Digitale Serviceplattformen in der intelligenten Industrie: 5 Bausteine zu einem digitalen Ökosystem

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Der erste Schritt zur intelligenten Industrie ist mit der digitalen Fabrik getan. Jetzt müssen die physischen Produkte digitale Komponenten erhalten und die Geschäftsmodelle transformiert werden.

Marco Tuchscherer, Capgemini

Der Wandel in der Fertigungsindustrie erreicht eine neue Stufe. Nach der Digitalisierung der Produktion werden jetzt auch die Produkte selbst digital angereichert. In der Intelligent Industry werden Hersteller zu Lösungsanbietern, Hardware-Produkte zu intelligenten Systemen. Kurzum, es findet eine Transformation von produktzentrierten hin zu kunden- und dienstleistungsorientierten Geschäftsmodellen statt. Hierfür ist eine Erweiterung des Kerngeschäfts um digitale Dienste notwendig. Die branchenübergreifende Digitalisierung der letzten Jahre hat dafür bereits den Grundstein gelegt. Mit Hilfe digitaler Plattformen lassen sich schnell, individuell und skalierbar, digitale Dienste kundenzentriert anbieten. Führende Experten teilen diese Ansicht, wie unsere aktuellste Studie der IT Trends 2020 zeigt.

Das Potenzial von Plattform-Ökosystemen: Ein Beispiel anhand von Smart Speakern

Primär eröffnen digitale Dienste neue Einnahmequellen. Vor allem in Kombination mit einer Integration von Partnern in Dienstleistungs-Ökosysteme lassen sich zusätzliche Geschäftsmodelle realisieren, sowohl im B2B- als auch im B2C-Umfeld. Gleichzeitig steigen Markteintrittsbarrieren. Ein bekanntes Beispiel eines plattformbasierten Dienstleistungs-Ökosystems ist Amazons Alexa. Auf Basis der Amazon Plattform werden eigene Services mit denen von Drittanbietern zu einem B2B2C-Ökosystem gebündelt und generieren mit Hilfe von Alexa Lautsprechern völlig neue Kundenerlebnisse (z.B. Steuerung von Heimautomatisierung über den Alexa Voice Assistent). Über die Alexa App lassen sich alle Dienste gleichermaßen konfigurieren und nutzen. Basierend auf den Nutzerdaten können letztlich individualisierte Dienste angeboten werden. Dieses Szenario zeigt, wie digitale Dienste neue Arten von Kundeninteraktion ermöglichen. Durch die digitalen Dienstleistungen verbessert sich das Nutzererlebnis physischer Produkte während die Wechselkosten von Endverbrauchern steigen.

Das „Wir“ gewinnt: Bündelung von Kernkompetenzen in Ökosystemen

Im Kontext von Industrie 4.0 lag der Fokus produzierender Unternehmen in den vergangenen Jahren auf der Digitalisierung ihrer produktbezogenen Wertschöpfungsketten. Die daraus entstandenen Grundlagen in den Bereichen Industrial IoT (IIoT), Industrie-Plattformen und Data Analytics können nun genutzt werden, um Produkte durch digitale, kundenzentrierte Dienste bzw. Gesamtlösungen zu ergänzen. Derzeit sind nur vereinzelt Initiativen im Manufacturing-Umfeld zu beobachten (z.B. Bosch eBike Connect oder BSH Home Connect), welche erfolgreich durch das sogenannte Servitization Marktanteile ausbauen. Die Mehrheit produzierender Unternehmen bietet zwar bereits Services für deren physische Produkte an. Diese stehen allerding zum jetzigen Zeitpunkt mehrheitlich nur dezentral zur Verfügung. Der nächste Schritt muss daher sein, die entsprechende Infrastruktur zu schaffen, um Dienste an einem zentralen Zugriffspunkt zu bündeln.

Zuallererst ist eine gesamtheitliche Service-Strategie, welche sich mit dem Servicekatalog, den Kanälen, den Domänen, sowie der technischen Infrastruktur befasst, zu entwickeln. Diese bildet die Grundlage, sich am Markt neu zu positionieren und ein plattformbasiertes Ökosystem zu etablieren. Hierbei werden digitale Dienste (auch in Verbund mit physischen Produkten) von Partnern in die eigene Plattform eingebunden, um Netzwerkeffekte zu erzielen. Je mehr Partner sich in einem Ökosystem ergänzen, desto höher der Wert des Plattform-Portfolios.

Optimal umgesetzt ist ein Ökosystem eine Partnerschaft von Akteuren, die folgende Ausprägungen mit sich bringen (vgl. Abb1):

Abb. 1: Charakteristika einzelner Akteure in einem Plattform-Ökosystem

Der Mehrwert eines Ökosystems ist daher die Summe der Charakteristika aller Einzelakteure, welche im Alleingang nicht holistisch geliefert werden können. Abb. 2 verdeutlicht das Zusammenspiel von Partnern in einem Ökosystem, ermöglicht durch eine digitale Serviceplattform.

Abb. 2: Aufbau eines exemplarischen Serviceplattform-Ökosystems

Ziel eines digitalen Service-Ökosystems muss es sein, für alle Beteiligten Synergien zu schaffen – ein nachhaltiges Modell, von dem jeder Einzelne profitieren kann, während ein greifbarer Mehrwert für die Kunden geschaffen wird. Der Enabler dafür ist eine technologiegestützte Plattform, die einen nahtlosen Übergang zwischen Customer Self-Service, Außendienst und Kundenkontaktzentrum bietet. Die Plattform muss auf einem umfassenden Technologiestack aufbauen, der Zusammenarbeit und gemeinsame Angebote ermöglicht. Dazu gehören Software, die in der Cloud, on-Premise und on-Edge bereitgestellt wird, sowie die Verwendung standardisierter APIs einschließlich des Zugriffs auf integrierte Schichten aus dem Ökosystem über eine einzige Benutzeroberfläche.

5 Bausteine für ein Serviceplattform-Ökosystem

Ein digitales Serviceplattform-Ökosystem setzt auf den folgenden fünf Bausteinen auf:

Plattformbasierte Ökosysteme, zugeschnitten auf Produkte und Services, helfen Unternehmen, sich zu diversifizieren und Markteintrittsbarrieren zu verstärken. Wie sich diese Chancen nutzen lassen und welche architekturellen Voraussetzungen eine nachhaltige IT-Implementierung digitaler Serviceplattformen gewährleisten, erfahren Sie im nächsten Beitrag.

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