Self-Checkout Technologien – Das Ende der Warteschlange (?)

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Das Ende der Warteschlange? In dem ersten Beitrag unserer Blogreihe geben wir eine Übersicht der aktuellen Self-Checkout Technologien anhand von drei Anwendungsbereichen.

Kunden haben das Warten satt. Für europäische Einzelhändler bedeutet das einen potenziellen Umsatzverlust von über 34 Mrd. €, denn Kunden wechseln in andere Geschäfte oder brechen den Kauf komplett ab, wenn die Wartezeit an der Kasse zu lange ist.[1]

Das Thema Self-Checkout hat in den letzten Jahren an Relevanz gewonnen. Unserer Meinung nach liegt das an folgenden Faktoren: Steigende technische Akzeptanz und DIY Mentalität der Konsumenten, ein mehr und mehr durchgetakteter Tagesrhythmus sowie kleiner werdende Warenkörbe im stationären Einkauf. Alle diese Faktoren erhöhen die Attraktivität des selbstständigen Checkouts. Einzelhändler sind aufgrund alternativer Einkaufsmöglichkeiten in allen Warengruppen (ein Beispiel ist die Ausbreitung des Lebensmittel-Lieferdienstes Picnic) zusätzlich motiviert, steigenden Bedürfnissen gerecht zu werden. Self-Checkout bietet Konsumenten grundsätzlich Zeitersparnis und ein verbessertes Einkaufserlebnis. Einzelhändler können Personalkosten reduzieren und einen verbesserten Einblick in das Einkaufsverhalten ihrer Kunden bekommen.

Dass Einzelhändler sich mit dem Einsatz von Self-Checkout Technologien in Deutschland aktuell noch zurückhalten, mag an der Komplexität liegen. Die komplette Bandbreite der Systemlandschaft mit fortwährend neuen Checkout-Lösungen ganzheitlich zu durchblicken ist herausfordernd.

Lassen sie uns Klarheit schaffen: Technologien unterteilen sich in Stationäre Self-Checkout Terminals, Scan-and-Go Einheiten, Mobiles Scan-and-Go und Grab-and-Go.

Technologien-und-Anwendungsfelder-capgemini-invent
Abbildung 1: Technologien & Anwendungsfelder, Capgemini Invent

Stationäre Self-Checkout Terminals

Stationäre Self-Checkout Terminals werden bereits verstärkt als zusätzliche Zahlungsmöglichkeit neben herkömmlichen Kassen mit Personal angeboten. Kunden scannen die Produkte mit integriertem Barcode Scanner, oder die Produkte werden automatisch erkannt. Dafür sorgen RFID Produkt Label und integrierte Kameras, die mithilfe von Algorithmen Verpackungsinformationen erkennen und zuordnen können. Kunden können per Bargeld, Kreditkarte oder mit dem Smartphone per Payment-on-Demand bezahlen. In China gewinnt zudem der Checkout mit biometrischen Daten an Popularität. Kunden können per Gesicht- oder Fingerabdruckscan bezahlen. In Deutschland bleibt die Akzeptanz abzuwarten. 40% der Deutschen möchten vermeiden, dass Unternehmen Zugriff auf ihre biometrischen Daten erhalten, aber 41% sind der Meinung, es sei schneller und ein Drittel hält es für sicherer als andere Bezahlverfahren.[2]

Scan-and-Go Einheiten

Scan-and-Go Einheiten sind vom Einzelhändler bereitgestellte Devices, mit denen Kunden „on-the-go“ ausgewählte Produkte identifizieren und an einem Self-Checkout Terminal oder unmittelbar bezahlen können. Hier gibt es aktuell zwei Ausprägungen: Handscanner und Smarte Einkaufswagen. Mithilfe des Handscanners können Kunden Produkt Strichcodes scannen und ihren Warenkorb an einem Terminal bezahlen. Verstärkt gewinnen jedoch smarte Einkaufswagen, ausgestattet mit Kameras, Sensoren, Displays und Algorithmen zur Produktidentifikation, die Aufmerksamkeit von Einzelhändlern. Startups, darunter zum Beispiel Veeve oder WalkOut, erhöhen die Funktionalität kontinuierlich und ermöglichen es Kunden, Produkte nicht nur direkt zu bezahlen, sondern auch durch das Geschäft zu navigieren, passende Produkte und Rabatte zu finden oder nicht verfügbare Produkte online zu kaufen.

Mobiles Scan-and-Go

Das mobile Scan-and-Go Verfahren ermöglicht es Kunden mit ihrem Smartphone langen Warteschlangen zu entgehen. Kunden scannen ausgewählte Produkte mit der Kamera, die innerhalb der App in einem virtuellen Einkaufswagen festgehalten werden. Die Bezahlung geschieht ebenfalls in der App, dank hinterlegter Kreditkarte. Einzelhändler können auch eigene mobile Bezahlmöglichkeiten anbieten oder durch Payment-on-Demand Partner, wie Google Pay und Apple Pay, ermöglichen.

Grab-and-Go

Das Grab-and-Go Konzept basiert auf vollautomatisierter Produkterkennung und Bezahlung in unbemannten Ladengeschäften. Kunden identifizieren sich per In-App QR Code Scan, per Kreditkarte oder ihren biometrischen Daten bei Eintritt in das Geschäft. Die korrekte Produktidentifikation basiert vorrangig auf Computer Vision, Sensor Fusion und Deep Learning. Von Kameras und Sensoren aufgezeichnete Daten können in Echtzeit ausgewertet werden und ermöglichen die korrekte Zuordnung von Kunde und Produkt. Bei Verlassen des Geschäfts durch ein Checkout Portal wird die hinterlegte Kreditkarte automatisch mit den erworbenen Produkten belastet oder der Kunde bezahlt aktiv durch mobiles oder NFC Payment. Der wohl bekannteste Anbieter von Grab-and-Go Checkout ist Amazon mit Amazon Go.

Die technologischen Möglichkeiten für ein Einkaufserlebnis, das positiv in Erinnerung bleibt, sind vielfältig. Einzelhändler, die jetzt nicht die ersten Schritte in Richtung Self-Checkout gehen, verlieren an Relevanz, denn der Kunde hat schon zu lange gewartet.

Haben Sie Interesse an diesem Thema? Sprechen Sie uns gerne an und freuen Sie sich auf die kommenden Blogbeiträge dieser Reihe. In den nächsten Beiträgen zeigen wir eine Marktübersicht zu Self-Checkout Technologien und wie Sie die beschriebenen Technologien optimal einsetzen können.

Vielen Dank an die Autoren Linda Heilen & Felix Harmuth.


[1]  Adyen (2018), „Retail Report Europa“

[2] Paysafe (2019), „Lost in Transaction: The end of risk?“

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