TechnoVision 2020: Was tun, wenn die IT zu komplex wird?

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Wie Sie mit 7 Schritten ihre IT-Landschaft in Krisenzeiten vereinfachen.

Frank Schlosser, Capgemini

Wie Sie mit 7 Schritten ihre IT-Landschaft in Krisenzeiten vereinfachen und durch gute Abstimmung zwischen Business und Technologie den für nachhaltigen Geschäftserfolg erforderlichen Wandel vorantreiben.

Viele IT-Verantwortliche sprechen aufgrund der omnipräsenten Digitalisierung von einer wachsenden Komplexität ihrer IT-Landschaft (siehe Studie IT-Trends 2020). Wesentliche Gründe dafür sind die steigende Anzahl an Anwendungen, verschiedene Kommunikationskanäle, starke Vernetzung, kürzere Release-Zyklen und hybride Betriebsmodelle in der Cloud sowie im eigenen Rechenzentrum.

Dazu kommt mit COVID-19 eine beispiellose, branchenübergeifende Unsicherheit mit entsprechendem Veränderungsdruck in Bezug auf Kundenbedürfnisse, Lieferketten und interne Arbeitsprozesse. Umso mehr ist die Vereinfachung im Sinne einer Komplexitätsreduzierung ein zentrales Thema der IT-Entscheider. Mit dem Leitmotiv der TechnoVision 2020 „Vereinfachung“ (Simplify) unterstützen wir genau dabei. Dieser Blogbeitrag ist der erste einer Serie über Capgemini´s jährlichen Ratgeber zur Komplexitätsreduzierung im Spannungsfeld zwischen Business, Technologie und Innovationen.

Die TechnoVision umfasst sieben Schritte, mit denen eine Vereinfachung in verschiedenen Bereichen erzielt werden kann. Dazu gehören „Invisible Infostructure“, „Applications Unleashed“, „Thriving on Data“, „Process on the Fly“, „You Experience“ und „We Collaborate“, also die zentralen Aufgabenbereiche der IT-Landschaft eines Unternehmens. Darüber hinaus zieht „Design for Digital“ den Rahmen um die anderen Bereiche. Neue Lösungen sind heute so zu erstellen, dass sie den aktuellen Anforderungen einer durchgängigen, digitalen Umsetzung genügen. Anhand der Bereiche können wir für die ganze IT-Landschaft konkrete Maßnahmen identifizieren, die Komplexität in den Griff bekommen und gleichzeitig die geschäftskritischen Veränderungen in schwierigen Zeiten nicht nur unterstützen, sondern zielgerichtet treiben.

Die sieben Container der TechnoVision 2020

1. Invisible Infostructure (Unsichtbare Infrastruktur)

Entwickeln der IT-Infrastruktur hin zur einfachen, anschließbaren Ressource, als welche sie schon immer gedacht war.

Die Infrastruktur stellt eine kritische Grundlage für jede Organisation dar. Der Schlüssel liegt darin, dass sie nicht nur auf den ersten Blick, sondern konkret und unabhängig vom Deployment-Modell (Hybrid-/Multi-Cloud) durch konsequente Umsetzung des „as a Service“-Prinzips unsichtbar wird. Sie muss für alle Nutzenden per Self-Service konsumierbar sein und wird vollständig Software-gesteuert abgesichert, automatisiert und orchestriert.

2. Applications Unleashed (Befreite Anwendungen)

Befreien der alten Systemlandschaft und Freisetzen der nächsten Generation leistungsfähiger, agiler und Cloud-basierter Apps.

Eine zentrale Herausforderung heutiger Anwendungen ist die Bereitstellung mit hoher Geschwindigkeit und so nah wie möglich am Geschäft. Das moderne Anwendungsportfolio ist flexibel, einfach anzubinden und Cloud-native. Vorhandene Anwendungen müssen rigoros auf den Prüfstand gestellt und vereinfacht, rationalisiert, konsolidiert bzw. abgeschaltet werden. Neue Anwendungen sollten von Beginn an „smart“ gedacht werden, z.B. durch Einbindung von KI-Services und durch agile Entwicklung im DevOps-Stil.

3. Thriving on Data (Mit Daten erfolgreich sein)

Erreichen eines hohen IQ für das eigene Unternehmen basierend auf den verfügbaren Daten, die es zur Realisierung und Weiterentwicklung seines Geschäfts verwendet.

Daten müssen als ein integrales Organisations-Asset strategisch gesteuert werden. Für ein erfolgreiches Aktivieren vorhandener Daten zur geschäftlichen Nutzung durch Algorithmen ist es unabdingbar, die Datenquellen und Datensenken im Griff zu haben und in eine Zentralisierung der Data Warehouses zu investieren. Die Studie IT-Trends 2020 zeigt, dass die besten Unternehmen basierend auf ihren Daten damit beginnen neue Geschäftsfelder ihrer eigenen Branche oder sogar in einer anderen Branche zu erschließen.

4. Process on the Fly (Fliegende Prozesse)

Effizienz- und Effektivitätssteigerung durch eine IT, die auf Basis der verfügbaren Datenbasis eigenständig Entscheidungen trifft und den Prozess damit steuert.

Organisationale Geschwindigkeit korreliert stark mit der Fähigkeit, aus Erkenntnissen konkrete Maßnahmen abzuleiten und umzusetzen, um schnell auf Ereignisse und sich verändernde Rahmenbedingungen (wie z.B. COVID-19) zu reagieren, sowie Silos aufzubrechen. Dabei helfen ein tiefgreifendes Prozessverständnis in Verbindung mit neuen Entwicklungen rund um Robotic Process Automation und AI und bringen „Process on the Fly“ ins Zentrum. Als zentrales Element einer Business/IT-Plattform der nächsten Generation bringen Prozesstechnologien einen neuen Puls in die Organisation.

5. You Experience (Dein Erlebnis)

Das Infragestellen bestehender Benutzerführungen bringt uns zu vollkommen neuen IT-Lösungen, die auch auf eine manuelle Nutzung verzichten können.

Kein Technologiebereich ändert sich so schnell wie die Benutzendenerfahrung (User Experience). Als Nutzende erwarten wir eine individuell auf uns zugeschnittene, einfach zu bedienende IT, mit der es Spaß macht zu arbeiten. Diese Erwartungshaltung haben wir gegenüber allen Organisationen, mit denen wir geschäftlich interagieren – und das gilt nicht nur für die externen Partner, sondern auch für die IT des eigenen Unternehmens. Klassische Oberflächen werden von Chatbots, Sprachassistenten und tragbaren Endgeräten unterstützt oder ersetzt, um zu jeder Zeit für den Kunden verfügbar zu sein und ihn qualitativ hochwertig zu bedienen. Weiterhin gewinnen Augmented und Virtual Reality Geräte stark an Bedeutung.

6. We Collaborate (Wir arbeiten vernetzt)

Abgrenzen von anderen wird nicht mehr zum Ziel führen, nur das Vernetzen mit anderen führt zu neuen Geschäftsmodellen auch außerhalb der heutigen Branchengrenzen.

Die digitale Welt ist global wie regional vernetzt. Menschen, Organisationen und Dinge schaffen durch gegenseitige Vernetzung neue Werte, wodurch kollaborative Business-Technologien stark an Bedeutung gewinnen. Die IT-Plattform muss Services bereitstellen, die Verbindungen mit höchster Geschwindigkeit ermöglichen, wie Ledger-Technologie-basierte Smart Contracts, 5G-basierte Augmented Reality, Low-latency Sensoren und KI-Anwendungen. Geschwindigkeit auf Basis einer großen Bandbreite wird neue Services für die Kunden ermöglichen.

7. Design for Digital

Ändern der Denkweise und Kultur der eigenen Organisation führt zu einfachen Lösungen, in denen die virtuelle und physische Welt zu einer Einheit verschmelzen.

Die ersten sechs Schritte präsentieren greifbare Trends, die auf das „Was“ einer Bereitstellung und Lieferung eingehen. Der siebte Schritt „Design for Digital“ befasst sich mit dem „Wie“ der Entwicklung. Unabhängig davon, ob Unternehmen eine übergreifende Architektur, eine konkrete Anwendung oder ein Initiativen-Portfolio entwickeln bzw. ein Brainstorming zu Innovationen durchführen, helfen eine Reihe von Prinzipien, welche universell bei allen Diskussionen zu den Geschäfts- und Technologietrends anwendbar sind. Diese Prinzipien aus dem Bereich „Design for Digital“ gibt Ihnen mein Kollege Heino Hüttner im nächsten Beitrag zur TechnoVision 2020 an die Hand.

Vor welchen zentralen Herausforderungen in Bezug auf die Komplexität der IT-Landschaft, digitaler Technologien und Innovationen steht Ihr Unternehmen? Mit welchen Ansätzen versuchen Sie den Überblick zu behalten und die Komplexität in Ihrer Organisation nachhaltig zu beherrschen? Teilen Sie gerne ihre Erfahrungen mit mir über LinkedIn.

 

Mehr zur TechnoVision 2020 inklusive Download des PDFs finden Sie auch unter: https://www.capgemini.com/technovision2020-technology-trends-in-business/

Die COVID-19 Sonderausgabe der TechnoVision 2020 unter dem Motto „Change Making Simplified“ finden Sie unter: https://www.capgemini.com/technovision2020-technology-trends-in-business/

 

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