E-Health: Fortschritt per Gesetz

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Digitale Angebote von Krankenversicherern wünscht sich der Verbraucher – und es fordert sie das E-Health-Gesetz. Doch der Weg in die Moderne hat viele Schritte. Am schnellsten voran kommen Versicherer zusammen mit InsurTechs.

Nils Steinmeyer,
Capgemini

Grau, konservativ und eingestaubt – diese Vorurteile gegenüber Versicherungshäusern treffen teils noch immer zu. Wenn jetzt die Digitalisierung bei Krankenversicherungen den Staub aufwirbelt, bringt das Vorteile für alle Seiten.

Wichtig dabei ist, dass die Krankenversicherer ihre Digitalisierungsstrategie klar definieren – in drei Bereichen: der Verbesserung der medizinischen Patientenversorgung, einer Verbesserung der Servicequalität für Versicherte und Leistungserbringer und die Optimierung von Prozessen für Arbeitgeber und Beschäftigte.

Der Service für Versicherte und Leistungserbringer beispielsweise ist bislang sehr umständlich: Der Arzt stellt das Rezept auf Papier aus; der Patient gibt es dem Apotheker, tritt selbst evtl. in Vorkasse und holt sich das Geld anschließend über seine Krankenversicherung via Abrechnung zurück. Das kann dauern, ist aufwendig und nicht mehr zeitgemäß.

Vernetzte Gesundheitsversorgung: digital, präventiv und individuell

Veränderte Verbraucherwünsche und das E-Health-Gesetz – beschlossen, um die Chancen der Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung zu fördern – zwingen die Versicherer jetzt zu kundenfreundlichen Lösungen: Gesundheits-Apps, die elektronische Patientenakte (ePA) und Telemedizin sind die Zukunftsthemen der Branche. Dies prägt die aktuelle Diskussion rund um das E-Health-Gesetz 2.0 – auch Digitalisierungsgesetz genannt.

E-Health ermöglicht durch besseren Service zufriedenere Kunden und gleichzeitig die Kosten zu senken. Zentrales Element der vernetzten Gesundheitsversorgung wird die ePA sein, die die Krankenkassen und -versicherer ab Januar 2021 anbieten müssen. Kritisch für ihren Einsatz ist es, alle in ihr gespeicherten Gesundheitsdaten zuverlässig zu schützen.

Automatisierung von Prozessen und Services

Dank ePA lässt sich auch die Leistungserbringung in der PKV digitalisieren: Der Arzt leitet Verordnungen dann automatisch an den Versicherer weiter. Dieser kümmert sich um die Beschaffung bzw. Bereitstellung für den Versicherten und begleicht die Rechnung direkt beim Leistungserbringer. So muss der Versicherungsnehmer nicht mehr in Vorkasse treten und der Versicherer kann Betrug bei der Rezeptabrechnung leichter verhindern.

Versicherer können viele Abläufe optimieren, indem sie ihre regelbasierten Geschäftsprozesse weiter automatisieren. Dabei steht die Bearbeitung von Arztberichten, Diagnosen, Rezeptrechnungen u. a. mittels Text-Mining im Fokus. Auch eine Arzneimittelberatung und die Aufklärung über eventuelle Wechselwirkungen ist mit Künstlicher Intelligenz (KI) per Chatbot als Service denkbar.

InsurTechs, die neuen Antreiber des Markts

Die notwendigen Investitionen können jedoch gerade kleinere Krankenversicherer kaum schultern – und nicht jeder muss das Rad neu erfinden. Es empfiehlt sich daher die Kooperation mit externen Partnern: InsurTechs, die das nötige Technologie-Know-how mitbringen sowie agile Arbeitsmethoden und eine innovative, experimentierfreudige Kultur. Wie mein Kollege Thomas Hillar in der Versicherungswirtschaft schreibt, verfolgen aktuell mehr als 80 Prozent der InsurTechs in Deutschland einen kooperativen Ansatz. Versicherer können von ihren Geschäftsmodellen und Services profitieren und ihr eigenes E-Health-Geschäftsmodell so zügig vorantreiben.

Aus der InsurTech-Landschaft kommen allerdings auch Wettbewerber, die Druck aufbauen: So bietet die erste rein digitale private Krankenversicherung ottonova ihren Kunden bereits jetzt die volle Convenience des digitalen Zeitalters per App. Den etablierten Versicherern ist sie damit einen großen Schritt voraus. Zwar hat ottonova erst wenige Versicherte, aber ihr digitales Modell ist sehr vielversprechend. Auch die neuen Versicherungs-Konzepte von JP Morgan / Amazon und Berkshire Hathaway sind für Deutschland denkbar.

Krankenversicherer sollten versuchen, die Richtung des digitalen Wandels im Gesundheitsmarkt mitzubestimmen. Möglich ist dies mit der passenden Digitalstrategie und ihrer nutzerfreundlichen Umsetzung. Proaktiv handeln kann hier sicherlich am besten, wer sich von gewachsenen Strukturen löst und evtl. neue Kooperationen eingeht.

Wo stehen Sie – zeichnen Sie die neuen Wege gerade ein, sind Sie längst unterwegs oder fragen Sie sich, wie Sie den ersten Schritt angehen könnten? Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.

Mehr zum Thema Customer Journey in der PKV/ GKV mit Bezug zur Hilfsmittelversorgung finden Sie in der Studie Vom Patienten aus denken – Die Kundenreise in der Krankenversicherung, die wir kürzlich gemeinsam mit dem  Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) herausgegeben haben.

 

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