Studie: Nachhaltigkeit ist kein Nice-to-have mehr, sondern ein Wettbewerbsvorteil

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Verpackungsmüll ist weltweit ein Problem, das in der Pandemie noch schneller wächst – verstärkt sie doch den Trend zu To-Go und Lieferservice. Auch Händler und Hersteller tragen dazu bei – doch wie die neue Capgemini Studie zeigt, wünschen sich Konsumten mehr Umweltfreundlichkeit. Ein Lebensmittel-Händler spart daher tonnenweise Plastik und punktet nachhaltig bei seinen Kunden.

Martin Arnoldy, Capgemini

Eigenmarken bieten Supermarktketten direkte Wege, um die Umweltfreundlichkeit ihres Produktsortiments zu verbessern. Gemeinsam mit Capgemini Invent konnte ein großer europäischer Lebensmittel-Händler eine nachhaltige Verpackungsstrategie entwickeln und bereits im ersten Jahr nach Projektstart 200 Tonnen Kunststoff einsparen. Damit trifft er genau den Nerv seiner Kunden, wie aus der aktuellen Studie des Capgemini Research Institute zum Kaufverhalten im Einzelhandel hervorgeht. Die Studie, an der weltweit mehr als 7.500 Verbraucher und 750 Unternehmen teilnahmen, offenbart, wie stark sich die Verbraucherpräferenzen in Richtung Nachhaltigkeit verändern.

Wissenslücken auf Konsumentenseite

Während 66 Prozent der befragten Verbraucher angaben, beim Kauf von Produkten vor allem auf deren Umweltfreundlichkeit zu achten, ist ihr Wissen um die tatsächliche Nachhaltigkeit vieler Produkte lückenhaft. Und genau hier liegt das Problem: 78 Prozent der Verbraucher sind sich zum Beispiel nicht bewusst, dass man 1.000 Liter Wasser braucht, um einen Schokoriegel herzustellen und 68 Prozent wissen nicht, dass ein durchschnittlicher Burger mehr Emissionen verursacht, als eine Autofahrt von 15 km mit dem SUV. Um Nachhaltigkeit langfristig voranzutreiben und tatsächlich einen Wettbewerbsvorteil daraus zu generieren, ist es daher unerlässlich, den Kunden ausführliche und verständliche Informationen zu bieten.

Viele Händler und Hersteller müssen hier noch besser kommunizieren. Zwar werden sich immer mehr Hersteller der Chancen, die der Trend zur Nachhaltigkeit mit sich bringt, bewusst und schwenken bereits selbst auf Nachhaltigkeitsprogramme um. Wahrgenommen werden diese jedoch nur von knapp 50 Prozent der Konsumenten. Ein Problem dabei sind häufig fehlende Kommunikation und Informationen von Unternehmensseite. Im ungünstigsten Fall kann das zu fehlendem Vertrauen der Konsumenten in die Nachhaltigkeitsangaben zu Produkten führen.

Die vier  wichtigsten Tipps für die Praxis im Handel

Nachholbedarf besteht auch für viele Nachhaltigkeitsprogramme an sich. Zwar geben drei von vier der befragten Unternehmen an, dass sie über eine Strategie sowie die Infrastruktur und Ressourcen verfügen, um ihre Bemühungen um Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. Tatsächlich investiert wird in diesen Bereich jedoch nur wenig.

Abbildung 1: Capgemini, (Studie: „Konsumgüter und Einzelhandel: Wie Nachhaltigkeit die Verbraucherpräferenzen grundlegend verändert“)

Capgemini hat daher vier Best Practices identifiziert, denen Unternehmen nacheifern können, um Nachhaltigkeitsprogramme  zu beschleunigen:

  1. Stellen Sie die Technologie in den Fokus Ihrer Nachhaltigkeitsinitiativen. Es gibt zahlreiche Beispiele wie Technologie Nachhaltigkeitsstrategien ganz konkret unterstützen kann: z. B. kann man mit der Einführung von „Dynamic Pricing“ für verderbliche Güter erheblich Abfall reduzieren, während die Kunden in den Genuss eines Preisvorteils kommen.
  2. Klären Sie Verbraucher auf und versetzen Sie Mitarbeiter in die Lage, nachhaltige Praktiken zu verankern: Unternehmen müssen eine Schlüsselrolle bei der Hervorhebung des nachhaltigen Fußabdrucks ihrer Produkte spielen, da das Bewusstsein der Verbraucher für die Umweltauswirkungen vieler Produkte gering ist.
  3. Führen Sie solide Leitlinien für Nachhaltigkeit ein: So kann Ihr Unternehmen die Nachhaltigkeitsstrategie leichter über Geschäftseinheiten hinweg skalieren, die Zielsetzungs- und Berichterstattungsprozesse überwachen und die Beziehungen zu externen Stakeholdern stärken.
  4. Arbeiten Sie für eine größere Wirkung mit dem breiteren Ökosystem zusammen: Eine auf Nachhaltigkeit hin ausgerichtete Zusammenarbeit trägt dazu bei, gemeinsame Verpflichtungen zu schaffen und die ökologischen und sozialen Auswirkungen zu mildern, die tief in den Lieferketten des Sektors wurzeln.

Wettbewerbsvorteil durch Nachhaltigkeit

Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit, soziale Verantwortung und Teilhabe werden zukünftig eine entscheidende Rolle im Kaufverhalten der Konsumenten spielen. Während die Corona-Pandemie die Verbraucher in ihren täglichen Einkaufstouren beschränkt, stellen sich viele immer häufiger die Frage, woher eigentlich ihre Produkte kommen und welchen Einfluss sie auf ihre Umwelt haben. Nachhaltigkeitsaspekte beeinflussen heute das Konsumverhalten jedes Zweiten, in Deutschland wie auch weltweit. Daher ist auch für den großen Lebensmittel-Händler beim Einsparen von Verpackungsmüll noch nicht Schluss. Wer Nachhaltigkeit weiterhin als Nice-to-have behandelt, wird langfristig dem Wunsch der Konsumenten nach Authenzität und unternehmerischer Verantwortung nicht nachkommen können. Für Supermärkte mit Eigenmarken bietet diese Entwicklung eine große Chance, sich neu zu positionieren und mit Markenartikeln zu konkurrieren.

Wie unsere Studie zeigt, können sich Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit setzen, einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber ihrer Konkurrenz sichern. Das funktioniert jedoch nur, wenn Investitionen an der richtigen Stelle getätigt  und Pläne zielgerichtet und langfristig verfolgt werden. In diesem Fall bedeutet Nachhaltigkeit einen Gewinn für alle Beteiligten: profitierende Unternehmen, glückliche Kunden und eine geschontere Umwelt.

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