IT-Trends 2021: Welche Prioritäten für Automobilunternehmen nun wichtig sind

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Die Folgen der Corona-Pandemie sind auch an der Automobilindustrie nicht spurlos vorbeigegangen, dennoch ist sie bislang besser durch die Krise gekommen als einige andere Branchen. Welche Prioritäten sie im zweiten Corona-Jahr setzt, zeigen die Ergebnisse der IT-Trends-Studie 2021.

Ralf Blessmann, Capgemini

Das wichtigste Ziel für die Automobilbranche ist in diesem Jahr der Ausbau der Digitalisierung. Die entsprechenden Projekte werden die befragten Hersteller und Zulieferer allerdings mit demselben IT-Budget stemmen müssen wie im Vorjahr. Denn die meisten Vertreter der Branche erwarten, dass die Budgets erst 2022 wieder steigen. Mit dieser Prognose schließen sie sich den Führungskräften der meisten anderen für die Studie analysierten Branchen an. An der diesjährigen Befragung nahmen 144 Führungskräfte aus IT und Business teil, die Automobilindustrie war mit einem Anteil von 16 Prozent vertreten.

Wollen die befragten Entscheider die Digitalisierung dennoch weiter ausbauen, müssen sie an anderer Stelle Ausgaben reduzieren. Dementsprechend hat fast die Hälfte der Befragten aus der Automobilindustrie in diesem Jahr die Vorgabe, Kosten zu senken. Viele Führungskräfte sollen außerdem die Informationsauswertung und -nutzung verbessern und sich stärker an den Bedürfnissen der Endkunden ausrichten.

Direktvertrieb gewinnt an Bedeutung

Beide Themen sind wichtig für den Direktvertrieb. Er erlaubt Herstellern, alle Prozesse selbst zu steuern. Außerdem erhalten sie Zugang zu den Kundendaten und könnten gemäß Kundenwunsch nach und nach digitale Services zentral im Web implementieren und ausrollen. Mithilfe digitaler Showrooms sowie Leasing- und Finanzierungsangeboten ließe sich der Bestellprozess deutlich vereinfachen und verkürzen, aber auch neue Produkte und Services wie zubuchbare Motorleistung oder Unterhaltungsangebote einfacher umsetzen.

Der Direktvertrieb stand schon vor der Pandemie auf der Agenda der Automobilindustrie, gewann aber im Zuge von Kontaktbeschränkungen an Bedeutung. Sein Anteil am Absatz stieg in den letzten Monaten in einigen Regionen stark an. Kunden, die normalerweise beim Händler kaufen, nutzten verstärkt auch digitale Angebote und sorgten dafür, dass das Geschäft weiterlief.

Im deutschsprachigen Raum steht der Direktvertrieb vieler Hersteller aber noch am Anfang. Erfolgreich beim Aufbau dieses Vertriebsmodells ist unserer Studie zufolge nach eigener Einschätzung derzeit knapp jeder Fünfte. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind ihrer Meinung nach Kundendaten und eine digitale Kundenplattform. Darüber hinaus sind Händlervertriebe und -verbände sehr wichtig, die den Direktvertrieb erlauben. Die Incentivierung der Händler, die diese Zustimmung erhöhen könnte, spielt aber eine deutlich geringere Rolle. Am wenigsten Bedeutung hat derzeit die Entwicklung einer Phygitalstrategie, also einer Strategie für die Verbindung von On- und Offline-Welt. Denn OEMs und Händler fangen gerade erst an, die verschiedenen Vertriebskanäle zu integrieren und umzustellen, zum Beispiel mithilfe von Agenturmodellen. Langfristig werden aber beide Seiten profitieren.

Breite Nutzung intelligenter Technologien

Welche weiteren Trends spielen für die Automobilbranche eine Rolle? Unsere Studie zeigt, dass sie stärker als der Durchschnitt der Befragten aller Branchen auf den Einsatz intelligenter Technologien wie Machine Learning, Predictive Analytics und Bilderkennung setzt. Bevorzugt werden Einsatzszenarien wie die Automatisierung manueller Arbeiten, die Datenanalyse und die Erkennung von Anomalien im Tagesgeschäft. Die Automobilbranche nutzt intelligente Technologien aber auch für andere Zwecke wie zum Beispiel für die Erhöhung der Qualität, die Personalisierung von Services oder Empfehlungssystemen und ist damit breiter aufgestellt als der Durchschnitt der Unternehmen, die sich in erster Linie auf die Automatisierung manueller Tätigkeiten konzentrieren. Während diese ihren Erfolg im Vergleich zum Vorjahr geringer einschätzen, ist die Automobilbranche weiterhin optimistisch.

Es gibt auch kaum Studienteilnehmende aus ihren Reihen, die sich derzeit nicht mit intelligenten Technologien beschäftigen. Diese wenigen geben an, dass sie zu wenig Budget hätten, das Change-Management fehle und das Management die Transformation zu wenig unterstütze.

Unterm Strich hat sich im Jahr 2020 der Einsatz intelligenter Technologien bei OEMs und Zulieferern allerdings wenig verändert. Das ist einerseits positiv, denn offenbar wurden Projekte nicht in größerem Umfang gestoppt, andererseits negativ, denn sie haben ihre Vorhaben auch nicht nennenswert ausgebaut. Es liegt nahe, dass Unternehmen abwarten, wie sich die wirtschaftliche Situation in den kommenden Monaten entwickeln wird, um sich dann mit höherer Planungssicherheit neue Ziele zu stecken.

Weitere spannende Ergebnisse finden Sie in der IT-Trends-Studie 2021. Hier können Sie ausgewählte Daten auch selbst analysieren. Wenn Sie Fragen dazu haben oder die Ergebnisse für die Automobilbranche diskutieren möchten, sprechen Sie mich gerne an.

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