Nachhaltigkeitsberichterstattung als Wettbewerbsvorteil im Financial-Services-Bereich

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Nachhaltigkeit ist ein Megatrend, der unsere Gesellschaft die nächsten Jahrzehnte begleiten wird. Auch die Finanzbranche wird sich an die neuen Erwartungshaltungen von Stakeholdern wie Kunden, Mitarbeitern und Regulatoren anpassen müssen. So hat beispielsweise Larry Fink, Vorstandsvorsitzender von Black Rock, in seinem letzten „Letter to CEOs“ [1] bekräftigt, dass Transparenz in Nachhaltigkeitsfragen zunehmend darüber mitbestimmen wird, ob Unternehmen ausreichend Kapital anziehen können.

Eine effektive Nachhaltigkeitsberichterstattung ist eines der besten Werkzeuge, um diese nun geforderte Transparenz herzustellen. Zudem bietet sie Banken und Versicherungen die Möglichkeit, potenzielle Wettbewerbsvorteile zu nutzen.

„Als ein führendes nachhaltiges Unternehmen wollen wir unser Know-how, unsere Innovationen und unsere Technologie nutzen, um auch unseren Kunden bei der Transformation in eine nachhaltige Zukunft zu helfen.”

Paul Hermelin, Chairman of Capgemini

Eine gute ESG-Berichterstattung bietet zahlreiche Wettbewerbsvorteile

Neben dem erfolgreichen Aufsetzen und Umsetzen der Nachhaltigkeitsstrategie gilt es, durch die Nachhaltigkeitsberichterstattung die definierten Ziele zu verfolgen und zu veröffentlichen.

Studien belegen beispielsweise, dass eine gute ESG-Berichterstattung alleine einen etwa gleich großen Effekt auf die Fremdkapitalkosten hat wie die eigentliche ESG-Performance [2]. Somit ist der „ROI“ (Return on Investment) einer Optimierung der ESG-Berichterstattung in diesem Kontext kurzfristig höher als kostspielige Maßnahmen, um beispielsweise das Unternehmen nachhaltig umweltfreundlicher zu gestalten. Dies bedeutet nicht, dass eine Dekarbonisierung des Unternehmens nicht notwendig ist; vielmehr zeigt es jedoch, dass die Optimierung des Nachhaltigkeitsberichtes in diesem Zusammenhang einer der größten Quick Wins für viele Unternehmen ist.

Insbesondere institutionelle Investoren legen immer größeren Wert auf das Thema Nachhaltigkeit und orientieren sich bei ihren Investitionsentscheidungen an den Nachhaltigkeitsberichten. Daher kann ein optimierter Nachhaltigkeitsbericht das Interesse von Investoren positiv beeinflussen. Demzufolge gilt festzuhalten, dass eine frühzeitige und gute Umsetzung von Nachhaltigkeitskonzepten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten darstellt.

Des Weiteren ist in den letzten Jahren das Interesse an nachhaltigen Investments auch bei Privatkunden gestiegen. Ein guter Nachhaltigkeitsbericht bringt auch an dieser Stelle Vorteile mit sich und kann zur Kundenbindung und -gewinnung genutzt werden. Ein zugänglicher und transparenter Nachhaltigkeitsbericht kann demnach zu erhöhten Erträgen führen, während dieser gleichzeitig bei effizienter Umsetzung kaum Mehrkosten verursacht.

Nachhaltigkeitsberichterstattung als Wettbewerbsvorteil im Financial-Services-Bereich_Capgemini Invent
Abbildung 1: Eine gute ESG-Berichterstattung bietet zahlreiche Wettbewerbsvorteile

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass eine effektive Nachhaltigkeitsberichterstattung sowohl diverse Wettbewerbsvorteile bietet als auch die inhärenten Übergangsrisiken der Transformation zu einer grünen Wirtschaft abschwächt.

Eine standardisierte ESG-Berichterstattung wird mittelfristig verpflichtend werden

Zudem werden Unternehmen voraussichtlich nicht mehr lange die „freie“ Entscheidung treffen können, in welcher Qualität sie ihren Nachhaltigkeitsbericht erstellen möchten: Der Trend geht deutlich zu einer Prüfungspflicht für Nachhaltigkeitsberichte. So hat beispielsweise der Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung erst kürzlich „die schrittweise Einführung einer Pflicht zur Prüfung »nicht-finanzieller Informationen« im Lagebericht und […] die Einführung einer solchen Prüfpflicht auf EU-Ebene [sowie] die Stärkung internationaler ESG Prüfungsstandards“ gefordert [3]. Neben den weiteren Empfehlungen wie einen verlässlichen Politikrahmen, systematischem Wissensaufbau, nachhaltigkeitswirksamen Finanzprodukten und institutioneller Verstetigung sieht der Beirat sogar „einen der wichtigsten Hebel für Sustainable Finance […] in den Vorschlägen zur Unternehmensberichterstattung“.

Auch die IFRS Foundation Trustees haben Ende 2020 ein Konsultationspapier veröffentlicht, um die Erstellung eines globalen Standards zu erörtern [4]. Der Ansatz der IFRS Foundation verfolgt besonders die Zusammenarbeit mit regionalen Behörden, um einen global konsistenten Standard zu erreichen und die (regionale) Komplexität der Berichterstattung zu reduzieren.

Für diverse Finanzmarktteilnehmer wie Verwalter alternativer Investmentfonds treten sogar bereits ab März 2021 neue ESG-Offenlegungspflichten in Kraft: Diese Offenlegungspflichten beinhalten auch die Pflicht zur Offenlegung der internen Strategie zur Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken bei Investitionsentscheidungen.

Um eine Vorreiterrolle einzunehmen und Wettbewerbsvorteile zu nutzen, empfiehlt es sich somit, zeitnah in die effektive und effiziente Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten zu investieren.

Vielen Dank an die Co-Autoren Tobias Wagenknecht, Moritz Henkel und Özgür Türkmen.

Mehr Informationen finden Sie hier: Future of Finance.


[1] Larry Fink (2021): “Letter to CEOs 2021”; https://www.blackrock.com/corporate/investor-relations/larry-fink-ceo-letter

[2] Yasser Eliwa, Ahmed Aboud, Ahmed Saleh (2019): “ESG Practices and the cost of debt: Evidence from EU countries”; Critical Perspectives on Accounting

[3] Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung (2021): “Shifting the Trillions – Ein nachhaltiges Finanzsystem für die Große Transformation“;https://sustainable-finance-beirat.de/wp-content/uploads/2021/02/210224_SFB_-Abschlussbericht-2021.pdf

[4] IFRS Foundation (2021): “Sustainability Reporting”; https://www.ifrs.org/projects/work-plan/sustainability-reporting/#current-stage