die mit viel Aufwand und hohen Investitionen verbunden sind, sind OEMs aufgrund eines weltweiten Halbleitermangels mit kurzfristigen und unvorhersehbaren Produktionsstopps konfrontiert. Ein fehlendes Zulieferteil kann dabei zu Produktionsproblemen führen. Dies ist eine Situation, die es so noch nie gab und die bei allen Zulieferbetrieben zu Umsatzverlusten führte. Ein weiterer Faktor ist der in dieser Höhe von niemandem erwartete Kostenanstieg bei den Rohstoffen und Zukaufteilen.

Der eine oder andere Zulieferer in Deutschland war Mitte des Jahres noch zuversichtlich. Die ausgebliebenen Abrufe der OEMs im zweiten Halbjahr sowie die Kostenexplosion der Rohstoffe sorgten aber vielerorts für ein Nichterreichen der gesteckten betriebswirtschaftlichen Ziele.

Eine weitere Veränderung bringt das Thema Nachhaltigkeit mit sich, das immer stärker im Fokus steht. Bei vielen Unternehmen ist es bereits zur Chefsache erklärt und fest in den Unternehmenswerten verankert. Kunden und Endverbraucher, aber auch Investoren achten mittlerweile auf die Aktivitäten zum Thema Klimaschutz. Das neue Bewusstsein im Umgang mit natürlichen Ressourcen bringt neue Herausforderungen mit sich, die ebenfalls keinen Aufschub erlauben.

Rückbesinnung auf die eigenen Stärken

Gerade und wegen der vielen neuen Herausforderungen und der neuen Dynamik am Markt ist es für die Automobilzulieferindustrie wichtig, sich immer wieder über die eigenen Stärken und ihr Alleinstellungsmerkmal bewusst zu sein und diese wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Es gibt Gründe, warum Tesla sein europäisches Produktionswerk im Hochlohnland Deutschland baut und nicht an günstigeren Standorten. Ein gutes, funktionierendes Einzelstück zu bauen, gelingt vielen Startups und Neueinsteigern. Die Herausforderungen beginnen dann, wenn es um die Beherrschung der Variantenvielfalt bei hohen Stückzahlen geht. Diese Komplexität zu meistern, gelingt nur wenigen. Der deutschen Automobilindustrie ist es durch eine jahrelange, kontinuierliche Verbesserung des Zusammenspiels zwischen OEM und Zulieferern mit Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Prozessen gelungen, auftragsbezogene, kundenindividuelle Autoträume pünktlich und in gleichbleibend hoher Qualität zu erfüllen, ohne dass es die produzierte Stückzahl pro Tag negativ beeinflusst.

Die hohe Stabilität der Lieferkette durch einen hohen Automatisierungsgrad, die ständige Verbesserung und Optimierung der Logistik- und Produktionsprozesse zwischen OEMs und Suppliern sind verantwortlich für den Standortvorteil Deutschland. Noch haben wir hier einen Vorsprung, es wird aber immer schwieriger diesen zu halten.

Auf die richtigen Schwerpunkte bei der Digitalisierung kommt es an

Fast jeder Fachbereich innerhalb eines Unternehmens meldet dringenden Digitalisierungsbedarf an. Doch wo setzt ein Unternehmen die verfügbaren IT-Fachkräfte richtig ein, um das Unternehmen bestmöglich auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten? Das traditionelle Aufgabengebiet vieler IT-Abteilungen, die Verfügbarkeit und Aktualisierung der internen Systems sicherzustellen, ist längst überholt. Business Effizienz und Beteiligung der IT an der Digitalisierung und Entwicklung des zukünftigen Angebots- und Produktportfolios ist das Gebot der Stunde. Künstliche Intelligenz und Data Analytics sind längst Teil der meisten Produkte. Hier können eigene IT-Experten einen wertvollen Betrag für die zukünftigen Ausrichtung des eigenen Unternehmens und zum zukünftigen Unternehmenserfolg leisten.

Die Effizienzsteigerung von intern genutzten IT-Systemen, die Sicherstellung der Verfügbarkeit und Systemaktualisierung werden durch die Möglichkeiten der Cloud Technologie ganz neu geschrieben. Cloud-basierte Systeme im Software-as-a-Service Modell, mit vorgedachten und vorkonfigurierten, branchenspezifischen Geschäftsprozessen bieten hier schnelle und skalierbare Lösungen, die kurzfristig an neue Marktsituationen angepasst beziehungsweise aktiviert werden können. Die von SAP und Capgemini gemeinsam entwickelte SAP S/4HANA Cloud für Automobilzulieferer ist hier eine Möglichkeit, die Zulieferer heute haben, um mit der eigenen IT zurück zum Standard und in die Cloud zu kommen. Damit können sich die wenigen eigenen IT-Fachleute noch stärker mit der Produktweiterentwicklung und neuen Geschäftsmodellen des eigenen Unternehmens beschäftigen. Der gezielte und richtige Einsatz von Ressourcen bei kontinuierlicher Steigerung der Effizienz bleibt der wesentliche Wettbewerbsvorteil in Deutschland. Mit den richtigen IT-Entscheidungen und Nutzung der Cloud Möglichkeiten ist dies auch zukünftig machbar.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit Cloud Anwendungen gemacht und damit bereits Verbesserungen realisiert? Teilen Sie die Meinung, dass durch die Nutzung von Software-as-a-Service Public Cloud Lösungen bei betriebswirtschaftlicher Standardsoftware zu einer Fokussierung auf die Digitalisierung der eigenen Produktpalette führt?

Schreiben Sie uns doch einfach! Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.

Weitere interessante und informative Beiträge darüber, was die Zuliefererbranche bewegt und welche Trends sowie strategischen Optionen entscheidend für eine erfolgreiche Transformation sind, finden Sie auf dem Automotive Supplier HUB+. Schauen Sie gern einmal hinein.

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