Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen: Die Krankenversicherung der Zukunft

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KI bietet gesetzlichen Krankenversicherungen und ihren 70 Millionen Versicherten neue Möglichkeiten. Ein Überblick über KI-Einsatzszenarios von heute und morgen.

Lisa Neumann, Capgemini

Artificial Intelligence (AI) made in Germany“ – so lautet der Titel der nationalen Strategie für Künstliche Intelligenz (KI) der Bundesregierung. Für die Umsetzung bis 2025 sind rund drei Mrd. Euro vorgesehen. Ein wichtiges Handlungsfeld dabei: der Gesundheitssektor. Von Diagnostik bis Verwaltung gibt es verschiedenste Anwendungsfelder. Es lohnt deshalb ein genauer Hinblick, wo KI bereits einsetzbar ist oder in absehbarer Zeit einen Mehrwert bieten kann.

 

1. KI unterstützt Prävention und Diagnostik

KI kann im Kontext der Prävention und Diagnostik, z. B.  in der Radiologie, angewandt werden, um mithilfe von Mustererkennung frühzeitig Erkrankungen wie Krebs zu identifizieren. Einen ersten Schritt in diese Richtung unternahm das norwegische Universitätskrankenhaus „Ahus“. In Norwegen existieren national vereinbarte Prozesse zur Diagnose und Behandlung von Krebspatienten. Mit dem Ziel, die Effizienz dieser Prozesse und die Qualität der eigenen Arbeit in diesem Kontext zu steigern, veranlasste das Krankenhaus eine Studie. Unter Einsatz von IBM Watson Explorer-Tools wurden die in medizinischen Unterlagen dokumentierten MRT-Befunde von Patienten mit Prostatakrebs analysiert. Mit Hilfe von Machine Learning konnten so unstrukturierte Daten untersucht und in ein quantifizierbares Format gebracht werden. Diese Vorgehensweise ermöglichte dem Krankenhaus eine bessere Organisation der diagnostischen Informationen sowie eine schnellere quantitative Untersuchung der Inhalte. Langfristig können so Krankenhausressourcen optimiert und die Patientenversorgung verbessert werden. Aber auch Therapieentscheidungen werden durch diese Vorgehensweise unterstützt.

2. KI verschafft Pflegebedürftigen mehr Selbständigkeit

Ein weiteres Anwendungsfeld, welches künftig vom KI-Einsatz profitieren könnte, ist die Pflege. Hier können intelligente Geräte, wie z. B. Wearables, die Möglichkeit bieten, trotz Pflegebedarf, möglichst lange selbstbestimmt zu leben. Unternehmen wie z.B. AiServe machen hier einen Anfang, indem sie Blinden und sehbehinderten Menschen helfen, sich unabhängig fortzubewegen. Eine Kombination aus maschinellem Sehen (engl. Computer Vision) und KI ermöglicht dem Wearable, welches an der Brille des Nutzers angebracht wird, Hindernisse zu erkennen und den Nutzer entsprechend per Sprachanweisung zu navigieren.

3. KI-basierter Gesundheitscheck als Dienstleistung der GKV

Die KI ermöglicht nicht nur neue Behandlungsmethoden, sondern hat auch das Potenzial, Verwaltungsprozesse und die Kontaktpunkte zum Kunden beziehungsweise Patienten zu verbessern. Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen Gesundheitsversorgung und der Einsatz von KI könnte hier, neben den Angestellten, vor allem den rund 72 Mio. Versicherten zugutekommen.

Die Techniker Krankenkasse macht es vor: Das Portfolio ist seit Ende 2018 um ein digitales Leistungsangebot reicher, denn sie stellt ihren Versicherten ab sofort den KI-basierten Symptomcheck des Berliner Unternehmens „Ada Health“ zur Verfügung. Es handelt sich hierbei um eine chatbasierte Anwendung, in der dem Versicherten Fragen zu seinen Symptomen gestellt werden, mit dem Ziel eine qualifizierte Analyse bereitzustellen. Die gelieferten Gesundheitsinformationen sind verständlich aufbereitet und qualitätsgesichert. Der Nutzer wird über mögliche Ursachen seiner Beschwerden informiert und es werden nächste Schritte, wie z. B. eine Konsultation des Arztes, vorgeschlagen. Darüber hinaus sollen diese Informationen künftig mit Ärzten geteilt und besprochen werden können.  Ein Angebot wie das von Ada spart somit nicht nur Zeit und Ressourcen für Ärzte und Patienten, sondern stärkt obendrein die Patientenmündigkeit. Zudem zeigt die aktuelle „Digital Health“ Studie der Bitkom, dass 42 Prozent aller Internetnutzer sich vor einem Arztbesuch online informieren.

4. Verwaltungsprozesse der GKV KI-gestützt vereinfachen

Auch die internen, verwaltungsorganisatorischen Prozesse von Krankenversicherungen könnten durch den Einsatz von KI profitieren – zum Beispiel im Kontext der Belegprüfung. Im Rahmen der Kostenerstattung von Bonusprogrammen verlangen Krankenkassen vor Erstattung zunächst die Einreichung elektronischer Bildbelege durch den Versicherten. Diese variieren je nach Leistung und werden heute durch zuständige Sachbearbeiter der Kasse manuell geprüft. Dieser Prozess erweist sich als zeitaufwendig und birgt die Gefahr, dass fehlerhafte Dokumente nicht verifiziert oder nicht alle Dokumente geprüft werden.

Ein Verbesserungsvorschlag könnte wie folgt aussehen: Nachdem die Belege elektronisch durch die Versicherten übermittelt wurden, evaluiert ein Algorithmus – basierend auf KI –  alle Dokumente. Die KI erkennt den jeweiligen Dokumententypen, analysiert dessen Inhalt und ordnet es schließlich einer entsprechenden, vordefinierten Gruppe zu. Anschließend durchlaufen nur jene Dokumente eine manuelle Prüfung durch den Sachbearbeiter, die durch das System als auffällig markiert wurden. Ziel dabei ist ein vollautomatisierter intelligenter Prozess, der dem Sachbearbeiter ermöglicht, sich auf spezielle und komplexe Fälle zu konzentrieren. Der Prozess der Belegprüfung würde dadurch beschleunigt und schnellere Rückmeldungen möglich werden. Somit bliebe wieder mehr Zeit für den Austausch mit den Versicherten.

Fazit

Künstliche Intelligenz bietet einige vielversprechende Chancen im Rahmen von Verwaltung und Patientenversorgung. Richtig angewandt, könnten langfristig alle Akteure des Gesundheitswesens profitieren. Gerade die GKV sollte sich daher mit dem Thema intensiv beschäftigen und die notwendige Expertise beschaffen. Aufgrund ihrer Verantwortung für über 70 Millionen Versicherte liegen hier – neben Diagnostik und Behandlung – die größten Potenziale für einen vielversprechenden Einsatz von KI im Gesundheitssektor.

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