R&D Kollaboration und Partnerintegration: In- oder Outsourcing in volatilen Zeiten?

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Ist die zunehmende Kollaboration von Unternehmen ein nachhaltiger Trend, oder das Ergebnis von erhöhter Unsicherheit?

Die Industrie steht mehr denn je unter Druck

Die Anforderungen des Marktes verändern sich bei gleichzeitig steigender Produktkomplexität zunehmend schneller (Stichwort VUCA: Volatility-Uncertainty-Complexity-Ambiguity). Disruptionen durch globale Ereignisse wie die Covid-19 Krise reduzieren die verfügbaren Liquiditäten und erhöhen den Handlungsdruck zusätzlich.
Die Beherrschung neuer Technologien wie Künstliche Intelligenz, der Digitale Zwilling, Blockchain, Autonomes Fahren oder Elektromobilität werden vom Engineering erwartet und sind in Produkte und Prozesse zu integrieren.


Die Entwicklung der Zukunftstechnologien, wie Elektromobilität und Autonomes Fahren, kostet die Autohersteller Milliarden und viel Zeit. Diese Ausgaben werden $255 Milliarden USD bis 2023 erreichen[1], trotz des weltweiten Absatzrückgangs in der Automobilindustrie[2,3].


Eine effiziente und schnelle Produktentwicklung wird daher für die diskreten Industrien zu einer großen Herausforderung: OEMs müssen die geforderten Produkte schneller auf dem Markt bringen und das Know-How für innovative Technologien rasch erwerben, gleichzeitig jedoch Kosten in der Entwicklung sparen. Laut dem EU Industrial R&D Investment Scoreboard 2018 investiert die globale Fertigungsindustrie rund €393,40 Milliarden in R&D, etwa 53% der globalen Ausgaben im R&D Bereich.[4]

Insbesondere in Zeiten wie der Covid-19 Krise stehen Skalierbarkeit der R&D Ressourcen und Transparenz in den Projekten im Vordergrund, um den kurzfristigen Cash-Flow Bedarf nicht zu gefährden und anschließende Investitionen in der Zukunft zu ermöglichen.[5]

OEMs bilden Partnerschaften und Netzwerke im Engineering

Um diese Herausforderung zu bewältigen werden zwei Trends bei den OEMs in der Produktentwicklungsstrategie beobachtet:

  • Insourcing vs. Outsourcing mit Fokus auf Kernkompetenzen
    Zur Kontrolle der Entwicklungskosten und Reduktion der Time-to-Market werden viele Entwicklungsaktivitäten entlang des Produktlebenszyklus, wie Konzeption, Entwicklung, Simulation und Absicherung, verstärkt an externe Dienstleister vergeben. Der Markt für Ingenieursdienstleister erreicht zwischen 2014 und 2020 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate, CAGR) von +5,8%. Dienstleister und Zulieferer spielen also eine wichtige Rolle in der gemeinsamen Produktentwicklung mit OEMs.In den letzten Jahren beobachten wir parallel einen deutlichen Trend zum Insourcing strategischer Themenfelder (digitalisierungsnahe Themen wie z.B. Software-Entwicklung und IT). Dafür werden gezielte Partnerschaften zum Know-How Aufbau eingegangen.

Marktübersicht Entwicklungsdienstleister im Automotive Bereich

Abbildung 1: Marktübersicht Entwicklungsdienstleister im Automotive Bereich

 

  • Aufbau und Verstärkung von Partnerschaften
    Um die rasant steigenden Kosten in der Forschung und Entwicklung zu dämpfen und die Entwicklungsrisiken zu minimieren, werden zunehmend mehr Kooperationen und strategische Partnerschaften ins Leben gerufen. Dies lässt sich am Beispiel von integrierten Entwicklungsverbunden, teilweise auch zwischen OEMs, beobachten. Durch diese Partnerschaften können sie gegenseitig fehlendes Know-How ergänzen und dadurch hohe Investitionen in unsicheren Zeiten vermeiden.In der Aerospace & Defense Industrie wurde in 2018 ein Rekord der M&A Aktivitäten mit einem Volumen von $126 Milliarden im Vergleich zu $80 Milliarden in 2017 erreicht.[6] Diese markante Steigerung von 55% beweist den steigenden Konsolidierungstrend in der Industrie.

R&D Kooperationen sind nur mit digitaler Durchgängigkeit erfolgreich

Insgesamt zeigt sich ein deutlicher Trend wachsender Netzwerke von Partnern im Engineering. Fest steht auch, dass Krisen den Bedarf nach skalierbaren Engineering Kapazitäten weiter erhöhen. Dies erfordert eine effiziente Integration und ein skalierbares Zusammenarbeitsmodell mit Partnern, um in einem wettbewerbsorientierten und sich ständig wandelnden Marktumfeld Kosten zu senken und die Time-to-Market zu verkürzen. Schaffen Unternehmen die durchgängige Prozessintegration ihrer Engineering Partner in die Entwicklungs(-system-)landschaft, können sie die Zusammenarbeit jederzeit und in allen Situationen fortsetzen. So können selbst Krisen, wie z.B. die Covid-19 Pandemie, im R&D Bereich mit einer digitalen Durchgängigkeit im Netzwerk abgefedert werden.

Die Zusammenarbeit mit externen Partnern ist jedoch auch mit Risiken verbunden. Wie Sie diese Risiken erkennen und daraus Wettbewerbsvorteile schaffen können, erfahren Sie im nächsten Blogbeitrag.

Vielen Dank an die Co-Autoren Stefano Sirotti, Akram Attia und Christian Sterl.


[1] https://www.alixoartners.com/media-center/press-releases/pile-up-awaits-auto-industry-investments-electric-autonomous-future-balloon/
[2] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/ey-studie-gewinne-der-weltweiten-autoindustrie-liegen-weiter-unter-vorjahresniveau/25297988.html
[3] https://www.automobilwoche.de/article/20191204/AGENTURMELDUNGEN/312049939/absatzrueckgang-autobauer-sehen-sich-auf-steinigem-weg
[4] The 2018 EU Industrial R&D Investment Scoreboard: https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/bitstream/JRC113807/eu_rd_scoreboard_2018_online.pdf
[5] https://www.capgemini.com/wp-content/uploads/2020/04/COVID-19-Automotive.pdf
[6] https://www.alixpartners.com/insights-impact/insights/ad-minute-record-breaking-m-a-activity-of-2018/

Alle Artikel der Blogreihe:

In den kommenden Wochen folgen weitere Artikel mit den folgenden Themen:

2) R&D Kollaboration und Partnerintegration: Risiko, Chance und Wettbewerbsvorteil zugleich
3)
R&D Partnerintegration & Kollaboration: So operationalisieren Sie erfolgreich
4) R&D Partnerintegration und Kollaboration: Achten Sie auf die Erfolgsfaktoren
5) R&D Kollaboration und Partnerintegration: Getting Started

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