Blockchain: Transparenz in der Lieferkette

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Unternehmen sollten über die Herkunft und Produktionsbedingungen ihrer Produkte informieren. Zwingen könnte sie dazu bald ein Lieferkettengesetz – doch Transparenz hat auch für sie Vorteile, wie einige Blockchain-Anwendungen zeigen.

Marc Burmester, Capgemini

Transparenz für soziale und ökologische Verantwortung

Politik und Verbraucher legen zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit und erwarten Transparenz über die Herkunft von Konsumgütern. Sie wollen wissen, woher die Waren stammen und ob sie ökologisch vertretbar unter fairen Bedingungen produziert wurden. Obwohl sich zahlreiche Unternehmen bereits zu freiwilligen Transparenzstandards verpflichtet haben, kommt die Wirtschaft den Forderungen noch nicht ausreichend nach.

Ein mögliches politisches Instrument, um Transparenz zu gewährleisten, wäre ein Lieferkettengesetz, das Unternehmen dazu verpflichtet, soziale und ökologische Mindeststandards entlang ihrer Supply Chain einzuhalten, dies zu dokumentieren und berichtsweise öffentlich zu machen. Verletzt ein Unternehmen diese Sorgfaltspflichten, könnte es dann sanktioniert werden – etwa über Bußgelder oder den Ausschluss von öffentlichen Vergabeverfahren. In Deutschland gilt die Umsetzung eines Lieferkettengesetzes nach aktuellem Stand als wahrscheinlich. In anderen EU-Mitgliedsstaaten, wie Frankreich und den Niederlanden, ist ein solches Gesetz bereits in Kraft.

Unternehmen sehen Vorteile durch Transparenz

In der Wirtschaft gibt es noch keinen Konsens zum Thema Lieferkettengesetz. Während einige Industrieverbände negative Auswirkungen auf Unternehmen befürchten, sprechen sich andere Unternehmen und Konzerne, darunter Nestlé, Tchibo sowie die REWE-Gruppe, für eine gesetzliche Regelung menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfaltspflichten aus.

Transparenz entlang der Lieferkette ist für Unternehmen wichtig – nicht nur in Hinblick auf die gestiegenen Nachhaltigkeitsforderungen der Verbraucher und die Erfüllung der Mindeststandards eines möglicherweise kommenden Lieferkettengesetzes. Lieferketten-Transparenz bietet Unternehmen weitere Vorteile: Durch eine lückenlose Rückverfolgbarkeit kann die Qualität umfassender als bisher überwacht und gesteuert werden; Kosten durch Qualitätsmängel können so minimiert und die Kundenzufriedenheit erhöht werden.

Blockchain-Technologie ermöglicht lückenlose Transparenz

Ein vielversprechender Ansatz zur Sicherstellung der Transparenz in Lieferketten ist die Blockchain-Technologie, da sie Transaktionen lückenlos und fälschungssicher dokumentiert. Einer Umfrage des Capgemini Research Institutes zufolge sehen Unternehmen die größten Treiber für eine Implementierung von Blockchain-Lösungen neben Kosteneinsparungen (89 Prozent) in der Erhöhung von Traceability (81 Prozent) und Transparenz (79 Prozent). So ist die (Rück-)Verfolgbarkeit von Lebensmitteln z. B. für Unternehmen der Konsumgüter-Branche ein wichtiges Asset: vom Ort der Herstellung bzw. des Lebensraums entlang der Lieferkette über die Farmer oder Fischer, Supplier, die weiterverarbeitenden Fabriken, Großhändler und schließlich bis in die Supermarktregale und Restaurants.

Praxisbeispiele: Blockchain für Lieferkettentransparenz

Zur Verwendung der Blockchain-Technologie für die umfassende Rückverfolgbarkeit von Produkten gibt es eine Reihe von Proofs of Concept, einige Piloten und eine noch überschaubare, aber stetig wachsende Anzahl skalierbarer Implementierungen. Für Capgemini ist das Thema „Blockchain“ gerade im Kontext von Handel und Logistik spannend und wichtig.

Kühne+Nagel, einer unserer Kunden aus dem Bereich Handel und Logistik, setzt Blockchain-Technologie mit unserer Hilfe bereits erfolgreich für einen Anwendungsfall ein, an dem eine hohe und variable Anzahl an Parteien beteiligt ist: In einem Produktivsystem konnte Kühne+Nagel über Blockchain ein System zur Erfassung des Verified Gross Mass (VGM), einer sicherheitsrelevanten Information im Rahmen von „Safety of Life at Sea“, auf die Hyperledger-Fabric-Technologie heben.

Eine britische Modemarke hat ebenfalls gemeinsam mit Capgemini über Design Thinking Lösungen zur Produkt-Authentifizierung via Blockchain-Technologie entwickelt. Dabei dokumentiert ein Supply Chain Tool die Informationen vom Herstellungsort der Artikel bis zum endgültigen Verkaufsort. Diese Informationen fließen in eine Mobile App, mit der Kunden die Herkunft und Authentizität der gekauften Ware validieren können. Zudem können Marketing und Verkauf diese Informationen nutzen, um für jeden Artikel eine Story mit Kaufanreizen zu entwickeln. Dieses Zusammenspiel verbessert nicht nur die Visibilität einzelner Produkte innerhalb der Supply Chain, sondern bringt darüber hinaus Möglichkeiten einer Intensivierung der Kommunikation mit dem Endkunden mit sich.

Lieferkettentransparenz ist technisch also bereits umsetzbar; sie wird voraussichtlich in naher Zunkunft per Gesetz gefordert und kann Unternehmen in der Qualitätssicherung und Kundenansprache Vorteile bringen.

Wie beurteilen Sie das Thema „Blockchain“ für Ihr Unternehmen? Wo liegen Ihre Herausforderungen? Wenn Sie Interesse an einem Austausch haben, freue ich mich über Ihre Nachricht.

 

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