Künstliche Intelligenz: wer braucht eigentlich einen KI-Beauftragten?

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Künstliche Intelligenz (KI) bietet viele Chancen, ihr Einsatz zieht aber auch weitreichende Veränderungen nach sich. Dennoch benötigen nicht alle Unternehmen einen KI-Beauftragten.

Fabian Schladitz, Capgemini

Neulich sprach mich ein CIO an, ob er für den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) einen KI-Beauftragten benennen sollte. Interessante Frage, dachte ich. Allerdings kamen mir gleich noch weitere in den Sinn: Welche Voraussetzungen muss dieser neue Kollege oder die Kollegin mitbringen, wo wäre er oder sie in der Organisation angesiedelt und was wären die Aufgaben?

 

 

Schwerpunkt definieren: KI-Technologie oder -Change Management

Unsere aktuelle IT-Trends-Studie zeigt, dass das Aufgabenspektrum eines KI-Beauftragten sehr stark von den Voraussetzungen im Unternehmen abhängt: Werden eher technische Kompetenzen benötigt oder geht es darum, die Mitarbeiter ins Boot zu holen und Einsatzszenarien zu entwickeln? Wenn es in erster Linie um die technischen Kompetenzen geht, sollte die IT-Abteilung ihr Know-how ausbauen und zwar durch neue Mitarbeiter oder Hilfe von außen. In diesem Fall benötigt das Unternehmen möglicherweise keinen KI-Beauftragten.

Eine ganz andere Situation liegt vor, wenn die Fachabteilungen KI gegenüber skeptisch eingestellt sind. Die Studienergebnisse aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen, dass die Einführung von KI ohne den Zuspruch der Fachabteilungen schwierig wird, auch wenn Geschäftsleitung und CIO begeistert sind. Ein KI-Beauftragter liefert in dem Fall wichtige Unterstützung, da er die Diskussion rund um die Vor- und Nachteile der KI-Nutzung moderieren und das notwendige Change Management steuern kann.

KI-Anwender in Fachabteilungen favorisieren Automatisierung und Analyse

Die Studienergebnisse zeigen weiterhin, was Fachabteilungen an KI-Technologien am meisten schätzen: die Möglichkeit zur Automatisierung manueller Arbeiten. Vermutlich versprechen sich viele Mitarbeiter davon, zeitfressende Routineaufgaben der Technologie zu überantworten, um so ihre Expertise mehr und effektiver einbringen zu können. Eine Entlastung durch menschliche Kollegen dürften die meisten aufgrund des Fachkräftemangels für wenig realistisch halten.

Recht positiv bewerten Fachabteilungen außerdem die Nutzung zur intensiven Datenanalyse und zur Vorhersage des Verhaltens von Kunden, Maschinen oder des Marktes. Weniger Anklang findet KI im deutschsprachigen Raum bei deutlich komplexeren Einsatzszenarien. Dazu gehört die Unterstützung des Kundendialogs, die Abgabe von Empfehlungen oder die Überwachung des Tagesgeschäftes. Die Anwender scheinen Entscheidungen von intelligenten Technologien und deren Fähigkeiten im Umgang mit Menschen noch kritisch gegenüberzustehen. Eine unserer Customer Experience-Studien zeigt allerdings, dass Verbraucher dem Dialog mit Maschinen recht aufgeschlossen gegenüberstehen – wenn sie im Vorfeld aufgeklärt werden, dass es sich um ein künstliches Gegenüber handelt.

KI-Beauftragter als Brückenbauer

Wohin dann aber mit dem KI-Beauftragten? Meiner Meinung nach sind KI-Beauftragte an der Schnittstelle zwischen Fach- und IT-Abteilung gut angesiedelt. Er oder sie kann von dort aus gemeinsam mit Anwendern Einsatzszenarien entwickeln und sie anschließend mit der IT-Seite umsetzen. Idealerweise würde es sich dabei um Kollegen aus einem Geschäftsbereich handeln, die sich grundsätzlich mit den Möglichkeiten dieser Technologien auskennen. In Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen würden so Use-Cases entstehen, die konkreten wirtschaftlichen Mehrwert erzeugen und auf die Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten sind.

Fazit: KI-Beauftragte für Change Management und Kompetenzentwicklung

Ein KI-Beauftragter liefert in einigen Szenarien einen Mehrwert. Wer seine Fachabteilung etwa bereits von den Vorteilen der KI-Nutzung überzeugt hat, kann das Change Management auch ohne KI-Beauftragten gestalten. Wer jedoch konkrete KI-Einsatzszenarien entwickeln möchte, sollte eine zentrale Person haben, die sich mit dem Thema beschäftigt – insbesondere, wenn das Know-how über Künstliche Intelligenz erst noch aufgebaut werden muss.

Wie handhaben Sie die Einführung von KI? Welche Diskussionen führen Sie in Ihrem Unternehmen oder sind Sie schon über dieses Stadium hinaus? Schreiben Sie mir.

 

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