Wie die Einführung agiler Vorgehensmodelle im Engineering gelingt

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Wie können Sie Agile Engineering strukturiert einführen und gleichzeitig eine individualisierte Lösung für Ihr Unternehmen gestalten?

Agile Vorgehensmodelle versprechen enorme Optimierungspotenziale. Allerdings müssen sich produzierende Unternehmen aufgrund der Komplexität physischer Produkte zusätzlichen Herausforderungen stellen. Diese Aspekte haben wir in den ersten zwei Artikeln unserer Agile Engineering Blog-Reihe beleuchtet. Nun stellt sich die Frage, wie produzierende Unternehmen die Herausforderungen der agilen Transformation konkret meistern können? Hierfür empfehlen wir ein mehrstufiges Vorgehensmodell und zeigen auf, worauf bei dessen Nutzung zu achten ist.

 Jede Transformation muss individuell an das Unternehmen angepasst werden

Unternehmen im Engineering bieten unterschiedlichste Produkte mit variierender Komplexität an. Außerdem befinden sich einige Unternehmen bereits inmitten ihrer agilen Transformation während andere gerade erst starten. Deshalb ist es nur bedingt möglich, ein Standardvorgehen für die agile Transformation zu definieren welches auf jedes Unternehmen direkt anwendbar ist.

Das ideale Vorgehen hängt von vielen Faktoren ab: Kann mit dem Kunden gemeinsam ein Produkt entwickelt werden oder validieren wir dieses anhand eines Proxys? Wie konkret müssen Anforderungen vorab detailliert werden, um eine für den Endkunden geeignete Lösung zu definieren?  Welche Eigenschaften benötigt das MVP, um die Grundfunktionen zu erfüllen? Welche Prozesse und Organisationsstrukturen bestehen bereits, die agiles Arbeiten unterstützen?

Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Unternehmen empfehlen wir ein strukturiertes Vorgehensmodell zur agilen Transformation anzuwenden,  die einzelnen Schritte jedoch individuell anzupassen. Manche Unternehmen können z.B. die ersten Piloten bereits nach wenigen Wochen dem Kunden anbieten, während dies in anderen Fällen erst wesentlich später möglich ist und daher die Validierung des Produkts auf andere Weise erfolgen muss. Die Kombination aus strukturiertem Vorgehen und maßgeschneiderten Maßnahmen stellt eine lösungsorientierten Ansatz sicher und gibt den Unternehmen zusätzlich die Flexibilität, Erkenntnisgewinne aus der Umsetzung bei laufender Transformation zu berücksichtigen. Die agile Transformation ist somit in sich ein Projekt, das agil gemanagt werden sollte.

Ein strukturiertes Vorgehen ist Grundstein für eine erfolgreiche agile Transformation

Um Engineering Unternehmen bei der agilen Transformation zu unterstützen, nutzen wir einen iterativen Ansatz, der die Struktur für eine erfolgreiche Umsetzung vorgibt (siehe Abbildung 1).

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Abbildung 1: Vorgehen zur agilen Transformation

 

Die Transformation beginnt mit der Phase „Assess & Adapt“, in der ein Zielbild entwickelt wird, um eine Vision für die agile Transformation zu formulieren und damit die Richtung für die Anstrengungen vorzugeben. Diese Vision sollte einen gewünschten Zielzustand beschreiben, welcher während der Transformation laufend optimiert wird. Aus dem Zielbild heraus werden konkrete Optimierungspotentiale identifiziert, deren Umsetzung das Unternehmen näher zum Erreichen des Zielzustandes führt. Die Optimierungspotentiale werden hinsichtlich Nutzen & Umsetzungsaufwand bzw. Komplexität bewertet und priorisiert. Sie bilden damit den Backlog für die Transformation.

In der „Design-Phase“ analysieren wir die wichtigsten Optimierungspotentiale und erarbeiten daraus konkrete Maßnahmen für die Umsetzungsphase. Situationsabhängig muss das Unternehmen neue Rollen definieren bzw. Verantwortlichkeiten anpassen, neue Technologien wie z.B. Additive Fertigung, Augmented Reality, Generative Design, etc. einführen oder die Geschäftsprozesse umgestalten. Wir empfehlen pro Sprint in der Design-Phase maximal drei Optimierungspotentiale gleichzeitig zu behandeln, um ausreichenden Fokus sicherstellen. Gleichzeitig werden in der Design Phase Pilotprojekte ausgewählt, in denen die Maßnahmen exemplarisch umgesetzt und verprobt werden.

Nach dem Design werden die Maßnahmen in „Pilotprojekten“ im Unternehmen eingeführt und unter realen Bedingungen angewendet. Durch die schnelle Umsetzung lassen sich bis dahin unbekannte Probleme sowie Abhängigkeiten zu Schnittstellen früh erkennen. Wichtig hierbei ist, die Piloten zuerst im kleinen Maßstab zu realisieren, damit die negativen Konsequenzen im Falle eines Scheiterns gering ausfallen. Gleichzeitig ist das Team und die Ressourcenzuweisung in den Piloten entscheidend: Ein hoch motiviertes und qualifiziertes Team ist erfolgsentscheidend, da bei der initialen Einführung der Methoden mit unerwarteten Problemen zu rechnen ist und die Mitarbeiter in der Lage sein müssen, schnell und pragmatisch zu reagieren. Der dritte wichtige Aspekt der Pilotphase ist das Change Management. Dies gilt es ab dem ersten Tag zu berücksichtigen, da ohne die Zustimmung der Mitarbeiter die neuen Verbesserungen nicht langfristig im Unternehmen werden können. Wir empfehlen zuerst die Führungskräfte zu schulen, da ein tiefgreifender Wandel in einem Unternehmen immer von oben geführt werden muss. Dennoch gilt es auch der Basis ausreichende Möglichkeiten bereitzustellen, sich mit den neuen Methoden vertraut zu machen. Das Unternehmen kann seinen Mitarbeitern hierfür Trainings für agile Zusammenarbeit oder eine digitale Change & Communication Plattform anbieten.

Nach der Pilotphase schließt sich der Kreis und wir gleichen in der Phase „Asses & Adapt“ die Ergebnisse des Piloten mit dem Zielbild ab. Erfüllt der Pilot nicht die Erwartung werden auf Basis der neuen Erkenntnisse neue Maßnahmen definiert oder die bestehenden Maßnahmen verfeinert. Maßnahmen zufriedenstellender Piloten werden skaliert und in den relevanten Unternehmensbereichen ausgerollt, um Optimierungspotentiale bestmöglich auszuschöpfen.

Erfahren Sie im nächsten Artikel: Welche Schwierigkeiten und Widerstände bei der Einführung auf Sie zukommen und wie Sie diese meistern können.


Vielen Dank an die Co-Autoren Nicola Leonard Haag, Robert Adam und Maximilian Nagl.

Erfahren Sie hier im 1. Blog unserer Reihe wie Sie agile Methoden die Ausrichtung Ihrer Entwicklungsorganisation an den Leitlinien: Effizienz, Risikominimierung und Mitarbeiterorientierung unterstützten.

Im 2. Artikel „Agile Vorgehensmodelle in der Produktentwicklung – Vorraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung“ zeigen wir auf, welchen Herausforderungen sich Entwicklungsorganisationen bei der Einführung agiler Vorgehensmodelle stellen müssen.

Mehr Infos über agile Produktentwicklung in unserem Beitrag in der Wirtschaftswoche: „Wie Fahrzeuge im Sprint entstehen

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Alle Blogartikel zu diesem Thema:

  1. Be agile or be disrupted – Warum Agile Engineering für produzierende Unternehmen in der Zukunft überlebenswichtig wird
  2. Agile Vorgehensmodelle in der Produktentwicklung – Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung
  3. Wie die Einführung agiler Vorgehensmodelle im Engineering gelingt
  4. Mögliche Widerstände bei der Einführung agiler Produktentwicklung & entsprechende Lösungsansätze
  5. „Agile Engineering“ vs. „Automotive SPICE“ – Gegensatz oder Ergänzung?

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