Virtual Leadership: Wo sind denn alle? Und wie führt man Unsichtbare?

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Für Führungskräfte in der Consulting-Branche ist es Brot-und-Butter-Geschäft, wenn ihre Teams über verschiedene Standorte und Zeitzonen hinweg verteilt sind und persönlicher Kontakt selten ist. Aber für viele Unternehmungen kommt so ein Umbruch gefühlt überraschend und unvorbereitet: Und wenn sich bei Mitarbeitern dann Homeoffice und remote arbeiten durchsetzen, stehen viele Führungskräfte vor der Frage, wie man Menschen führt, die man gar nicht sieht.

Digitale Führung – jenseits von Aufgabenverteilung

Für uns bedeutet Führung im digitalen Zeitalter, einen Raum zu schaffen, in dem sich Menschen und Organisationen entwickeln können. Gute Führungskräfte leiten nicht nur an, sie laden alle zur Mitgestaltung gemeinsamer Ziele ein. Dabei handelt es sich um einen intensiven, situativen Prozess, der eine Balance aus Stabilität und Flexibilität erfordert. Der vielverwendete Begriff Achtsamkeit erfährt hier eine Renaissance. Aber wie kann man Achtsamkeit digitalisieren?

Virtuell heißt nicht unerreichbar

Wenn es um virtuelle Führung geht, erleben wir Digitalisierung nicht als Disruptor, sondern als Enabler. Während noch vor 25 Jahren Memos in Umlaufmappen normal und elektronische Bürokommunikation exotisch waren, sind Informationen heutzutage blitzschnell, hochauflösend und in unglaublichen Mengen verfügbar. Doch digitale Tools und Methoden können Führung nur ergänzen, nicht ersetzen. Wir sehen vier Hauptaufgabenfelder, um auch auf Distanz wirksam zu führen:

1. Identität bilden

Emotionale Ansprache und Storytelling vermitteln Leidenschaft und Verbindlichkeit, motivieren und schaffen Klarheit. So entsteht ein Wir-Gefühl.

Machen Sie alles wie sonst,- nur intensiver. Kontakte über digitale Medien benötigen mehr Intensität, eine höhere Frequenz und vor allem mehr Disziplin, weil sie sich nicht zufällig auf dem Flur oder der Kaffeeküche ergeben. Wöchentliche Jour Fixes oder Rituale können dabei helfen. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, sich auch spontan bei Ihren Mitarbeitern zu melden und lassen Sie Regeltermine nicht ausfallen. Und nur weil gerade keine Probleme auftreten, heißt das noch lange nicht, dass es nichts zu besprechen gibt.

2. Verbindlichkeit schaffen

Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Vertraulichkeit schaffen eine objektive Sicht auf Situationen und Herausforderungen sowie Integrität. Durch eine positive Feedbackkultur werden Experimentierfreude, Anpassungsfähigkeit und Lernwillen gefördert.

Nutzen Sie verschiedene Kommunikationskanäle und Medien. Unmittelbare Ansprachen über Social Media, sowohl persönlich oder in Gruppen, können auch spielerische Elemente enthalten. Mails sind eher dazu geeignet, eine schriftliche Verbindlichkeit zu schaffen. Und: wenn es wirklich wichtig ist, rufen Sie immer direkt an!

3. Teamgefühl fördern

Stärkenbasierte Teambildung geschieht durch Vertrauensaufbau und Befähigung. Authentizität schafft hier Begeisterung und löst Unsicherheit auf. Vorauszudenken, mutige Entscheidungen zu treffen und vor allem umzusetzen schafft den Rahmen, in dem ein Team Verantwortung übernehmen kann.

Gerade Telefonkonferenzen laden dazu ein, anhand einer festgelegten Agenda die Tagesordnungspunkte abzuhaken, um der „Sache Struktur zu geben“. Aber nutzen Sie auch Brainstorming-Methoden und binden Sie eine Runde „wie geht es Euch“ ein. Digitale Tools für Pulschecks können dabei helfen und auch Gamification-Ansätze fördern Ideenbildung und Gruppendynamik.

4. Netzwerke aufbauen

Der Aufbau von übergreifenden Strukturen erhöht die Innovationsdynamik des Teams und schafft Synergieeffekte im Unternehmen.

Denken Sie immer daran, nicht nur Sie sind woanders, das Team auch. Aber so wie Sie selbst durch digitale Mittel Brücken bauen können, können das auch die Teammitglieder untereinander und mit Kollegen aus anderen Bereichen. Nutzen Sie die ganze Bandbreite des digitalen Baukastens, um Wissen zu verbreiten, Erfahrungen auszutauschen, Probleme und Konflikte anzusprechen. Geben Sie Ihren Mitarbeitern Raum, um sich auszuprobieren und lassen Sie los, wenn Sie nicht gebraucht werden.

Das wichtigste ist jedoch: Haben Sie keine Angst, gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern neue Dinge auszuprobieren. Denn digitale Zusammenarbeit gelingt am besten mit einem starken, motivierten Team.

Vielen Dank an unseren Experten zu allen Themen rund um Change Acceleration und Virtualisierung Marc Gruber.

Erfahren Sie mehr zu den Themen Digital Workforce, Leadership und digitale Talente.

 

 

 

 

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