Abschied von der Wegwerfwirtschaft – Ein Umdenken hin zu geschlossenen Kreisläufen

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2020 – eine neue Dekade hat begonnen und bringt ganz neue Möglichkeiten mit sich. Neue Chancen, um den globalen Ressourcenverlust auszubremsen. Neue Perspektiven, um das globale Müllproblem zu lösen. Neue Aussichten, um den Energieverbrauch zu schonen. Neue Hoffnung für den Kampf gegen den Klimawandel.

In unserem letzten Blogbeitrag:4 Mythen aufgeklärt – Nachhaltigkeit ist mehr als nur ein teurer Öko-Trendkonnten wir aufzeigen, dass nachhaltiges Handeln weitaus mehr ist als teure Symbolpolitik. Die Dringlichkeit und der Druck auf Wirtschaft und Politik zu einem nachhaltigen Umgang mit endlichen Ressourcen ist aktueller denn je. Jedoch auch wenn sich die Erkenntnis immer mehr durchsetzt, dass ein nachhaltiges Kreislaufdenken zu einer Verbesserung der aktuellen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Lage beiträgt, haben wir noch einen langen Weg vor uns. Nachhaltigkeit basiert im Kern auf einem integrativen Ansatz, der Umwelt, Gesellschaft und Governance Faktoren vereint und langfristig nur erfolgsversprechend ist, wenn ein Umdenken im gesamten Unternehmen verankert wird. Essenziell dafür ist ein radikaler Abschied von einem seit der Industrialisierung vorherrschenden linearen ökonomischen Modell („Wegwerfwirtschaft“ – beschaffen, produzieren, nutzen und wegwerfen) hin zu einer Kreislaufwirtschaft, als regeneratives System.

Abbildung 1 Wegwerfwirtschaft Capgemini Invent
Abbildung 1: Wegwerfwirtschaft

 Was ist die Kreislaufwirtschaft?

Der deutsche Begriff „Kreislaufwirtschaft“ wird oft gleichgestellt mit fachgerechtem Recycling. Die Grundidee der „Circular Economy“ geht aber weit darüber hinaus, mit dem Ziel durch das Verlangsamen und Schließen von Kreisläufen den Ressourceneinsatz, Abfallproduktion, Materialverluste, Emissionen und Energieverschwendung zu minimieren. Wahre Kreislaufwirtschaft muss viel weniger von der Müllverwertung her gedacht werden und stärker vom Produktdesign und Produktionsprozess. Hierbei beruht das Konzept auf folgenden, grundlegenden Prinzipien

  • Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen und erneuerbaren Energien
  • Maximierung der Nutzungsdauer von Wirtschafts- und Konsumgütern zur Verlängerung des Produktlebenszyklus
  • Wiederverwertung von Materialien und Rohstoffen zur Vermeidung von Abfall und Umweltverschmutzung
  • Regeneration natürlicher Systeme

Das Modell der Kreislaufwirtschaft verspricht nachhaltiges Wirtschaften zu belohnen – und das nicht nur mit Karmapunkten. Die Circular Economy ist zwar positiv für die Umwelt, generiert aber auch einen wesentlichen wirtschaftlichen Mehrwert (Business Value). Erfolgreiche Unternehmen von heute beweisen welche Chancen ein Umdenken haben kann und wie man durch die Schließung von Kreisläufen von erhöhter Rentabilität, mehr Effizienz, weniger Abfall, weniger Haftungsrisiken, besseren Geschäfts- und Kundenbeziehungen sowie dem resultierenden positiven Image profitieren kann. Auf folgenden Wegen werden Mehrwerte für Unternehmen, Kunden, Mitarbeiter und unsere Gesellschaft im Allgemeinen generiert:

Abbildung 2 Wirtschaftlicher Mehrwert der Kreislaufwirtschaft Capgemini Invent
Abbildung 2: Wirtschaftlicher Mehrwert der Kreislaufwirtschaft

Wie funktioniert das geschlossene System?

Eine Kreislaufwirtschaft versucht, Kapital wiederaufzubauen, sei es finanziell, menschlich, technisch, sozial oder natürlich. Dadurch werden die Waren- und Dienstleistungsströme optimiert. Das Systemdiagramm der Ellen MacArthur Foundation veranschaulicht den kontinuierlichen Fluss von technischen und biologischen Materialien durch den „Wertekreislauf“. [1]

 

Abbildung 3 Wertekreislauf der Ellen MacArthur Foundation Capgemini Invent
Abbildung 3: Wertekreislauf der Ellen MacArthur Foundation

Ein neues Denkmuster – in Kreisen

Durch die Kreislaufwirtschaft wird eine Welt voller neuer Möglichkeiten eröffnet und die Art und Weise, wie wir Produkte herstellen, nutzen und entsorgen, neu überdacht. Produkte müssen so entworfen werden, dass sie immer wieder in ein System zurückgeführt und „wiederhergestellt“ werden können, um somit Lieferketten zu schließen. Dies ist nur durch einen radikalen Perspektivenwechsel möglich. Unternehmen sind aufgefordert, ihre überholte Grundeinstellung der Wegwerfwirtschaft abzulegen und sie durch neues, integratives und zirkuläres Denken zu ersetzten. Das neue Denkmuster wird durch ein Wortspiel verdeutlicht:

Abbildung 4 Lineares vs. zirkuläres Denken Capgemini Invent
Abbildung 4: Lineares vs. zirkuläres Denken

Ein Umdenken ist möglich. Innovatives und kreatives Denken in Kreisen können neue Chancen für Unternehmen eröffnen. So haben wir bei Capgemini mit der Retail Sustainability Lösung „Circle“ zum Beispiel aufzeigen können, wie eine Win-Win-Situation für die beteiligten Kunden (Käufer & Verkäufer), den Händler sowie auch für die Umwelt (weniger Abfall und bessere Nutzung der Ressourcen) geschaffen werden kann.

Als Gesellschaft allgemein sind wir allerdings weit entfernt von diesem neuen Denkmuster in geschlossenen Kreisen. Die Circularity Gap Studie der holländischen Plattform „Circle Economy“ stellte fest, dass die Weltwirtschaft nur zu 9% zirkular ist. Nur 9% der 92,8 Milliarden Tonnen Mineralien, fossilen Brennstoffe, Metalle und Biomasse, die jährlich in die Wirtschaft gelangen, werden wiederverwendet. Das Potenzial ist also bei Weitem nicht ausgeschöpft.

Kreislaufwirtschaft mit Zukunftspotential

Der Ansatz der Kreislaufwirtschaft birgt enormes Potenzial für Unternehmen. Noch klingt es utopisch, dass wir Ressourcen ins Endlose wiederverwerten können und keine Abfälle produzieren. Die Erkenntnis für uns alle sollte aber sein: Wenn wir unsere Ressourcen, Produkte, ihre Komponenten, aber auch Dienstleistungen so lange wie möglich im wirtschaftlichen Lebenszyklus halten, könnten wir unsere Abfall- und Klimakrise durchaus in Wohlstand und finanziellen Gewinn umwandeln. Hierfür benötigt es aber einen Paradigmenwechsel im Denken und Veränderung des Handelns von jeder Einzelperson bis hin zur staatlichen Ebene.

Stay tuned!

Vielen Dank an die Co-Autorinnen Michaela Scalisi und Jenna Wichmann.

[1] https://www.ellenmacarthurfoundation.org/circular-economy/concept/infographic

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