Zehn Wege, Ihre Geschäftsleistung mit Ihrer SAP S/4HANA®-Implementierung zu verbessern

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S/4HANA Programmmanager stehen vor der Herausforderung in der digitalen Transformation geschickt ein Ökosystem aufzubauen und dieses gewinnbringend in Ihrer Organisation einzusetzen.

Welche Erwartungen stellen Mitglieder der Vorstandsebene an die Transformation zu SAP S/4HANA®? Dies ist eine wichtige Frage, denn es handelt sich hierbei nicht nur um eine bloße technische Migration. Vielmehr geht es um eine geschäftliche Transformation, bei welcher der digitale Aspekt eine fundamentale Rolle spielt. Wenn es also darum geht, sich auf die Transformation vorzubereiten und diese durchzuführen, wirkt sich das Verständnis von CxO-Geschäftsprioritäten grundlegend auf die Implementierung von SAP S/4HANA aus. Der wirtschaftliche Nutzen hat unmittelbaren Einfluss auf das Potenzial, mit dem Sie sich SAP S/4HANA letztendlich zunutze machen können.

Mit dieser Erkenntnis kann der Programmmanager die Transformation so ausrichten, dass die Geschäftsprozesse bei der SAP S/4HANA-Implementierung den Anforderungen der Vorstandsebene gerecht werden. Die Standardisierung und Harmonisierung dieser Prozesse stellen einen kritischen Ausgangspunkt dar. Zweifellos bietet dies eine hervorragende Grundlage, um Ihr Unternehmen auf die Zukunft vorzubereiten.

Aus wirtschaftlicher Sicht reduziert das Eliminieren unnötiger Geschäftsprozessvarianten die Komplexität, bringt verschiedene Denkansätze aus der Vergangenheit in Einklang und bietet eine großartige Gelegenheit, neue Standards ins Leben zu rufen. Aus technischer Sicht kann die Beseitigung nicht verwendeter oder veralteter Ausgabeformate wie z. B. Fax, altertümliche EDI-Standards oder archaische Dateiformate, sowie die Umstellung auf modernste Technologie, Ihre Prozessdurchlaufzeit verbessern.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Diese Aufgaben müssen während Ihrer Geschäftstransformation ausgeführt werden, um zu vermeiden, dass alter Wein in neue Schläuche gefüllt wird. Sie allein reichen jedoch nicht aus, um den vollen Geschäftsnutzen zu erzielen, den der Wechsel zu SAP S/4HANA Ihnen bieten kann. Um diesen zu erreichen, müssen Führungskräfte neue Wege in Betracht ziehen, um das Potenzial von S/4HANA früh in der „Design, Build and Run“-Phase zu nutzen, wie mein Kollege Günter Knorr bereits an anderer Stelle argumentiert hat.

S/4HANA bietet Unternehmen einen neuen digitalen Kern als Plattform für Integration und Innovation. Dessen wirtschaftlicher Nutzen liegt darin, neue Quellen für Wettbewerbsvorteile zu erschließen und schneller auf Störungen im operativen Geschaft reagieren zu können, um sich von diesen rasch zu erholen.

Was ist also zu tun?

Nachfolgend finden Sie zehn praktische Maßnahmen, um dieses Potenzial bei der Planung und Durchführung Ihrer S/4HANA-Implementierung auszuschöpfen. Sie spiegeln unseren eigenen fünfstufigen Ansatz zur Bereitstellung der digitalen Kerntransformation mit SAP S/4HANA wider und sind üblicherweise Teil der Phase „Aufbau der Roadmap und des Geschäftsszenarios“.

1. Denken Sie über Ihre eigene Organisation hinaus: Bringen Sie Ihre Lieferanten so früh wie möglich ebenfalls an Bord.

Wenn Lieferanten ein wichtiger Teil Ihrer Wertschöpfungskette sind, warten Sie nicht, bis die S/4HANA-Implementierung weit fortgeschritten ist, bevor Sie sie mit an Bord holen. Tauschen Sie Daten aus und arbeiten Sie von Anfang an in Bezug auf den Produkt- oder Serviceentwicklungszyklus zusammen.

Diese Art, Lieferanten zu integrieren, muss nicht teuer sein. Die nahtlose Integration von Lieferanten mit Echtzeitdaten ist in verschiedenen Lohnbearbeitungsszenarien ohne kundenspezifische Entwicklungen möglich. Ziehen Sie in Betracht, neue Funktionen unabhängig von Rollout-Plänen für die Kernfunktionalität bereitzustellen, in der Automobil- und Chemiebranche, wo Versorgungsökosysteme von strategischer Bedeutung sind.

2. Stärken Sie Micro-Services in Bereichen, in denen Sie nicht auf S/4HANA warten können oder in denen Sie das Outsourcing von Funktionen nutzen können.

Eine gute Möglichkeit, um schnellere Ergebnisse zu erzielen und die Kosten Ihrer S/4HANA-Implementierung zu senken, ist, den Code für regelmäßig wiederkehrende spezielle Prozesse aus Ihrem vorhandenen SAP ECC im Vertrieb auszulagern. In der Automobilbranche wäre ein guter Kandidat beispielsweise ein Prozess, bei dem die Winterreifen eines Kunden automatisch bestellt und beim Autohaus zur Verfügung gestellt werden, sobald der Algorithmus für die Wettervorhersage Schnee vorhersagt.

Micro-Services bieten außerdem tolle Möglichkeiten, um Lücken im „Übergangsszenario“ zu schließen, bei denen einige Teile Ihrer Systemlandschaft noch mit ECC ausgeführt werden, während bei anderen Teilen bereits im S/4HANA aktiv ist. Micro-Services helfen Ihnen dabei, die Anwendungsfälle für die Überprüfung dieser Technologie anzugehen. Sie können enorme Zeiteinsparungen erzielen, wenn Sie frühzeitig in Ihrem Migrationsprogramm über Ihren Ansatz und mögliche Anwendungsfälle nachdenken.

3. Integrieren Sie Process Mining, um auf die nächste Ebene zu gelangen.

Intelligentes Prozessdesign, welches durch Process-Mining-Techniken unterstützt wird, erzielt schnelle Ergebnisse in Bereichen wie Beschaffung, Buchhaltung und in der Lieferkette. Dies kann Ihre Transformation beschleunigen, Wettbewerbsvorteile schaffen und dabei Millionen von Euro sparen.

Beginnen Sie mit Anwendungsfällen, von denen Sie am meisten profitieren, und verwenden Sie SAP-Standards in Kombination mit intelligenten Automatisierungstechniken. Verwenden Sie erstklassige KPIs, um Ihre ersten Schritte zu steuern und den Abstand zu Ihren Mitbewerbern zu verringern, selbst wenn Ihr Prozess in einer Nicht-SAP-Umgebung ausgeführt wird. Denken Sie daran, dass S/4HANA als Plattform alle zukünftigen Funktionen enthält, die Sie benötigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, z. B. Preis-Engines in Einkauf oder Vertrieb.

4. Einige von SAP kürzlich erworbenen Unternehmen sind noch nicht vollständig integriert. Sie müssen jedoch nicht darauf warten, dass SAP dies erledigt, sondern können diese Herausforderung selbst annehmen, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen.

Es kann sinnvoll sein, Funktionen zu implementieren, ohne auf die Einführung des Kerns zu warten, wenn es Ihnen erlaubt, strategische Ziele früher realisieren zu können. Wir bezeichnen diese Projekte „Schnellboote“. Wenn Sie solch ein Projekt berücksichtigen, ist es wichtig, die Zielsystemlandschaft und die geplanten Innovationen in der SAP-Roadmap nicht aus den Augen zu verlieren. Groß angelegte kundenspezifische Entwicklungen sind teuer und diese rückgängig zu machen umso mehr.

Sie können sich von Ihrer Konkurrenz abheben, indem Sie Ihre bestehende und zukünftige Toolauswahl clever in S/4 integrieren, ohne die Leistungsfähigkeit der HANA-Funktionen zu verlieren, und den Kern dabei sauber halten. Im Produktionssektor können Sie beispielsweise bereits verwendete Softwaretools (z. B. Produktionsleitsysteme bzw. „Manufacturing Execution Systems“ und intelligente Asset-Management-Initiativen) beibehalten um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, und diese als Ergänzung zum S/4-Kern integrieren.

5. Stärken Sie Ihre aktuellen und zukünftigen Geschäftsmodelle mit einer Integration, die von künstlicher Intelligenz angetrieben wird.

Wenn Sie über den Tellerrand schauen und einen nicht-isolierten Ansatz verfolgen, können Sie Ihr aktuelles Geschäftsmodell deutlich verbessern, erhalten Hilfe beim Erstellen neuer Modelle und können sich weiter von der Konkurrenz abheben.

SAP bietet möglicherweise nicht alles, was Sie zum Aufbau Ihres neuen Geschäfts und der anvisierten Betriebsmodelle benötigen. Die Offenheit von SAP ermöglicht es Ihnen jedoch, künstliche Intelligenz (KI), die nicht von SAP stammt, für eine Vielzahl von Warengeschäften und Dienstleistungen zu integrieren, zum Beispiel die Vorhersage wetterbedingter Modelle im Saatgutgeschäft. Die Möglichkeit, historisch isolierte Daten zusammen mit KI-Techniken zu integrieren, kann zu Anwendungsfällen mit nachweisbarer Rentabilität führen. Beispielsweise können Standortdaten von Assets (z. B. von Lastkraftwagen oder Zügen) für neue Geschäftsmodelle über Funktionsbereiche hinweg verwendet werden.

6. Maximieren Sie das Innovationspotenzial vorgefertigter und sofort einsatzbereiter Lösungen.

Mit den neuesten Standardfunktionen von SAP können Sie die Gesamtbetriebskosten senken und vermeiden, das Rad ständig neu erfinden zu müssen. Zum Beispiel bietet das Extended Warehouse Management (EWM) von SAP eine Vielzahl von Funktionen, die zuvor gefehlt haben (und die Sie auch in der „Lagerraumverwaltung“ (stock room management) vermissen werden). Durch die Verwendung cleverer Einstellungen im SAP-Standard können Sie innovative Lösungen generieren, die Ihren Anforderungen entsprechen.

Sie können Innovationen auch mit sofort einsatzbereiten Funktionen vorantreiben, indem Sie neue Produkte im SAP-Portfolio außerhalb des S/4HANA-Kerns verwenden – z. B. Ariba für den Einkauf – und den vorgefertigten Datenaustausch dazu verwenden, die Implementierungs- und die laufenden Kosten zu senken.

7. Erkennen Sie, wo ein reiner SAP-Ansatz Ihren Anforderungen nicht entspricht.

Die funktionale Abdeckung von SAP-Produkten ist zwar sehr groß, in einigen Bereichen jedoch begrenzt. Daher muss SAP nicht die Antwort auf alles sein.

Um beispielsweise eine positive Benutzererfahrung für ihre Mitarbeiter zu bieten, streben die meisten großen Unternehmen danach, eine Benutzeroberfläche für alle ihre SAP- und Nicht-SAP-Anwendungen zu haben. Dies ist mit dem Ansatz von SAP aufgrund der fehlenden Integration mit den SAP-Produkten und der SAP-Produktstrategie nicht möglich, wie bereits oben in Punkt 4 erwähnt. Eine ganzheitliche IT-Strategie ist hier erforderlich, um alle nicht-funktionalen Anforderungen abzudecken. Ebenso stellen standardisierte Druckformatierungen und die damit verbundenen (Lizenz-)Kosten weiterhin ein Problem dar. Es muss eine klare Strategie für alle SAP- und Nicht-SAP-Anwendungen ausgearbeitet werden, um Überzahlungen zu vermeiden und Kosten zu senken.

8. Integrieren Sie Inhalte von Drittanbietern in S/4HANA, um sich vom Wettbewerb zu unterscheiden.

Mithilfe von Best Practices, Datensätzen und anderen Inhalten von Drittanbietern können Sie einzigartige branchenspezifische Anwendungsfälle erstellen, die Ihnen Wettbewerbsvorteile verschaffen.

In der Automobilbranche zum Beispiel erfordert die automatische Linienzufuhr für Automobilweke ein umfassendes Know-how, über das nicht jeder Hersteller verfügen wird. Durch die Zusammenarbeit und Co-Innovation mit strategischen Lieferanten in diesem Bereich können Produzenten wettbewerbsfähiger werden.

Im Life Science-Sektor erfordern vertragliche Einschränkungen eine intelligente Einrichtung im ERP-System, um die Ziele für Produktmargen zu erreichen oder zu übertreffen. Durch das Einbeziehen und Nutzen geläufiger Praktiken aus dem Einzelhandel können wertvolle Lösungsansätze wie z.B. die Produktsegmentierung bereitgestellt werden.

9. Beschaffen Sie sich die Technologien, die Sie für Integrationsszenarien benötigen, indem Sie die SAP Cloud Platform oder eine andere Cloud-Plattform nutzen.

Cloud-Plattformen bieten neue technische Möglichkeiten, bei denen Sie mit weniger mehr erreichen können.

Ein Beispiel für einen kleinen Anwendungsfall könnte die Einführung eines Pay-per-Use-Geschäftsmodells sein. Dieses kann einfach und kostengünstig mithilfe der SAP Cloud Platform oder anderer Cloud-Plattformen integriert werden. Beachten Sie bei großen Anwendungsfällen zahlreiche fehlgeschlagene Projekte, bei denen die Unternehmen versuchten, ihre Geschäftsanforderungen im ECC-Kern mit hohen irreversiblen Kosten zu lösen. Die SAP Cloud Platform oder ein anderer Plattformanbieter kann Ihnen dabei helfen, das Wiederholen alter Fehler zu vermeiden und dabei Ihre Kosten zu reduzieren.

10. Verwenden Sie ein intelligentes Datenmanagement, um zu ermitteln, welche interne und externe Business Intelligence Sie benötigen, um sich von der Konkurrenz abzuheben.

Sie können ein hochmodernes Datenmanagement dazu verwenden, Informationssilos zu zerlegen, sodass Sie die nötige Einsicht und Kontrolle erhalten, um Ihre Vision eines intelligenten Unternehmens zu verwirklichen.

Ein wichtiger Schwerpunkt ist der Datenaustausch mit Partnern. Verwenden Sie die verfügbaren Daten, um Ihre Innovationsvorlaufzeit zu verkürzen, indem Sie beispielsweise relevante Daten mit Ihrem Partner-Ökosystem teilen.

Ein anderer Schwerpunkt sind die heutigen Aufzeichnungssysteme. Sie können die in ihnen enthaltenen Daten ohne großen zusätzlichen Aufwand bei Ihrer S/4HANA-Implementierung nutzen, indem Sie Ihre Unternehmensstrategie in jeden Stream Ihres Transformationsprojekts einfließen lassen. S/4HANA verfügt über die nötigen Techniken, mit denen Sie dies erreichen können.

Geschäftlich motivierte Transformation

Diese zehn Empfehlungen sollen SAP S/4HANA-Programmmanagern dabei helfen, den Wert ihrer Migration zu maximieren. Sie machen deutlich, dass es sich um eine geschäftsorientierte Transformation handelt, für die eine einheitliche Geschäfts- und IT-Vision letztendlich in umsetzbare Änderungspläne umgesetzt werden muss.

 

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Markus Jakob
Erfahren Sie mehr darüber, wie wir mit SAP S/4HANA eine digitale Kerntransformation bereitstellen.

 

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