Neue Normalität erfordert neue Führung – weibliche Führungskräfte als Vorreiterinnen für eine stärkenorientierte Unternehmenskultur

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Neue Führungsanforderungen zeigen, wie wichtig ein weiblicher Führungsstil ist, der auf Authentizität, Diversität und emotionaler Intelligenz basiert.

Im Zuge der derzeit rasant steigenden Virtualisierung und Ungewissheit ändern sich bestehende Führungsmodelle. Wir erleben dies in Zeiten von Covid-19 unter anderem in den Medien: Politiker werden hinsichtlich ihres Krisenmanagements scharf beobachtet und kritisch beurteilt. Neue Führungskompetenzen wie Emotionale Intelligenz, Solidarität und Verbundenheit sind gefordert. Länder wie Neuseeland, Deutschland, Taiwan, Finnland oder Island werden weltweit für ihr effektives und erfolgreiches Krisenmanagement gelobt. Was haben diese Länder gemeinsam? Sie alle haben weibliche politische Führungspersönlichkeiten an der Spitze.

Die Geheimwaffen von Führungspersönlichkeiten in Zeiten der Krise und der Unsicherheit

Die erfolgreiche Bewältigung dieser Krise durch weibliche Führungskräfte bedeutet nicht unmittelbar, dass Frauen die besseren Führungskräfte sind. In turbulenten Zeiten wie diesen können wir vom weiblichen Führungsstil lernen, wie wichtig es ist, über eine starke emotionale Intelligenz zu verfügen und in der Lage zu sein, entschieden, aber mit Empathie zu führen und zu kommunizieren.
Eigenschaften und Fähigkeiten, die dem klassischen weiblichen Stereotyp entsprechen, sind im Handling der Krise derzeit gefordert: Eine eindeutige, erklärende Kommunikation, transparentes Arbeiten und stetige Präsenz schaffen Vertrauen innerhalb der Gesellschaft. Entscheidungen, die auf einer solidarischen Grundeinstellung beruhen, werden durch die Gesellschaft leichter akzeptiert und umgesetzt. Diese Erkenntnisse sind auch für die Führungsetagen von Unternehmen von höchster Bedeutung.
Wir haben uns mit drei erfolgreichen Frauen ausgetauscht und erfahren, wie sie in ihren Führungspositionen agieren: Christiane Noll, France Dequilbec und Ipek Ozsuer teilen Einsichten, wie sowohl Unternehmen im Allgemeinen als auch Frauen im Speziellen das Führen von Teams erfolgreich gestalten können.

Vorurteilen entgegenwirken

In der Geschäftswelt werden weibliche Führungskräfte im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen leider noch häufig für genau die Qualitäten belächelt, auf die es in Krisenzeiten ganz besonders ankommt. Empathie und Achtsamkeit gelten noch immer erschreckend oft als Schwäche im Unternehmensumfeld. Daraus resultiert eine der größten Fehlinterpretationen: Dass Frauen nur dann erfolgreich sein werden, wenn sie sich an ihre männlichen Kollegen – und das von Männern dominierte Führungsmodell – anpassen. Unsere Gesprächspartnerinnen empfehlen ganz entschieden, dem entgegenzuwirken. Frauen sollten ihre weiblichen Eigenschaften gerade jetzt in Zeiten der Ungewissheit selbstbewusster denn je einsetzen, authentisch und mutig sein, um Vertrauen und Respekt zu gewinnen. „Geben Sie Ihre Werte und Ihre Ethik nicht auf.“, rät Frau Dequilbec, Managing Director bei Female Executive Search.

„Lassen Sie Ihre Arbeit für sich sprechen.“ Frau Ozsuer, CIO and Head of Digital Transformation bei Bayer, bestätigt das: „Es ist wichtig, in die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Es geht nicht um Aussehen, sondern um Persönlichkeit und das, was Sie tun.“  Frauen sollten zuerst lernen, sich selbst zu führen und für sich selbst sprechen zu können, bevor Sie wirklich in der Lage sind, andere erfolgreich zu führen. Das findet auch Christiane Noll, Country Manager von Avanade, Österreich: „Man muss sich keine Hosen anziehen, um führen zu können.“ Wenn Sie also Ihren Lieblingsrock zum nächsten Meeting anziehen und beim Betreten des Raumes alle männlichen Augen auf sich gerichtet fühlen, dann hinterfragen Sie nicht, ob Sie überhaupt ernst genommen werden.

Sehen Sie sich darüber hinaus nicht in ihrer Flexibilität eingeschränkt, beispielweise aufgrund reduzierter Zeitarbeitsmodelle oder der Verantwortung gegenüber Ihren Kindern. Ändern Sie stattdessen Ihre Perspektive: „Es bedeutet nicht, dass das, was Sie liefern, nicht gut genug ist.“, berichtet Frau Ozsuer überzeugt. Frau Noll verdeutlicht diese Wichtigkeit ganz direkt: „Man muss aufstehen, seine Meinung sagen, sie kundtun.“ Es liegt in Ihrer Hand, das Wort zu ergreifen, neue Aufgaben zu übernehmen und proaktiv eine Führungsrolle im Team zu fordern. Frauen haben sich bereits durch ihren empathischen Führungsstil als erfolgreich erwiesen. Genauso wichtig ist es, dass sie lernen, sich selbst und ihrem Potenzial zu vertrauen, um selbstbewusster zu führen.

Stärken stärken und gemeinsam erfolgreich sein

Die geschlechtsspezifische Debatte um Führungsstile verdeutlicht, dass in Unternehmen stereotype Zuschreibungen für Frauen und Männern bestehen. Jede Dimension eines Führungsstils kann in unterschiedlichen Situationen als Stärke, aber auch als Schwäche ausgelegt werden. Frau Noll bestätigt dies: „Empathie ist häufig eine Stärke von Frauen. Es kann aber auch bedeuten, dass man Entscheidungen stärker abwägt. Empathie kann also eine Stärke und Schwäche zugleich sein. Die optimale Kombination sehe ich darin, aus unterschiedlichen Welten die Stärken zusammenzutragen. Das Führungsteam Mann und Frau ist ein sehr schönes Miteinander.“ Der Ansatz von Unternehmen, geschlechterspezifische Herausforderungen aus dem Arbeitsalltag zu adressieren ist auch aus unserer Sicht ein erster, richtiger Schritt. Spezielle Trainings, Vorträge und Kommunikationsmaßnahmen zu Themen wie Stereotypen, Vorurteile und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellen darauf zugeschnitten Initiativen für Frauen und Männer dar, die Unternehmen anbieten können. Darauf aufbauend sollte dieser Ansatz auf das gesamte Team und auf alle Mitarbeiter im Unternehmen erweitert werden, um die Stärken eines jeden Einzelnen zu fördern und zu nutzen. Stärken Sie die Stärken ihrer Mitarbeiter: Teilen Sie regelmäßig Sucess Stories in Ihrem Team und schaffen Sie Sichtbarkeit für „ungewöhnliche“ Stärken. Vertreten Sie im Unternehmen die Vorteile und Förderung der Zusammenarbeit von interdisziplinären Teams. Dadurch werden sie dazu beitragen, dass ein Mindset zur Unterstützung von Vielfalt über alle Ebenen hinweg entsteht. Wenn Diversity erst einmal etabliert ist, dann ist die geschlechterspezifische Debatte keine Frage mehr. Dies muss zum Ziel für die Zusammenarbeit in jedem Team werden.

Unabhängig von Alter oder Geschlecht werden durch Diversität unterschiedliche Ansichten und Ideen zusammengetragen und verschiedene Perspektiven berücksichtigt und integriert. Frau Ozsuer erweitert diesen Ansatz: “Jedes Individuum bringt Diversität mit. Es geht nicht nur um das Geschlecht. Es geht um die unterschiedlichen Kulturen, Ethnien, Persönlichkeiten und unsere Erfahrungen.“ „Ein bedeutender Wettbewerbsvorteil kann dann erreicht werden, wenn proaktiv eine integrative Unternehmenskultur aufgebaut wird“, ergänzt Frau Dequilbec.

Unsere Tipps für eine Unternehmenskultur der Inklusion

Als Führungskräfte erleben wir gerade, wie wichtig es ist, dass Teams auch in ungewohnten Lebenslagen und Arbeitsumfeldern zusammenhalten und gemeinsam Ziele erreichen. Diversität zu leben und diese als Vorbild voranzutreiben ist dabei eine unserer wichtigsten Aufgaben. Es gilt jetzt mehr denn je, die Stärken einer jeden Führungskraft und eines jeden Teammitglieds zu nutzen und zu fördern.

  • Bauen Sie Vertrauen und Verbundenheit auf:
    Durch eine regelmäßige, offene und transparente Kommunikation schaffen Sie auch in herausfordernden Zeiten ein festes Vertrauensverhältnis innerhalb Ihres Teams.
  • Fördern Sie Individualität:
    Inspirieren und stärken Sie ihr Team, individuelle Fähigkeiten und Kompetenzen mutig einzubringen. Auch Ihre Schwächen gilt es in Stärken umzuwandeln – treten Sie als Vorbild aus Ihrer Komfortzone heraus.
  • Schaffen Sie gemeinschaftliche Weiterentwicklung:
    Ermöglichen sie die Nutzung von Coaching-, Mentoring- oder Reverse-Mentoring-Formaten im Team. Teammitglieder können einander beraten, voneinander lernen und gemeinsam Strategien entwickeln.
Ein besonderer Dank gilt unseren Gesprächspartnerinnen und Vorbildern für weibliche Führungskräfte:
  • Christiane Noll, Country Manager (Avanade Österreich)
  • France Dequilbec, Managing Director (Female Executive Search by CEO Worldwide)
  • Ipek Ozsuer, CIO and Head of Digital Transformation (Bayer)

Danke an die Co-Autorinnen Isabelle Petzold und Annabel Durango.

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