Smart Forwarding: Brauchen wir bald keine Speditionen mehr?

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Die vollautomatisierte Koordination von Lkws und Seefracht könnte bald schon Realität werden.

Die effiziente Distribution von Waren im ganzen Land und darüber hinaus ist ein Hauptbestandteil des Lieferprozesses und kann als wesentlicher Erfolgsfaktor angesehen werden. Trotz aller Anstrengungen fahren im Durchschnitt 30% der deutschen Lkws leer. In diesem Umfeld scheint es absurd, dass Unternehmen in einigen Fällen zwanzig bis dreißig Spediteure kontaktieren müssen, nur um einen geeigneten Spediteur für ihre Sendung zu finden.

Der Grund ist ein sehr unübersichtlicher Transportmarkt mit tausenden von kleinen und mittelständischen Unternehmen aus unterschiedlichsten Ländern. Viele Unternehmen setzen auf veraltete Dispositionssysteme und scheuen aufgrund ihrer geringen Margen und einer unsicheren Zukunft wichtige Investitionen.

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Abbildung 1: Seit 2016 haben sich mehrere Unternehmen um den Bereich des „Smart Forwardings“ entwickelt.
(Quelle: https://trends.google.com/trends/explore [1.10.2018])

50% aller deutschen Lkws werden bis 2030 über eine zentrale IT-Plattform koordiniert.

In den letzten Jahren haben sich jedoch mehrere innovative Unternehmen der Herausforderung gestellt, ein System zu schaffen, das alle Sendungen auf einer zentralen Plattform bündelt und den besten Carrier mit der erforderlichen verfügbaren Kapazität findet, siehe Abbildung 1. Aufgrund der hohen Komplexität gibt es zurzeit zwar noch kein Unternehmen, dass in allen Transportbereichen eine adäquate Lösung stellen kann, jedoch gibt es erste Vorreiter, die bei der Disposition von Lkws bzw. Seefracht erhebliche Fortschritte machen konnten. Das Potenzial einer zentralen Vertriebsplattform ist dabei enorm. Nach eigenen Recherchen haben sich im Jahr 2018 bereits Speditionen mit einem Volumen von ca. 160.000 Trucks auf den Plattformen angemeldet. Bei anhaltendem Trend werden bis 2030 rund 50% aller in Deutschland fahrenden Lkws über eine zentrale IT-Plattform koordiniert.

Ein weiterer wichtiger Trend in diesem Zusammenhang sind selbstfahrende Lkws. Das Einsparpotenzial ist enorm. Die Arbeitskosten machen bis zu 43% aller Transportkosten aus und schränken den Betrieb des Fahrzeugs auf 13 Stunden pro Tag ein. Autonome Lastkraftwagen werden es den Unternehmen ermöglichen, ihr Material aus Ländern zu beziehen, die heute außer Reichweite sind, und die Zuverlässigkeit des Straßenverkehrs erheblich erhöhen.

Im Jahr 2030 werden die meisten Unternehmen nicht mehr von Spediteuren abhängig sein. Die benötigten Fahrzeuge werden automatisch und kurzfristig bestellt, um der variablen Nachfrage gerecht zu werden. Eine zentrale IT-Plattform gleicht Teil-Sendungen ab und koordiniert die Lkw selbstständig. Dieser Ansatz wird den Umschlag von Waren verringern, da die Plattform Sendungen mit ähnlichem Ursprung und Ziel ermittelt. Darüber hinaus berücksichtigt die Plattform auch das zukünftige Ziel jedes Lkws im Planungsprozess und findet neue Sendungen, bereits bevor ein Lkw das Ziel erreicht hat. Die Überwachung aller Sendungen erfolgt durch ein kleines Team, das von allen Lkws die Echtzeitdaten erhält und automatisch benachrichtigt wird, wenn eine Sendung eine Verzögerung oder ein Problem aufweist. Mit den fahrerlosen Lkw ist die zentrale Plattform an keine Einschränkungen wie Arbeitszeiten oder geografische Grenzen gebunden.


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Tobias Braun, Capgemini Invent

Über den Autor: Tobias Braun

Tobias Braun ist Teil des Operations Transformation Teams bei Capgemini Invent. Gemeinsam mit seinen Kunden entwirft er Supply-Chain-Netzwerke, die genau auf die Kundenbedürfnisse und zukünftige Markttrends zugeschnitten sind. Neben seiner Leidenschaft für die Supply-Chain-Strategie, engagiert er sich stark im Smart Forwarding, das darauf abzielt einen zentralen und vollautomatischen Distributionsprozess zu schaffen.

 

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