Be agile or be disrupted – Warum Agile Engineering für produzierende Unternehmen in der Zukunft überlebenswichtig wird

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Wie unterstützten agile Methoden die Ausrichtung Ihrer Entwicklungsorganisation an den Leitlinien: Effizienz, Risikominimierung und Mitarbeiterorientierung?

Agilität verspricht großes Potential, auch jenseits der IT-Branche

Nachdem agile Ansätze die Software-Branche erfolgreich revolutioniert haben, stellt sich zunehmend die Frage nach der Anwendbarkeit in weiteren Branchen: Die Herausforderungen, die agile Vorgehensmodelle in der IT gelöst haben, bestehen auch in anderen Sektoren. Dramatische Effizienzgewinne, Qualitätsverbesserungen bei gleichzeitiger Reduktion der Time-to-Market und Sprünge in der Mitarbeiterzufriedenheit erregen branchenunabhängig die Aufmerksamkeit der Manager. Die Vorteile eines agilen Ansatzes spiegeln sich direkt in den Beweggründen für eine Einführung agiler Prozesse wider (siehe Abb. 1).

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Abb. 1: Beweggründe für die Einführung agiler Vorgehensmodelle, Mehrfachnennung möglich (Quelle: Capgemini 2017)

 

Trotz beachtlicher Erfolge in der IT-Branche haben sich agile Vorgehensmodelle bisher nicht in produzierenden Unternehmen durchsetzen können. Abgesehen von wenigen Pilotprojekten finden sie in der Praxis kaum Anwendung. Dies wird unter anderem durch die Natur cyberphysischer Systeme begründet. Agilität muss hier anders gedacht werden – mehr dazu in späteren Beiträgen.

Trotz der geringen Verbreitung und den Herausforderungen in der Operationalisierung, birgt Agilität für produzierende Unternehmen ein immenses Potential. Agile Ansätze beinhalten innovative Antworten auf Fragen, die viele Unternehmen, unter anderem aus dem Automobil- und Maschinenbau sowie aus der Luft- und Raumfahrt, beschäftigen. Agile Engineering bietet die Möglichkeit Effizienzen in der Produktentwicklung zu heben, Risiken zu minimieren und Mitarbeiter optimal einzubinden.

Agile Engineering erhöht die Effizienz der Produktentwicklung

Kunden wünschen sich zunehmend individualisierte Produkte und Lösungen. Beim Versuch alle Kundenwünsche und -gruppen zu bedienen finden sich viele Hersteller mit übermäßig komplexen Produkten wieder. Bei nicht-agilen Arbeitsweisen werden Kunden nur unzureichend in den Entwicklungsprozess einbezogen. So werden wirtschaftlich fragliche Funktionen realisiert, die nicht den Bedürfnissen des Marktes entsprechen. Wirklich innovative Produkte bieten dem Kunden eine neue Lösung an, die er selbst meistens nicht formulieren konnte. Um dies zu leisten, müssen sich Unternehmen intensiv und direkt in den Dialog mit ihren Kunden begeben.

In diesem Umfeld zeigen agile Vorgehensmodelle ihre Stärken: Durch eine fortlaufende, iterative Verprobung von Zwischenprodukten mit dem Kunden wird das Produkt bei laufender Entwicklung validiert und so die Spezifikation direkt abgesichert. Implizite Kundenwünsche können durch die Interaktion von Kunden mit dem Produkt und Entwicklern besser erfasst werden („I know it when I see it“). Dabei wird nur soweit vorausgeplant wie unbedingt nötig und verlässlich möglich. Auch späte Änderungswünsche können so berücksichtigt werden – ohne aufwendige Change-Gremien und Aufwände für Neuplanungen. Die klare Fokussierung auf den Kunden generiert dabei schnell Business Value. Durch Priorisierung und Konzentration auf das Wesentliche wird die Komplexität in der Entwicklung beherrschbar sowie Prozesse schlanker und effizienter.

Agile Engineering minimiert Risiko

Die kontinuierliche Validierung von Produkten bei Anwendung agiler Methoden verringert Unsicherheiten im Entwicklungsprozess. Fehlentwicklungen werden früher erkannt und behoben. Durch die Integration der Teilsysteme werden zuvor unbekannte Abhängigkeiten aufgezeigt. Auf diese kann die Entwicklung besser reagieren und dadurch das Risiko von hohen Kosten und Zeitverzügen durch späte Änderungen minimieren.

Die regelmäßige Integration des Systems in der agilen Produktentwicklung verbessert die Transparenz bezüglich des Produktreifegrades. Nur ein funktionierendes Produkt zeigt echten Fortschritt, während detaillierte Planungen und Spezifikationen komplizierte Abhängigkeiten möglicherweise übersehen.

Die Planung im Agile Engineering beschränkt sich auf die absehbare Zukunft und lässt Flexibilitätspotentiale offen. Dadurch können auch späte Erkenntnisse im Entwicklungsprozess berücksichtigt werden, ohne große Aufwände für die Überarbeitung der Pläne zu generieren.

Agile Engineering stellt den Mitarbeiter in den Mittelpunkt

Der Erfolg eines Unternehmens ist direkt von der Motivation und Qualifikation der Mitarbeiter abhängig. Die besten Absolventen gehen nicht zu den Unternehmen mit den größten Gehaltschecks. Sie suchen nach Sinn in ihrer Arbeit und der Möglichkeit zu gestalten. Sie wollen ihre Kreativität und Innovationskraft in starken Teams einbringen dürfen und die Erfolge ihrer Arbeit miterleben. Im Agile Engineering entscheiden die Konstrukteure, welche technische Lösung die Kundenbedürfnisse und Vorgaben für das Produkt am besten befriedigt. Damit werden technische Entscheidungen wieder bei den technischen Experten getroffen und so der Rahmen für wahre Innovation gesetzt. Gleichzeitig wird der Mitarbeiter unmittelbar verantwortlich und sieht die Erfolge seiner Arbeit. Die Ziele sind klar benannt und können direkt beeinflusst werden, was schlussendlich zu gesteigerter Motivation und Zufriedenheit führt.

Agile Engineering für Ihr Unternehmen

Agile Engineering bietet für viele Unternehmen interessante Zukunftsperspektiven. Die Umsetzung muss jedoch individuell an das Unternehmen/Projekt angepasst werden. Lesen Sie in unseren folgenden Beiträgen, wie agile Entwicklung für physische Systeme anders funktionieren muss, als im IT-Sektor. Lesen Sie auch, welche Hürden Ihnen begegnen werden und mit welchen Gegenstrategien Sie die agile Transformation in Ihrem Unternehmen zum Erfolgsmodell machen!

Passend zum Thema beschreiben wir in unserer neuen Studie „Potenziale des autonomen LKWs“ den Einfluss von Technologien auf die Wirtschaftlichkeit von Lastkraftwagen.

Vielen Dank an die Co-Autoren Nicola Leonard Haag, Robert Adam und Maximilian Nagl.

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Alle Blogartikel zu diesem Thema:

  1. Be agile or be disrupted – Warum Agile Engineering für produzierende Unternehmen in der Zukunft überlebenswichtig wird
  2. Agile Vorgehensmodelle in der Produktentwicklung – Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung
  3. Wie die Einführung agiler Vorgehensmodelle im Engineering gelingt
  4. Mögliche Widerstände bei der Einführung agiler Produktentwicklung & entsprechende Lösungsansätze
  5. „Agile Engineering“ vs. „Automotive SPICE“ – Gegensatz oder Ergänzung?

 

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