Nachhaltigkeit – vom Buzzwort zum Wettbewerbsvorteil

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Bei vielen Unternehmen sind die Notwendigkeit und der Mehrwert einer Investition in nachhaltige Verpackungen und Kreislaufwirtschaftsprinzipien noch nicht angekommen. Oft wird es lediglich als Wohltätigkeitsprojekt und Symbolpolitik betrachtet, anstatt als integraler Bestandteil der Geschäftsstrategie. Aber wie genau beeinflusst Nachhaltigkeit die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens?

Nachhaltigkeit. Es ist ein großer Begriff und ein Konzept, das sich seit den 1970er Jahren entwickelt. Vor einigen Jahrzehnten war es nur eine Nischenbewegung. Seit Initiativen wie Fridays for Future und erschreckenden Klimaextremen ist es jedoch fest im Weltbild der Mainstream-Gesellschaft verankert worden.

Wenn man über Nachhaltigkeit spricht, ist es leicht, sich in Statistiken, Metriken und der Politik der Zeit zu verzetteln und dabei die eigentliche Bedeutung des Wortes zu vergessen. An seinen Wurzeln steht ein einfaches Prinzip: Alles, was wir für unser Überleben benötigen, hängt direkt oder indirekt von unserer natürlichen Umwelt ab. Nachhaltigkeit zu verfolgen bedeutet, Bedingungen zu schaffen, unter denen wir langfristig im Einklang mit der Natur agieren und leben können.

Es ist kein Geheimnis, dass der Status Quo unserer Lebensgewohnheiten unter dieser Interpretation nicht nachhaltig ist. Infolgedessen ist aktuell auch im Handel und der Konsumgüterindustrie ein Erwachen im Gange, insbesondere in Bezug auf die Auswirkungen der Verpackungen unserer Alltagsprodukte. Laut der EU Kommission erzeugen die Europäer jedes Jahr 25 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle. Leider werden aktuell nicht mal 30% dieses Kunststoffmülls für das Recycling gesammelt. Am Ursprung dieser Tatsache liegen die Produzenten, die in ihrem Verpackungswahn Plastikmengen in Umlauf bringen, die in keinem Verhältnis zu ihrem Inhalt stehen. Wir alle haben die Erfahrung gemacht einen Artikel zu kaufen, der wie eine russische Puppe in unzähligen, meist überflüssigen Lagen von Plastik, Karton, Weißblech, Glas oder Aluminium eingehüllt, umrahmt und dekoriert ist. Kein Wunder also, dass die kollektive Konsumgüter- und Einzelhandelsbranche vor einer mächtigen Imagekrise steht. Das Umweltbewusstsein steigt und Verbraucher verlangen von Unternehmen verantwortungsbewusster zu wirtschaften. Zwei Buzzwörter die in diesem Sinne immer wieder ins Spiel kommen sind „Nachhaltige Verpackung“ und „Kreislaufwirtschaft“.

Nachhaltige Verpackung und Kreislaufwirtschaft – mehr als nur Buzzwords

„Nachhaltige Verpackung“ ist ein Begriff, der im ersten Moment etwas kontrovers erscheint. Am nachhaltigsten ist doch die Verpackung die es nicht gibt, oder nicht?  

Dabei sind Verpackungen alternativlos. Wie sonst sollen essentielle Funktionen wie beispielsweise Schutz der Ware und Transportmöglichkeit gewährleistet werden? Ein gutes Beispiel hierfür ist die Salatgurke in der Plastikfolie, die im Lebensmittelhandel zum Symbol allen Übels geworden ist. Diese Plastikfolie erfüllt eine wichtige Schutzfunktion, ohne die die Früchte oft ihre Reise von Südeuropa nach Deutschland nicht überstehen und tonnenweise unnötig abgeschrieben werden müssen. Die Abschaffung der Folie ist somit als Symbolpolitik für den Kunden zu bewerten, denn in der Ökobilanz sind die Lebensmittelverschwendung und die zusätzlichen Transportkapazitäten viel schlimmer als das eingesparte Plastik. Verpackungen vollständig zu eliminieren ist unrealistisch. Vielmehr geht es darum Verpackungslösungen zu finden, die die Umweltbelastung reduzieren. Unter dem Dachbegriff der nachhaltigen Verpackung handelt es sich, vereinfacht gesprochen, um erneuerbare, recycelbare oder biologisch abbaubare Lösungen, die den ökologischen Fußabdruck verringern sollen. Dieser Begriff geht oft Hand in Hand mit den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, die dafür plädieren Produkte zu schaffen, die langlebig, leicht wiederzuverwenden oder zu recyceln und rentabel sind.

Bei vielen Unternehmen sind die Notwendigkeit und der Mehrwert einer Investition in nachhaltige Verpackungen und Kreislaufwirtschaftsprinzipien noch nicht angekommen. Oft wird es lediglich als Wohltätigkeitsprojekt und Symbolpolitik betrachtet, anstatt als integraler Bestandteil der Geschäftsstrategie. Dass Investitionen in Bezug auf unternehmerische Gesellschaftsverantwortung einen positiven Einfluss auf den Markenwert und die finanzielle Performance eines Unternehmens haben, ist ihnen oft nicht bewusst. Aber wie genau beeinflusst Nachhaltigkeit die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens?

 Wettbewerbsvorteil durch Nachhaltigkeit – wie das?

Ein an Kundenerwartungen orientiertes Wirtschaften ist für den Unternehmenserfolg essentiell. Nicht nur das neue Verpackungsgesetz, das am 1.1.2019 in Deutschland in Kraft getreten ist, sondern auch Konsumenten fordern verstärkt ein grundlegendes Umdenken in Punkto nachhaltige Verpackungslösungen.

Immer mehr Verbraucher werden sich der Umweltauswirkungen ihrer Kaufgewohnheiten bewusst und bevorzugen vermehrt Unternehmen, die gleichermaßen Schritte zur Reduzierung ihrer Umweltbelastung ergreifen. Laut einer globalen Studie von Globalwebindex wären über 57% der Kunden sogar bereit, eine so genannte „grüne Prämie“ für ein Produkt zu zahlen, wenn es in umweltfreundlichen Verpackungen angeboten wird.

Auch wenn ein Umdenken für Unternehmen auf den ersten Blick unbequem erscheinen mag, so werden sie mit nachhaltigem Pioniergeist langfristig für ihr Engagement belohnt. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass eine Einführung von nachhaltigen Geschäftspraktiken nicht nur zu einer Minimierung des Risikos von Ertragseinbußen und Kostensteigerungen führt, sondern auch zu einer Gewinnsteigerung von ca. 51% über den Zeitraum von 3 Jahren. Auf der anderen Seite besteht jedoch genauso die Gefahr, dass Unternehmen ihre Markenidentität beschädigen, sollten sie die gesellschaftliche „Go-Green“ Welle und ihre eigene Ökobilanz ignorieren.

Nachhaltig Sein oder Nichtsein – ist das immer noch die Frage?

Aus einer Nischenbewegung ist nun ein Anliegen für jedermann geworden. Nachhaltigkeit ist keine Option mehr, sondern ein Muss für alle Unternehmen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie. Wir haben ein Menü von Ansätzen definiert, um dieses „wie“ zu knacken. Ob es darum geht Abfall als Ressource neu zu denken, Verbraucher über nachhaltigen Konsum aufzuklären oder digitale Möglichkeiten zu nutzen – in unserem nächsten Blog erläutern wir, wie sich aus unserer Perspektive Nachhaltigkeit nicht nur für das gute Gewissen, sondern auch für den Geldbeutel auszahlt.

Vielen Dank an die Co-Autorinnen Anna Bölling und Jenna Wichmann.

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