Partner mit Potenzial: Wie Start-ups das Digitale Patienten-Ökosystem herausfordern

Publish date:

Digitale Technologien revolutionieren die Life-Sciences-Branche und ermöglichen neue, patientenzentrierte Geschäftsmodelle. Pharmaunternehmen allein verfügen jedoch selten über die nötige Innovationskraft, während Start-ups nicht über die nötige Liquidität und Infrastruktur für die dauerhafte Markteinführung ihrer Ideen verfügen. In Kombination jedoch sind sie stark.

Miriam Estrada, Capgemini

Vor kurzem hatte ich das Vergnügen, das Berliner Start-up LabTwin zu besuchen. Dort entwickeln sie den ersten sprachgesteuerten digitalen Laborassistenten – ähnlich einer Siri oder Alexa, nur eben mit einer Art Doktortitel. Wir hatten die Möglichkeit, den aktuellen Prototyp (Wake Word, „Avocado!“) zu testen und ich war von der präzisen als auch lückenlosen Dokumentation des wissenschaftlichen Vokabulars beeindruckt. Die sprachgesteuerte Technologie ermöglicht eine freihändige Echtzeit-Dokumentation von Arbeitsprozessen und integriert Natural Language Processing (NLP), intelligente Sensoren und künstliche Intelligenz (KI), um Experimente transparent und mit Zeitstempel versehen durchzuführen bzw. zu dokumentieren. Durch die Ergänzung mit drahtlos verbundenen Laborgeräten, wie z.B. Analysenwaagen und Thermometern, können auch menschliche Fehler reduziert werden, wodurch die Genauigkeit und Reproduzierbarkeit erhöht wird. Dies ist insbesondere für Industrielabore revolutionär. Es verspricht nicht nur, die Arbeit der Wissenschaftler zu erleichtern, sondern wird auch bei den pharmazeutischen Aufsichtsbehörden für Wohlwollen sorgen.

Mich ließ diese Erfahrung über den jüngsten Start-up-Boom nachdenken und wie sich die Life-Sciences-Branche an die sich entwickelnden patientenzentrierten Geschäftsmodelle anpassen muss: Wie also kann Big Pharma am besten von diesen neuen Trends profitieren?

Eine Scheibe vom digitalen Gesundheitskuchen abschneiden

Derzeit werden eine ganze Reihe von Unternehmen gegründet, die intelligente Lösungen für die größten Herausforderungen des Gesundheitswesens anbieten. Sie bedienen die Trends in den Bereichen künstliche Intelligenz, NLP, Quantencomputer, Blockchain wie auch Predictive Analytics und versprechen das „next big thing“ in der pharmazeutischen Entwicklung zu werden.

Im Rahmen ihrer Digitalisierungsbemühungen haben viele der großen Spieler der Pharma- bzw. Life-Sciences-Branche deshalb eigene Start-up-Inkubatoren und Accelerator-Programme gestartet, wie z.B. J&Js JLABS und Bayers Grants4Apps. Deren Ziel ist es, begabte Start-up-Unternehmer zusammenzubringen, sie mit dem nötigen Kapital auszustatten und von der nächsten großen Errungenschaft in der digitalen Innovation zu profitieren. Aber ist es wirklich so einfach?

Aufbau eines ganzheitlichen Ökosystems von digitalen Lösungen

Eine große Hürde, die es bei diesen Partnerschaften und Innovationen zu überwinden gilt, sind die Silos der bisherigen digitalen Lösungen. Patienten möchten nicht mehrere Apps herunterladen, verschiedene Konten verwalten, ihre Daten unzählige Male teilen und sich dazu noch an die Aufgaben jeder einzelnen App erinnern. Der wahre Wert liegt somit darin, Technologien und Lösungen zu konsolidieren, bestehende Schnittstellen zu nutzen und die Patienten an einem – virtuellen – Ort zusammenzuführen, in einem Digitalen Patienten-Ökosystem.

Trotz dieser Herausforderungen sind Technologie-Start-ups und Life-Sciences-Unternehmen, im Guten wie im Schlechten, eine symbiotische Verbindung eingegangen. Allein verfügen Pharmaunternehmen nicht über die nötige Innovationskraft, während Start-ups auf der anderen Seite nicht über die nötige Liquidität und Infrastruktur für die dauerhafte Markteinführung ihrer Ideen verfügen. In Kombination jedoch sind sie stark.

Gezielte Ansätze geboren aus einer symbiotischen Beziehung

Die Zeiten des one-size-fits-all-Ansatzes sind vorbei. Life-Sciences-Unternehmen erkennen die Notwendigkeit maßgeschneiderter Behandlungen und suchen daher nach neuen Wegen, um ihre Portfolios unter Beibehaltung der Profitabilität zu diversifizieren. Neue Ansätze, mit denen auch kleine Patientengruppen beispielsweise durch personalisierte Medizin oder die Entwicklung von Therapien für seltene Krankheiten angesprochen werden können, ermöglichen der Pharmaindustrie trotz der kleinen Marktgrößen einen auskömmlichen Return on Investment. Diese Vielfalt ist vor allem auf strategische Partnerschaften mit kleinen Unternehmen (Start-ups, Biotech, digitale Innovatoren) zurückzuführen, die die Türen für gezielte Therapien geöffnet haben.

Das Beispiel von GSK und 23andMe

Ein Beispiel für diesen Erfolg ist die Zusammenarbeit zwischen GSK und 23andMe, einem Unternehmen, das Gentests für Einzelpersonen anbietet, um mehr über ihre Abstammung und die Geheimnisse ihrer DNA zu erfahren. Mit Hilfe dieser umfangreichen genetischen Datenbank möchte GSK die Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten verbessern. Letztlich können effektivere Präzisionsmedikamente entwickelt, Patientensubgruppen, die eher von individuellen Behandlungen profitieren werden, identifiziert und gezielt Patienten für klinische Studien rekrutiert werden.

Indem sich Life-Sciences- und Healthcare-Unternehmen mehr auf die Entwicklung patientenorientierter Produkte sowie Dienstleistungen konzentrieren, können sie durch die Partnerschaft mit innovativen digitalen Playern bessere Kundenbeziehungen aufbauen und der Nachfrage nach maßgeschneiderten Lösungen gerecht werden. Mit Hilfe eines Digitalen Patienten-Ökosystems wird es Pharma- und Gesundheitsunternehmen auch gelingen, die Datensilos zu überbrücken. Die direkte Verbindung mit den Patienten fördert den Informationsaustausch und verbessert letztlich die Gesundheit der Patienten. In Anbetracht aller Vorteile, die es durch den Aufbau starker Partnerschaften gibt, freue ich mich definitiv darauf, künftig öfter „Avocado“ zu sagen.

Die wichtigsten Trends rund um das digitale Patienten-Ökosystem und Lösungen für die sich verändernde Life-Sciences- und Healthcare-Branche fasst unser Whitepaper zusammen: https://www.capgemini.com/de-de/research/digital-patient-ecosystem/

Digitale Laborassistenzlösungen zum Anfassen präsentieren wir am 12. September 2019 auf dem Capgemini Digital Life Sciences Day in München.

Weitere Posts

Life Sciences

Das digitale Labor: Smart, effizient, sicher

Dr. Helena Gruhn
Date icon August 9, 2019

Ohne Data Science keine Life Science, sagt Annette Hellbach im dritten Teil unserer Blogreihe...

cookies.

Mit dem Fortsetzen des Besuchs dieser Website akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.

Für mehr Informationen und zur Änderungen der Cookie-Einstellungen auf Ihrem Computer, lesen Sie bitte Privacy Policy.

Schließen

Cookie Information schließen