Ruin durch Know Your Customer Sorgfalt? Nicht zwangsläufig!

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Heutige KYC Prozesse sind risikoreich, ineffizient und verhindern eine angenehme Customer Experience. Digitale und günstige Lösungen sind vorhanden – warum werden diese von deutschen Finanzinstituten nicht genutzt?

Verletzungen rund um Know Your Customer (KYC) führen zu vielfach diskutierten Risiken, münden in hohen Strafzahlungen und Reputationsverlusten, im schlimmsten Fall droht der Entzug der Banklizenz. Banken versuchen mit größtenteils manuellen Maßnahmen, massivem Mitarbeitereinsatz und intensiven Onboarding- und Review-Prozessen gegenzusteuern, dies geschieht jedoch hauptsächlich zulasten der Kunden. Ausländische Banken sind hier weit voraus – effiziente Lösungsansätze zur Digitalisierung und Automatisierung des KYC Prozesses sowie Integration in den Customer Lifecycle Management Prozess sind hier Standard. Trotz kurzem Amortisationszeitraum der Digitalinvestitionen verhalten sich deutsche Finanzinstitute sehr zurückhaltend und nutzen keine zeitgemäßen Lösungen.

Drohenden Strafzahlungen stehen hohe operative und administrative Aufwendungen gegenüber: KYC – vermeidbare finanzielle Belastungen

Seit der Finanzkrise 2008 wurden für Complianceverstöße Strafzahlungen in Höhe von $208 Mrd. verhängt, dies ist etwa mit dem Bruttoinlandsprodukt von Peru zu vergleichen. Die vergangenen Jahre zeigen, dass insbesondere KYC Verletzungen mit Strafen im hohen dreistelligen Millionenbereich geahndet werden. Zusätzlich führt die wiederholte Nichteinhaltung von KYC Anforderungen zu häufigeren Kontrollen oder kann eine permanente Aufsicht durch Behörden nach sich ziehen. Klar, dass hierdurch nicht nur ohnehin schon knappe Ressourcen gebunden, sondern auch interne Geschäftsprozesse zusätzlich belastet werden. Rasante regulatorische Änderungen, unter anderem die Implementierung von AML Directiven sowie Compliance mit „FinCEN’s Final Rule on CDD“, setzen Banken zunehmend unter Druck.

KYC Prozesse sind aktuell noch mit erheblichen Ineffizienzen verbunden, bieten ein hohes Optimierungspotential und stellen einen der wesentlichen Kostentreiber in der Finanzdienstleistungsbranche dar:

Ruin durch Know Your Customer Sorgfalt Capgemini Invent

Warum auch der Kunde unter KYC Prozessen leidet:

Deutsche Finanzinstitute müssen sich bewusst machen, dass der KYC Prozess wesentlicher Bestandteil der Customer Experience ist. In einem wettbewerbsintensiven Umfeld werden Kunden von langen Konteneröffnungsprozessen abgeschreckt. Die regelmäßige Aktualisierung der persönlichen Daten ist für den Kunden mühsam und ein wiederholter Informationsbedarf seitens der Bank wird schnell als Belästigung gesehen. Eine von Fenergo in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass Geschäftskunden während ihres Onboarding Prozesses durchschnittlich zehnmal kontaktiert und dabei bis zu 100 Dokumente einreichen müssen. Der Trend zum Outsourcen von KYC Prozessen an Nearshore Servicecenter trägt ebenfalls nicht zu einer Verbesserung der Customer Experience bei. Trotz der Bemühungen deutscher Banken, diese personalintensiven Tätigkeiten in Niedriglohnländer auszulagern, ergab sich in einer Studie von GLEIF, dass 6 von 10 der befragten leitenden Vertriebsmitarbeiter, immer noch rund 27 % ihrer Arbeitszeit mit dem Onboarding neuer Kundenorganisationen verbringen. Gerade aufgrund dieser Ressourcenbindung verschwindet beispielsweise für Filialbanken der Wettbewerbsvorteil einer persönlichen und individuellen Kundenbetreuung.

Ist ein manueller KYC Prozess die Lösung?

Die genannten Compliance- und Reputationsrisiken können zwar mit den in deutschen Banken aktuell genutzten KYC Prozessen größtenteils minimiert werden, jedoch fast ausschließlich mithilfe von hochgradig manuellen, ressourcenaufwändigen und komplexen Prozessen. Adverse Media Screening wird beispielsweise durch manuelle Recherche auf einschlägig bekannten Internetseiten durchgeführt. Schon seit einigen Jahren gibt es hingegen ausgereifte Technologien, die automatisiert über 100.000 Nachrichtenquellen in Echtzeit abfragen, um den geforderten 360°-Review des Neukunden zu gewährleisten. Notwendige Dokumentenprüfungen bei Geschäftskunden werden aktuell noch in Handarbeit, mittels Abfrage diverser Handelsregister oder der manuellen Prüfung von Meldebescheinigungen, abgewickelt. Die Verarbeitung der gesammelten Informationen führt zu weiteren zeitraubenden und fehleranfälligen Prozessen (bspw. Sammlung von E-Mails, Briefen und Einarbeitung in Excel-Tabellen, Scan).

Warum also nicht von bereits vorhandenen digitalen Lösungen profitieren?

Das Ziel muss ein in die Customer Journey integrierter, automatisierter und standardisierter KYC Prozess sein. Wir beobachten jedoch, dass deutsche Finanzinstitutionen keinen Überblick über die im Markt existierenden Lösungen und deren Nutzenpotential haben. Produktinnovationen und Weiterentwicklungen verschiedener Lösungsanbieter eröffnen Entscheidern in der Finanzbranche einen Hebel zu Kostenersparnissen bei überschaubarem Invest. Capgemini Invent bietet Implementierungs-Know-how, sowie eigenen Prototypen. Mithilfe eines Maturity Assessments und einer Bottom-Up Analyse wird das Automatisierungspotential des vorhandenen KYC Prozesses identifiziert und die Effizienz der operativen Prozesse bestimmt. Auf Basis dieser Analyse werden die Use Cases mit dem größten Nutzen-/Kostenverhältnis identifiziert und dazu effizienz-gesteuerte Prototypen entwickelt, getestet und implementiert. Finanzinstitutionen können durch diese Investitionen in einen integrierten, automatisierten und standardisierten KYC Prozess eine Differenzierung zu Wettbewerbern schaffen und durch eine digitale KYC Plattform Skaleneffekte und damit einen Vorteil gegenüber kleineren Markteinsteigern erzielen.

Auch wenn Aufsichtsbehörden keine Preise für technologisch fortschrittliche Maßnahmen verleihen, verlangen sie funktionierende und sich den neusten Anforderungen unverzüglich anpassende Systeme. Unser Portfolio beinhaltet praktische, web-basierte Lösungen, die innerhalb kürzester Zeit mit geringem Ressourcenaufwand implementiert werden können.

Vielen Dank an die Co-Autorin: Lisa Suhr.

Quellen:

  • Fenergo TEI Studie
  • Gleif Blog
  • Thomson Reuters KYC Global survey 2017

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