Blockchain: Wie startet Distributed Ledger in der Logistik durch?

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Blockchain ist auf dem Vormarsch – die Technologie soll Lieferketten transparenter machen und dadurch mehr Glaubwürdigkeit schaffen. Die Umsetzung steckt aber noch in den Kinderschuhen.

Maurice Tank, Capgemini

Während die Digitalwährung Bitcoin – das wohl bekannteste Beispiel einer Blockchain – sich nur langsam vom letzten Crash erholt  (FAZ: Bitcoin-Kurs rutscht unter 4000-Dollar-Marke), ist die Blockchain Technologie noch lange nicht weg vom Fenster. Im Gegenteil: Solution Provider wie SAP und IBM haben das Potenzial der Technologie erkannt und investieren in industriespezifische Innovationsprojekte. Sogar die Politik hat die Thematik aufgegriffen und will bis zum Sommer eine Blockchain-Strategie vorlegen. Der Bitkom hat hierzu sein Positionspapier am 5. April veröffentlicht, auch meine Kollegen und ich wurden dafür vorab um Empfehlungen gebeten. Die Blockchain soll der Schlüssel zu einem neuen Zeitalter sein, in dem Lieferketten durchgängig transparent sind. Doch was wären die Grundvoraussetzungen dafür, dass die Blockchain Technology in der Logistik im großen Stil bis 2025 Einzug findet?

Blockchain: Schlüsselrolle bei der digitalen Transformation

Unsere neue Studie (Download hier) zu diesem Thema zeigt, wie Unternehmen an das Thema der Distributed Ledger Technology (DLT) herantreten. Die Vorteile der DLT sind eine unveränderliche, dezentrale, peer-to peer-Datenbank, die die Sicherheit, Transparenz und Rückverfolgbarkeit digitaler Transaktionen erheblich erhöht. Mehr Transparenz ermöglicht teure Rückrufaktionen zu verhindern, Kontaminationen zur Quelle ihrer Entstehung zurückzuverfolgen und einzudämmen. Auch der Endverbraucher profitiert, da er die Authentizität des Produkts überprüfen kann. Vereinfacht gesagt können Schwachstellen in Lieferketten entlarvt werden. Die Vision: Maximale Sicherheit auf allen Ebenen. Im Endeffekt erlaubt die DLT das allseits beliebte Kostensparpotenzial. Die volle Transparenz von Prozessen eröffnet im gleichen Zug die Möglichkeit, diese effizienter und damit kostengünstiger zu gestalten.

Logistik: Zwei große Herausforderungen bis 2025

Angenommen, DLT soll im großen Rahmen die Logistik bis 2025 unterstützen. Was wären die notwendigen Schritte? Kühne + Nagel zeigt in unserer Success Story, wie die DLT in einer realen Produktionsumgebung eingesetzt werden kann. Der Logistikdienstleister kontrolliert das Gewicht von Seefracht Containern (=Verified Gross Mass) mit Hilfe der DLT und übermittelt gleichzeitig die Daten an angeschlossene Reedereien. Die Vielzahl der beteiligten Parteien macht dieses System für einen ersten testbaren DLT Anwendungsfall optimal. Der gezeigte Use Case ist noch relativ klein und überschaubar, vor allem im Vergleich zu den komplexen Lieferketten weltweit. In globalen Lieferketten haben verschiedene Teilnehmer andere Anforderung, die sie an eine DLT-Umgebung stellen. Einen Produzenten interessiert die Herstellungsprozesse, der Spediteur kümmert sich um den Transport, der Händler um den Verkauf, und die Behörden um die rechtliche Aufsicht. Jeder hat andere Wünsche und Vorstellungen, was ein Distributed Ledger können soll, und vor allem, welche Daten ausgetauscht werden sollen.

Notwendige Schritte: Digitalisierung und Standardisierung der Blockchain

Aktuell gibt es Bestrebungen einen Standard zu etablieren, aber diese sind auch nicht vereint und nur von wenigen getrieben. Ein Beispiel wäre das Joint Venture von Maersk und IBM. Es stellt sich auch die Frage, wer diesen Standard einführen soll. Der Produzent, der die Prozesse eines Einzelhändlers nicht kennt oder wer übernimmt die rechtlichen Vorgaben aller Länder? Um bis 2025 die DLT im großen Rahmen in der Logistik einzuführen, müssen sich alle Beteiligten in den nächsten zwei Jahren auf einen Standard einigen, um die nachfolgende Implementierung bis 2025 abzuschließen.

Eine weitere Herausforderung ist der Digitalisierungsgrad der Prozesse in der Logistik: Auch wenn wir von einigen Vorreitern, wie Walmart, wissen, wie weit sie ihre Prozesse digitalisiert haben, stehen die meisten noch am Anfang. Die Frachtpapiere, die ein Container um die Welt begleiten, können mehr als 100 Seiten betragen, und das auf echtem Papier.

Nur weil große Einzelhändler wie Walmart viel Geld in die Digitalisierung stecken, sind andere noch lange nicht so weit. Hierbei müsste, ähnlich wie bei der Standardisierung, in den nächsten Jahren viel passieren. Auch die kleinen und mittelständischen Unternehmen müssen hier investieren, um nicht abgehängt zu werden. Die Digitalisierung kann und muss parallel zur Standardisierung erfolgen, sodass in zwei bis drei Jahren der gemeinsame Weg zur DLT begangen werden kann.

Für wie realistisch halten Sie das Szenario?

Capgemini: Blockchain Konzept im Supply-Chain-Management

 

Mehr zum Thema Blockchain in Lieferketten erfahren Sie in unserer Studie „Does blockchain hold the key to a new age of supply chain transparency and trust?“. Oder hören Sie meinen Vortrag auf dem Blockchain Summit in Nürnberg am 8. Mai um 17.00 Uhr.

 

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